Faszination Trail-Fahren im Isarwinkel: Mountainbiker Robert Werner ist als Sportler davon begeistert und lässt auch gerne seine Gäste daran teilhaben. Er mahnt: Die Region setze ihren guten Ruf in der Szene aufs Spiel. Foto: Claude Hofmann

Kritik an neuen Schildern

Ärger im Mountainbike-Paradies

Jachenau/Lenggries - Von neuen Hinweisschildern in der Jachenau bis hin zur Watschen gegen einen Radfahrer an den Sunntraten: Der Lenggrieser Robert Werner beklagt, dass sich die Stimmung gegenüber Mountainbikern im Isarwinkel rapide verschlechtert. Er fürchtet: Die Region stelle sich damit touristisch ins Abseits.

„Achtung! Dieser Steig eignet sich nicht zum Radfahren – das Befahren ist unzulässig und gefährlich“, heißt es auf neuen Schildern, die die Gemeinde derzeit an einigen Jachenauer Steigen aufstellt (wir berichteten). Deutliche Kritik an diesem Vorgehen äußert der Lenggrieser Hotelier und Veranstalter des Radl-Events „Flow Gaudi“ in Lenggries, Robert Werner. Aus seiner Sicht heizen die Schilder die Stimmung gegenüber Mountainbikern unnötig an – und vergraulen damit eine wichtige Gästeklientel aus dem Isarwinkel.

„In der Mountainbiker-Welt höre ich immer wieder: In die Jachenau will keiner mehr hin“, sagt Werner. Dabei habe der Isarwinkel einen Ruf zu verlieren. „Wir sind in ganz Deutschland als Mountainbike-Region bekannt. Jetzt fürchte ich, dass das in kurzer Zeit zunichte gemacht wird.“ Falls das passiere, sei auch er selbst betroffen: Werner bietet geführte Mountainbike-Touren an, und die Bergradler sind eine wichtige Gästegruppe für seinen „Altwirt“ an der Lenggrieser Marktstraße.

In Fachmagazinen und Internetforen seien die neuen Jachenauer Schilder ein großes Thema, hat der Lenggrieser beobachtet – und sie würden alles andere als positiv aufgenommen. Auch wenn der Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch betont, die Schilder seien nicht als feindseliger Akt gegenüber Mountainbikern, sondern eher als Sicherheitshinweis gedacht: Bei etlichen Sportlern komme ein anderes Signal an, meint Werner: „Sie fühlen sich unerwünscht.“ Auch er selbst habe nun Hemmungen, mit Gruppen in die Jachenau zu fahren. „Man muss ja fast damit rechnen, blöd angeredet zu werden.“

Die Schilder haben nach Robert Werners Meinung vor allem einen Effekt: „Die Feindseligkeit in den Bergen wird gepusht. Sie heizen die Atmosphäre völlig unnötig an.“ Dabei gebe es die viel zitierten Konflikte zwischen Mountainbikern und Wanderern im Grunde gar nicht. „Ich selbst habe noch nie eine feindselige Äußerung zu hören bekommen“, sagt der begeisterte Sportler. „Wir sind doch alles Naturliebhaber. Eine Feindschaft existiert da nicht. Die Berge gehören allen, und in der Realität gibt es ein gutes Miteinander.“

In diesem stellt Werner in jüngster Zeit aber immer wieder Risse fest. Da nennt er den Vorfall, als ein Spaziergänger einem Fahrradfahrer an der Gaißacher Sunntraten eine Watschen verpasste. Oder als eine Wandergruppe am Rißsattel zwei Mountainbiker an einem Steig nicht passieren ließ und diese fotografierte, wie einer der Beteiligten selbst in einem Leserbrief schilderte. „So etwas ist Selbstjustiz“, kritisiert Werner.

Aus seiner Sicht ist die Rechtslage eindeutig: Ein Verbot von Steigen für Mountainbike-Fahrer sei juristisch nicht haltbar. Auch die von Bürgermeister Riesch ins Feld geführte Haftungsfrage sei in Wirklichkeit „kein Problem“ und „nur vorgeschoben“.

Vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Stimmung gegenüber Mountainbikern will der Hotelier sein Bike-Szenetreffen „Flow Gaudi“ in der Lenggrieser Kaserne künftig nicht mehr veranstalten. Sein Fazit: „Eine ganze Region ist gerade dabei, sich ins Abseits zu stellen“ – während in unmittelbarer Nachbarschaft das Tegernseer Tal voll auf den Mountainbike-Tourismus setze.

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