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Gemeinsam gegen das giftige Kreuzkraut: Asylbewerber beim Einsatz auf einem Jachenauer Feld. 

Asylbewerber in der Jachenau

Integration beim Kreuzkraut-Stechen

Jachenau - Lange galt die Jachenau aufgrund ihrer Lage und Infrastruktur als ungeeignet, um Asylbewerber unterzubringen. Heute leben dort etwa 40 Flüchtlinge – im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten im ganzen Landkreis. Einigen gefällt es so gut, dass sie bleiben möchten.

Das giftige Kreuzkraut hat in der Jachenau heuer eine Handvoll neuer Gegner, die der Pflanze beherzt zu Leibe rücken: Eine Gruppe von Asylbewerbern hat sich bereits mehrere Male auf dem Feld eines örtlichen Bauern zusammengefunden, um die gelb blühenden und vor allem für Pferde und Rinder gefährlichen Pflanzen auszustechen. Es ist einer der Momente, die zeigen: Die Jachenau und Flüchtlinge – das passt in einigen Bereichen besser zusammen, als sich das mancher vorab vorgestellt hatte.

Für Johanna Warham vom Jachenauer Helferkreis ist die Kreuzkraut-Aktion eine „Win-win-Situation“. „Der Bauer profitiert – denn ganz allein wird dem Kreuzkraut keiner Herr“, sagt sie. Die Flüchtlinge wiederum nähmen das gute Gefühl mit, etwas Sinnvolles zu tun. Außerdem kämen sie mit einheimischen Wanderern und Radfahrern ins Gespräch – dabei ließen sich so manche Missverständnisse ausräumen.

Ganz nebenbei sehen die Asylhelfer bei solchen Aktinen, welcher der Asylbewerber sich auch auf einer Arbeitsstelle gut machen würde – und welcher weniger. In dieser Hinsicht dürfte die Erfolgsquote unter den Jachenauer Flüchtlingen überdurchschnittlich sein. Warham zählt sechs von ihnen auf, die feste Arbeitsverträge haben. In der Jachenauer Volvo-Werkstatt, im Sägewerk, bei einem Bauunternehmen und im Gasthof Jachenau sind mittlerweile Afghanen angestellt. Ein Nigerianer hat einen Job bei einer Kältetechnik-Firma. Besonders freut sich Warham über den Erfolg einer Frau aus Somalia, die ohne Schulbildung nach Deutschland kam und nun im Lenggrieser Pflegeheim arbeitet. Andere machen ein Praktikum im Straßenbau oder eine Computer-Fortbildung.

„Wir haben sehr aktive Leute im Helferkreis, die auf die Arbeitgeber zugehen“, sagt Warham. Auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Das funktioniere freilich nur, wenn auch der Asylbewerber Einsatz zeige.

Als Asyl-Helferin erlebe sie da „ein Wechselbad der Gefühle“, sagt Warham. „Wenn man im Deutsch-Unterricht vor einer halbleeren Klasse steht, denkt man sich schon manchmal: Hab’ ich eigentlich nichts Besseres zu tun?“ Auch in Sachen Pünktlichkeit gebe es oft Nachholbedarf. Warhams Methode: „Wer zum Unterricht zu spät kommt, steht vor verschlossener Tür“ – mag er nun klopfen, wie er will. Auf der anderen Seite gebe es immer wieder Erfolgserlebnisse.

Und wie gefällt es den Flüchtlingen in der Jachenau? „Sie haben ja gar keine Wahl“, sagt Johanna Warham trocken. „Sie sind nun einmal hier und müssen abwarten, wie ihr Asylverfahren ausgeht.“ Anfangs habe es einige gegeben, die wieder weg wollten. „Aber dann haben sie gesehen, wie es hier läuft. Dass es im Frühjahr und Herbst nach Dung riecht, daran haben sie sich gewöhnt. Und sie kriegen ja auch mit, wie viel Unterstützung sie bekommen.“ Der Jachenauer Helferkreis sei fast groß genug für eine „Eins-zu-eins-Betreuung“, so Warham. Mittlerweile hätten einige den Wunsch geäußert, auch nach Abschluss ihres Asylverfahrens in der Jachenau zu bleiben. Von denjenigen, die bereits ein Bleiberecht in Deutschland bekommen haben, seien aber zwei nach München umgezogen und ein weiteres Ehepaar mit drei Kindern plant, nach Dortmund zu gehen, wo Verwandte leben.

Dass die Zahl der Bewohner in den beiden Jachenauer Unterkünften stieg, hatte übrigens nicht nur mit neuen Zuweisungen zu tun. „Seit Januar gab es in den Flüchtlingsfamilien drei Geburten, und drei Frauen sind aktuell schwanger“, berichtet die Helferin und scherzt: „Die Jachenauer Grundschule muss sich also langfristig keine Sorgen um ihren Bestand machen.“

Kreuzkraut-Aktion: Für den morgigen Samstag werden noch weitere Helfer gesucht, die sich ab 10 Uhr am Ausstechen des Kreuzkrauts in der Jachenau beteiligen. Sie sollten Arbeitshandschuhe und Wurzelstecher mitbringen. Interessierte melden sich bitte vorab bei Familie Warham, Telefon 08043/434.

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