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In Greiling entsteht gerade ein großes Blockhaus.

Blockhausbau: Ein Stück Kanada in Greiling

Greiling – Ein bisschen fühlt man sich wie in der kanadischen Wildnis, wenn man derzeit am Greilinger Sägewerk vorbeikommt. Inmitten der Natur wird hier gerade ein gigantisches Holz-Blockhaus errichtet. Mehrere Kettensägen sind zu hören, den Stämmen wird der Feinschliff verpasst.

Dahinter steckt Nikolas Berwian, 43 Jahre alt, und gelernter Zimmerer. Mit seiner Firma „Nicolog“ baut er Blockhäuser. Seit 20 Jahren beschäftigt er sich mit dieser Art des Hausbaus, kam dadurch viel herum, nach Russland, Kanada, Rumänien. Seit 2011 hat Berwian das 200 Jahre alte Greilinger Sägewerk gepachtet. „Hier fühle ich mich superwohl“, sagt er.

Hier, mitten in der Greilinger Natur, kann er seinen Kunden am besten vermitteln, was seine Arbeit bedeutet. „Wenn sie mich fragen, wo das Holz herkommt, zeige ich auf die umliegenden Hänge“, sagt Berwian. „Wir verwenden hier nur Tannenholz aus lokalem Einschlag.“ Das Projekt, an dem er derzeit arbeitet, ist größer als seine gewöhnlichen Häuser. Es wird ein luxuriöserer Bau für eine Familie in der Steiermark.

Für sein Großprojekt hat Berwian ein besonders starkes Holz verwendet, auf speziellen Kundenwunsch. Der längste Stamm misst 21 Meter. Etwa 270 Kubikmeter Holz sind verbaut.

Am Anfang eines jeden Bauprojekts steht ein Architektenplan des Kunden. „Daraus erstellen wir dann eigene Werkpläne“, sagt Berwian. „Wir müssen aufzeichnen, welcher Stamm wohin gehört.“ Seit Ende Mai wird das Einfamilienhaus gebaut. Die Montage in der Steiermark ist für Mitte Oktober geplant. Mit fünf Lastwagen wird das Haus nach Österreich transportiert, fein säuberlich in alle Einzelteile zerlegt. Die Fertigstellung vor Ort ist dann schnell getan. „Das dauert normalerweise zehn Tage“, sagt Berwian, der sich als „Exot in der Baulandschaft“ bezeichnet. Danach folgt der Ausbau, „wie bei jedem anderen Haus auch“.

Holzbau sei im Trend, sagt Berwian. Vielen Leuten sei es wichtig, auf ökologischen Hausbau zu setzen. Die verwendeten Bäume könnten eine irrsinnige Menge an CO2 speichern. Allerdings müsse man zwischen dem kanadischen Naturstammhaus, das er baue, und den Holzhäusern aus maschineller Produktion unterscheiden. „Bei uns ist alles Handarbeit“, sagt Berwian. Jeder Stamm wird aufwändig entrindet. Die Herausforderung beim Naturstamm ist, dass er unregelmäßig ist. „Wir müssen die Konturen passgenau übertragen.“ Daher wird Spezialwerkzeug aus Nordamerika wie der Anreißzirkel benötigt. Dennoch könne der Preis für ein Blockhaus mit einem herkömmlichen bau mithalten.

Nikolas Berwian, 43 Jahre alt und gelernter Zimmerer, baut mit seiner Firma „Nicolog“  Blockhäuser.

„Das Haus hält durch sein eigenes Gewicht“, sagt Nikolas Berwian.“ Es seien keine Verbindungsmittel nötig, nur ein paar Holznägel stecken in dem Bauwerk. Die schweren Stämme werden mit Hilfe eines Krans in Position gebracht. Mit fünf bis sechs Mann arbeitete der Zimmerer im Sommer an dem Haus. „Wir werden oft beneidet, weil wir durch die viele Arbeit im Freien so braun sind“, sagt er lachend. „Aber dieses Jahr hat uns mit dem Regen schon zugesetzt.“ Generell sei er aber schon ein naturverbundener Mensch.

Zu dieser Art des Holzhaus-Baus kam Nikolas Berwian durch einen zweijährigen Aufenthalt in Kanada. „Da bin ich damit in Berührung gekommen. Ich habe das Ganze dann weiterentwickelt.“ Nach einer Zimmererlehre blieb der gebürtige Saarländer in Oberbayern. Seit 20 Jahren baut er nun Blockhäuser.

Aber nicht nur das: Von der kleinen Sauna über die Hütte bis zum Einfamilienhaus hat er schon alles gefertigt. Demnächst wird er ein größeres Saunaprojekt angehen. Zwei bis drei Einfamilienhäuser kann er auf dem Platz des Sägewerks gleichzeitig erstellen.

„Die meisten meiner Kunden sind junge Familien. Oder Leute, die ein Luxusprodukt wollen“, sagt Berwian. Oft hätten die Klienten eine besondere Affinität zu Kanada oder Amerika. Die Nachfrage sei konstant. Wobei sich die Naturstamm-Bauweise in Deutschland noch nicht so sehr verbreitet habe. In Österreich sei sie hingegen sehr gefragt. Oder auch in Russland, wo Berwian drei Jahre tätig war. Dort arbeitete er allerdings nicht mit Tannenholz, sondern mit der exklusiven Zirbelkiefer.

Ein Holzhaus kann laut Nikolas Berwian gut und gerne mehrere hundert Jahre halten. „In Skandinavien gibt es Blockhäuser, die 800 Jahre alt sind.“ Im Laufe der Zeit bekomme das Tannenholz eine silbergraue Patina. Natürlich müsse der Bewohner das Haus auch entsprechend belüften, „Holzschutz ist wichtig“.

Gibt es auch Probleme beim Holzhaus? Zumindest nicht mit dem Brandschutz, wie man vielleicht vermuten möchte. „Ein dicker Stamm brennt nicht gut“, sagt Berwian. Schwierigkeiten gebe es eher mit den immer extremeren Wärmedämmvorschriften. „Da sind wir fast am Limit dessen, was machbar ist.“ Eigentlich sei es paradox: „So wird schließlich schon seit vielen Jahrhunderten gerade in Gebieten, in denen es kalt ist, gebaut. Alle, die ein Holzhaus haben, sagen, dass es super warm drin ist.“ Aber ein Projekt in der Schweiz sei gerade aufgrund der Wärmevorschriften auf der Kippe. Das wäre sehr schade, denn so Berwian: „Hier wird der gesamtökologische Aspekt nicht berücksichtigt.“

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