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Erinnerungsbild: Ein Gruppenfoto des 41. Ausbildungslehrgangs vor dem damaligen Lehrgangsgebäude.

Neue Dokumentation

Erinnerungen an die Nazi-Motorsportschule

Kochel am See - Was ist eigentlich während des Dritten Reichs in Kochel geschehen? Darüber gebe es viel zu erzählen, sagt Helmut Renner. Mit einer großen Dokumentation rund um die ehemalige Gebirgsmotorsportschule der Nationalsozialisten am Kochelsee hat der leidenschaftliche Heimatkundler nun einen Anfang gemacht.

Wer nur Groschenromane liest oder gleich gar nicht, muss auch jetzt nicht weiter lesen. Denn Helmut Renners 420 Seiten umfassende Dokumentation ist nur für Geschichtsinteressierte geeignet, die sich auch in komplexere, wissenschaftliche Texte einlesen möchten. Sie allerdings könnten mit dem Buch „Die Gebirgsmotorsportschule am Kochelsee 1933 bis 1945 – und die Eigentumsverhältnisse um den Aspensteinbichl vor 1933 und nach 1945“ ihre Freude haben – und viel erfahren darüber, wie die Nationalsozialisten Stück für Stück Besitz ergriffen haben von einem prägenden Teil Kochels.

Unheimlich viel hat Helmut Renner in mehrjährigen und akribischen Recherchen über die Geschichte des sogenannten Aspensteinbichls zusammengetragen, der sich, grob gesagt, vom heutigen Trimini über den Hügel mit der Vollmar-Akademie, das St.-Annaheim und wieder hinab zum Kochelseeufer erstreckt. „Schon als Kind hatte ich eine Affinität zur Heimatgeschichte“, erzählt der 53-jährige Kochler der unter anderem schon Bücher über die Funkstation am Herzogstand geschrieben hat.

Eigentlich wollte er nur ein Buch über das Areal verfassen, das heute gemeinhin als Verdi-Grundstück bezeichnet wird. Hier betrieben die Nationalsozialisten jahrelang die „Gebirgsmotorsportschule General Ritter von Epp“. Aber allein darüber zu schreiben, sei einfach nicht gegangen, erklärt Renner. Viel zu viele Zusammenhänge zu den umliegenden Grundstücken des Aspensteinbichls und deren Besitzern hat er im Laufe seiner Recherchen aufgedeckt, die ihn unter anderem ins Bundesarchiv nach Berlin führten. Und ganz viel Vorgeschichte musste aus Verständnisgründen niedergeschrieben werden. Deshalb geht Renners Dokumentation weit über eine bloße Schilderung der Verhältnisse während der Nazizeit hinaus. Sie erzählt von einstigen Kurhotels, Ferienheimen oder Strandbädern am Kochelsee. Man liest über die Geschichte der St. Annaschwestern und die Repressalien, denen sie während des Dritten Reichs ausgesetzt waren. Man erfährt von den Enteignungen, die die Nazis vornahmen, und natürlich, wie sie die Gebirgsmotorsportschule als Ausbildungsstätte für ihre künftigen motorisierten Kriegseinheiten aufgebaut und betrieben haben sowie welche hochrangigen Nazis hier tätig waren.

Auf den ersten Blick recht komplex sind all diese weitläufigen Zusammenhänge, weshalb man laut Renner „das Buch wirklich von vorne lesen muss“. Grausame Geschichten finden sich darin über die Nazizeit in Kochel, und wie die Kochler den Zweiten Weltkrieg erlebten. So erzählt beispielsweise Anton Geiger davon, wie er mit 16 Jahren noch in den letzten Kriegstagen an die Front geschickt wurde. Angereichert ist die Dokumentation mit vielen historischen Fotografien, die unter anderem die Lehrgangsteilnehmer der Gebirgsmotorsportschule bei ihrer Ausbildung zeigen.

Die Dokumentation „Die Gebirgsmotorsportschule am Kochelsee 1933 bis 1945 – und die Eigentumsverhältnisse um den Aspensteinbichl vor 1933 und nach 1945“ kann ab sofort bei Helmut Renner unter der Telefonnummer 0 88 51/73 32 oder per E-Mail an ruth.helmut.renner@t-online.de bestellt werden. Sie kostet 39 Euro. Am Freitag, 7. Oktober, lädt Helmut Renner zu einem Vortrag über seine Dokumentation in die Heimatbühne ein. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Franziska Seliger 

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