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Jubel herrscht bei Mannschaftskapitän Lorenz Funk (re.) und Ernst Köpf (li.) über einen Treffer durch Walter Köberle (Mi.) im überraschend guten Spiel der Eishockey-Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland gegen Polen.

Erinnerungen an Olympia 1976: „Buam, wir haben Bronze“

Greiling - Eishockeyspieler Lenz Funk aus Greiling holte vor 40 Jahren überraschend eine Olympiamedaille mit Deutschand  – obwohl alle glaubten, dass ein Tor fehlt.

Die Eishockey-Macht USA zu besiegen, ist eine große Sache. Lorenz Funk sen. und der deutschen Nationalmannschaft gelang dieses Kunststück am 14. Februar 1976. Vergangenen  Sonntag vor 40 Jahren bei den Olympischen Spielen in Innsbruck schlug das Team von Bundestrainer Xaver Unsinn die Amerikaner mit 4:1 – und schlich mit hängenden Köpfen vom Eis. „Totenstimmung in der Kabine“, erinnert sich Funk. Warum in aller Welt? „Wir waren der Meinung, dass wir für die Bronzemedaille noch ein Tor mehr gebraucht hätten“, sagt der 68-jährige Greilinger. Was keiner wusste: Es zählte bei den punktgleichen Deutschen, Finnen und US-Amerikanern nicht die Tordifferenz und die mehr geschossenen Tore. Sondern der ominöse Torquotient (geschossene geteilt durch kassierte Tore). Und hier hatte die BRD um 0,042 Zähler die Nase vorn.

Funk und seine Mitspieler saßen also schweigend in der Kabine, hatten die USA nicht nur irgendwie, sondern deutlich besiegt – und bliesen Trübsal. Warum hatte der Trainer den Torhüter nicht rausgenommen, um noch Chancen auf dieses eine Tor zu kriegen? „Die einen schimpften, die anderen sagten gar nichts, gingen duschen, alle waren sauer und enttäuscht“, sagt Funk. Doch auf einmal kam Sportwart Roman Neumayer. „Er faselte irgendwas von Bronze und Torquotient“, sagt Funk. Erst wurde er beschimpft, doch er blieb dabei: „Buam, wir haben Bronze.“ Und das, sagt Funk grinsend, „wegen einer Sache, von der wir noch nie etwas gehört hatten.“ Den Spielern war’s egal. Jetzt wurde gefeiert statt getrauert.

Schon dass es überhaupt um Bronze ging, war eine Überraschung. Nach blamabler Vorbereitung fuhren die Deutschen als Prügelknaben nach Innsbruck, als Touristen. Funk zieht den Vergleich zum aktuellen EM-Titel der deutschen Handballer. „Auf die hätte auch keiner was gegeben.“ Ein Großteil des DEB-Teams 1976 bestand aus Spielern des Deutschen Meisters Berliner SC. „Wir hatten den Titel fünf oder sechs Spieltage vor Schluss sicher“, sagt Funk, damals Kapitän des Schlittschuhclubs. „Da war die Luft raus.“ Etliche Vorbereitungsspiele gingen verloren, Deutschland wurde ausgepfiffen. „Alle haben geschimpft.“ Sie sollten lieber zu Hause bleiben, weitere Blamagen vermeiden.

Es kam anders. Beim 5:1 über die Schweiz – Funk schoss zwei Tore – präsentierte sich das Team wie verwandelt. Funk: „Da waren wir hochmotiviert, es hat wieder gepasst.“ Damit qualifizierte es sich zur Finalrunde und war zurück in der Weltklasse. „Da hat es bei uns einen Schalter umgelegt“, sagt Funk. Als im ersten Spiel ein 7:4-Sieg gegen Angstgegner Polen gelang, „hatten wir plötzlich Selbstvertrauen.“

Denn es war eine „reife Mannschaft“, meint Funk. „Eine gute Mischung aus routinierten und jungen Spielern.“ Erich Kühnhackl, Kapitän Alois Schloder und der flinke Rainer Philipp im ersten Block: „Drei Granaten“, sagt Funk. Er selbst spielte in der „Berliner Sturmreihe“ mit Ernst Köpf und Martin Hinterstocker.

„Ein eingeschworener Haufen.“ Der plötzlich auf Medaillenkurs war. Gold war vergeben an Seriensieger Sowjetunion. Da wurde das Ziel – einstellige Niederlage – mit 3:7 erreicht. Silber hatte die Tschechoslowakei gebucht. Aber Bronze war möglich – bei einem Sieg mit vier Toren Unterschied gegen die USA. „Wir haben die Chance gewittert“, sagt Funk.

Und er zieht eine weitere Parallele zur Handball-Nationalmannschaft: Wie beim Europameister stellte Trainer Unsinn für das wichtige Spiel damals gegen die USA die Nummer Zwei zwischen die Pfosten: Anton Kehle, eigentlich Ersatzkeeper hinter Erich Weishaupt, wuchs gegen die USA ähnlich wie Andreas Wolff bei der Handball-EM über sich hinaus. Deutschland legte auf 2:0 vor, der Anschlusstreffer zog sie nur kurz runter, sie ließen zwei weitere Tore folgen. Nach dem 4:1, das Funk mit einem schlitzohrigen Pass auf Köpf vorbereitete, „sind wir ins Rennen gekommen“, sagt Funk. „Wir wussten: Jetzt fehlt nur noch ein Tor zur Medaille.“ Und beste Chancen waren da: Funk fand sich plötzlich allein vor dem Tor wieder, vertändelte die Scheibe. Schloder, Köpf und noch zweimal Funk vergaben Riesenchancen. Es blieb beim Sieg, der sich schlimmer als eine Niederlage anfühlte.

Allerdings nur bis zu den Rechenspielen in der Kabine. Dann wurden die Deutschen plötzlich zu Helden. „Manche haben vor Freude zu weinen angefangen“, sagt Funk. Die Spieler stürmten aus der Dusche. „Ein Wunder, dass keiner einen Zeh verloren hat, weil die anderen noch mit Schlittschuhen herumgelaufen sind.“ Die Medaille wurde zur Gewissheit, spätestens bei der Siegerehrung – neben den Dominatoren der UdSSR und der Tschechoslowakei: Der größte Erfolg des deutschen Eishockey seit 1932, als es schon einmal Olympia-Bronze gab.

Funk kehrte kürzlich an den Ort des Erfolgs zurück. Im Rollstuhl: Er kämpft momentan gegen eine Krebserkrankung. In Innsbruck traf sich der 225-fache Nationalspieler und dreifache Deutsche Meister mit seinen Teamgefährten von damals – begleitet vom Bayerischen Rundfunk, der diesen Samstag (17 Uhr) eine Dokumentation zum „Wunder von Innsbruck“ ausstrahlt. Ein Treffen voller Wiedersehensfreude. Aber auch Sorge um den Teamgefährten, der das entscheidende Tor vorbereitet hatte. Damals haben Funk und Co. gezeigt, dass man Dinge schaffen kann, die andere für unmöglich halten.

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