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Diskussion um Nagetier

Biber begeistert nur bedingt

Kochel am See - Längst ist der Biber wieder heimisch geworden im Landkreis. Das allerdings ist nicht für alle eine frohe Botschaft, denn der Nager kann ordentlich Schaden anrichten. Dennoch darf nichts unternommen werden, was dem Biber schadet. Und: Noch nie wurde beim Landratsamt eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss beantragt.

Die emsigen Bauarbeiten des Bibers haben Folgen für die Landwirte: Gewässer werden aufgestaut, Wiesen versotten, Deiche untergraben. Oft verursachen Biber Gefahren – lassen Bäume umfallen oder beschädigen Kläranlagen. Zuletzt untergruben die Tiere zwischen Kochel und Ort den Schotter neben den Bahngleisen. Der Unterbau durchweichte.

In solchen Fällen muss gehandelt werden. Die Biberbeauftragten des Landkreises stellten nach Besichtigung der Stelle einen Eilantrag an die Bahn, damit der Schaden schnell behoben wird. Gernot Walther aus Kochel ist einer der drei ehrenamtlichen Biberexperten des Landkreises. Er weiß: Gerade im Herbst und Winter sind Biber verstärkt im Einsatz. Das Gras, von dem sie sich im Sommer ernähren, wächst nicht mehr nach, weshalb sie sich ihrer zweiten Lieblingsspeise zuwenden: den Bäumen. Weiches Gehölz wie Weiden und Pappeln bevorzugen sie und fressen davon am liebsten Rinde, Zweige und Blätter.

Ein geringer Schaden: „Diese Bäume wachsen schnell nach“, sagt Walter. Aber der Biber ziehe Gräben, flute Wiesen und Felder, baue Tunnel ohne Baugenehmigung und schleppe die Baumbeute zum leichteren Transport ins Wasser. Probleme und Gefahren, für die Lösungen her müssen: „In den allermeisten Fällen ist das möglich“, sagt auch Bernhard März, der hauptamtlich als „Isarranger“ tägig ist. „In manchen Landkreisen werden Abschussgenehmigungen vielleicht zu schnell erteilt, wenn es auch anders ginge“, sagt er. Klar ist: Man darf nichts unternehmen, was dem Biber schadet, denn er ist geschützt.

Hat man einen Problembiber auf seinem Grund, kommen die ehrenamtlichen Berater zur Hilfe. Es gibt außerdem die Möglichkeit, eine Entschädigung beim Umweltministerium zu beantragen, laut März „für Schäden, die nicht abzusehen waren“. Kommt es ganz schlimm, wird der Biber umgesiedelt – aber nie abgeschossen. März: „Hier im Landkreis wurde noch keine Ausnahmegenehmigung erteilt, nicht mal eine beantragt.“

Der Artenschutz hat seinen Grund: Der Biber war einst kurz vor dem Aussterben. Begehrt waren sein Fell, sein Fleisch und sein Drüsensekret, das „Bibergeil“, dem Heilkräfte zugesprochen wurden. Im Mittelalter wurde er wegen seines Schuppenschwanzes von der Kirche sogar zum Fisch erklärt und konnte somit auch in der Fastenzeit verspeist werden.

Dass es wieder viele Biber gibt, findet März eine erfreuliche Entwicklung, denn „sie sind eine absolute Bereicherung“. Große Populationen gibt es inzwischen wieder im Loisach-Kochelsee-Moos und entlang der Isar. „Die Natur profitiert vom Biber. Die Fischfauna wird vielfältiger, er bringt Licht in Monokulturen, und er schafft ganz neue Gewässerstrukturen mit Seitenarmen und Kleingewässern, wo sich dann wieder Tiere und Pflanzen ansiedeln können oder Schutz finden“, erklärt der Isarranger. „Der Biber ist ein Landschafts- und Auengestalter und unterstützt das komplexe System aus Fluss und Landschaft.“

Experten vermuten außerdem einen Zusammenhang zwischen der wieder auflebenden Population der Schwarzstörche und den Bibern. Das ist die positive Seite des Nagers – Leben lassen schafft auch Lebensraum.

Ines Gokus

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