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„Die schwarzen Schafe unter den Mountainbikern sind eine wachsende Gruppe“, beklagt der Kreisjagdverband.

Radfahren verboten

Gemeinde weist Mountainbikern den Weg

Jachenau – Wo sind Mountainbiker in den Bergen gern gesehen – und auf welchen Wegen nicht? Als erste Gemeinde im Landkreis stellt die Jachenau mit neuen Schildern klar, wo Radfahrer aus ihrer Sicht nichts verloren haben.

„Dieser Steig eignet sich nicht zum Radfahren – das Befahren ist unzulässig und gefährlich!“ Mit diesem Hinweis versucht die Gemeinde Jachenau ab sofort, Mountainbiker von einer Reihe von Steigen im Gemeindegebiet fernzuhalten. Dieser Tage werden laut Bürgermeister Georg Riesch 30 bis 50 Schilder mit der genannten Aufschrift aufgestellt.

„Die schwarzen Schafe unter den Mountainbikern sind eine wachsende Gruppe“, beklagt der Kreisjagdverband. dpa

Zuvor habe sich der Gemeinderat genau überlegt, wo die Schilder angebracht werden sollen. „Wir sind das gesamte Wegenetz durchgegangen“, berichtet der Rathauschef. Am Ende habe man sich für Stellen entschieden, „bei denen wir gesagt haben: Da passt es nicht“, so Riesch. Der Hinweis werde sich an steilen, schmalen oder treppenartig angelegten Steigen finden, „die aus unserer Sicht gefährlich sind – also nicht aus der Sicht von Mountainbike-Profis, die den Kick suchen“. Zudem platziere man die Schilder „dort, wo wir sagen: Das ist ein klassischer Wandersteig, da passen Radfahrer nicht dazu.“ Komplett beschildert würden der Staffel – „da gehen drei Wanderwege rauf, von denen keiner für Mountainbikes geeignet ist“ – und der Hirschhörndlkopf.

Riesch ist dennoch überzeugt: „Es bleiben immer noch genügend Möglichkeiten, sich bei uns mit dem Fahrrad auszutoben und seine Kondition unter Beweis zu stellen.“ Die Mountainbiker könnten praktisch überall Ausweichrouten finden, etwa Forststraßen. „Es gibt bei uns sehr attraktive Strecken. Es muss nicht unbedingt der große Kick sein.“ Überhaupt ist es dem Bürgermeister wichtig zu betonen, dass die Schilder nicht als feindlicher Akt gegen Mountainbiker anzusehen seien.

Vielmehr gehe es der Gemeinde um Haftungsfragen. „Die Erfahrung zeigt: Immer, wenn etwas passiert, wird ein Schuldiger gesucht“, sagt Riesch. Wenn aber die Schilder stehen, könne sich im Fall eines Unfalls kein Mountainbiker mehr auf eine „unvorhersehbare Gefahr“ berufen. „Wer die betroffenen Steige trotzdem befährt, dem muss klar sein, dass er das in eigener Verantwortung tut. Wenn es einer drauf anlegt und trotzdem fährt, haftet er selbst.“ Nicht zuletzt gelte es, die Grundeigentümer, über deren Flächen die Steige führen, vor Regressforderungen zu schützen.

Gegenüber „Normalradfahrern“ sehe sich die Gemeinde sogar geradezu in der Pflicht, „sie davon abzuhalten, sich in Gefahr zu begeben“. Die Schilder dienten auch „zum eigenen Schutz“ der Radfahrer. In einigen Mountainbike-Führern oder im Internet seien Routen beschrieben, die für Ungeübte höchst riskant seien.

Nicht zuletzt gelte es, den Wanderern einen möglichst ungestörten Naturgenuss zu ermöglichen und Konflikte mit Mountainbikern von vornherein zu vermeiden. Schließlich sei die Jachenau als beliebte Wandergegend bekannt.

Kreisjagdverband: „Nicht aufführen wie die Axt im Walde“

Auf den Schildern, die die Gemeinde Jachenau aufstellt, findet sich auch ein Verweis auf das bayerische Naturschutz- und das Waldgesetz. Auf die Rechtslage beruft sich auch Wolfgang Morlang, der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Bad Tölz, in einer Stellungnahme zum Thema Mountainbiker. Diese würden oft „mit großem Selbstbewusstsein“ auftreten und sich auf ein „verfassungsmäßiges Recht“ berufen, so Morlang. „Das Erlebnis in der freien Natur ist eines der ursprünglichsten und steht mit Recht in der bayerischen Verfassung“, räumt Morlang ein. „Aber auch den Mountainbikern muss klar sein, dass sie im Wald nicht die alleinigen Herren sind, sondern sich gemeinverträglich mit den anderen berechtigten Nutzern arrangieren müssen.“

So müssten die Natur geschont und die Belange der Eigentümer geachtet werden. „Das ist nicht der Fall, wenn Zäune zerstört, ungeeignete Wege befahren, Wald- und Forstwirtschaft beeinträchtigt, Fußgänger behindert werden oder die Jagd gestört wird.“ Morlang kennt Fälle im Südlandkreis, „in denen Mountainbiker durch Wildfütterungen fahren und damit das Wild vergrämen – während der ,Notzeit‘.“ Jeder Jäger habe Mountainbiker erlebt, „die zu den unmöglichsten Zeiten oder an den unbekanntesten Stellen unterwegs sind und so Ansitz oder Pirsch stören“.

Privatwege in der freien Natur dürften von jedermann genutzt werden, so Morlang – allerdings nur, wenn diese geeignet seien. Dabei gebühre dem Fußgänger Vorrang. Landwirtschaftliche Nutzflächen dürften laut Naturschutzgesetzt nur auf vorhandenen Wegen betreten werden. „Radfahren im Wald ist nur auf Straßen und geeigneten Wegen zulässig.“

Zudem betont Morlang: „Ein Großteil der Forstwege und Rücketrassen im Isarwinkel sind privat gebaut. Die anliegenden Waldeigentümer müssen sich daran beteiligen, haben dann aber den Vorteil, hiebreifes Holz leichter zu verbringen. Und zu diesem Zweck sind die Straßen eingerichtet – nicht für den Leistungssport!“

Alle, die die Natur genießen wollen, kann Morlang verstehen. „Aber leider sind die schwarzen Schafe in den Reihen der Mountainbiker, die sich aufführen wie die ,Axt im Walde‘, eine wachsende Gruppe.“

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