Das Ehepaar Franz und Maria Marc hatte keine Kinder. Maria Marc, geborene Frank, hatte jedoch einen Bruder. Dessen Tochter Erika (†) ist die Mutter von Erwin Wimmers. Foto: Deutsches Kunstarchiv

Neuer Film über Franz und Maria Marc

Ferien bei „Tante Mieze“

Kochel am See - Ein neuer Film dokumentiert jetzt erstmals sehr persönlich das Leben von Franz und Maria Marc. Steffen Wimmers, der Urgroßneffe Maria Marcs, hat sich zusammen mit seinem Vater Erwin auf Spurensuche begeben. Der 74-Jährige verbrachte als Kind einige Ferienaufenthalte bei „Tante Mieze“ in der Villa in Ried. 

Der Film, der am Sonntag erstmals im Kochler Franz-Marc-Museum gezeigt wurde, ist ein weiterer Höhepunkt im Marc-Gedenkjahr. Die Idee zum Film ist eng verknüpft mit der Arbeit von Autorin Brigitte Roßbeck. Die Iffeldorferin bearbeitete für ihr jüngstes Buch „Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen: Mein Leben mit Franz Marc“ die bis dato unveröffentlichten Memoiren von Maria Marc. Deshalb hielt sie auch engen Kontakt zu den Nachfahren Marias, der Familie Wimmers. „Da wurde mir klar, wie wichtig es wäre, aus den Erinnerungen meines Vaters einen Film zu machen“, sagte Steffen Wimmers (41). Sein Vater könne noch Geschichten aus jener Zeit erzählen.

Erwin Wimmers ist folglich auch der Protagonist, der den Zuschauer durch den Film führt. Sein Sohn Steffen ist behutsam mit der Kamera dabei, wenn der 74-Jährige all jene bekannten Orte in Kochel, Lenggries und Sindelsdorf besucht, die für Franz und Maria Marc eine so große – und auch schicksalshafte – Rolle in ihrem Leben spielten.

Wer hätte schon damit gerechnet, dass es die Zimmer, die Franz und Maria anno 1906 im Kochler Gasthof Post bewohnten, noch immer so gibt? „Der Gang hier ist noch genauso wie früher“, sagt Elfriede Suttner, als sie Wimmers zu den Räumen 25 und 26 führt. Auch der Kastanienbaum breitet vor den Zimmern noch seine Äste aus.

Immer wieder zeigt Wimmers historische Fotos von Gebäuden und Landschaften. Der Film besticht durch eine schöne, ruhige, berührende Erzählweise. Die Kamera gleitet gerne über die Maschinen geschriebenen Memoiren von Maria Marc. Ergänzend dazu berichtet Brigitte Roßbeck, wie Maria und Franz zusammenfanden, und wie sich ihre Liebe, die anfangs von Schwierigkeiten überschattet wurde, entwickelte.

Nach dem frühen Tod der Mutter verbrachte Erwin Wimmers (li.) mit Vater und Schwester in den 1950er-Jahren einige Ferienaufenthalte bei Maria Marc in Ried. Erwin Wimmers Sohn Steffen (re.) hat jetzt den Film gedreht. Foto: Mühlbauer

Szene für Szene taucht man immer tiefer in das Leben der Marcs ein. Erwin Wimmers wanderte auf die Kohlleite und erzählt dort, warum Maria diesen wunderschönen Aussichtspunkt in „Tränenhügel“ umtaufte. Es ist die Geschichte hinter dem bekannten Bild „Zwei Frauen am Berg“, als Franz und Maria in Kochel weilten und Franz seine weitere Geliebte – Marie – auch noch einlud. Er bat die beiden Frauen, für ein Gemälde im Gras zu posieren. „Was muss Maria für Qualen ausgestanden haben, diesem Wunsch nachzukommen“, sagt ihr Großneffe.

Auf der Staffelalm besuchte Wimmers Besitzer Josef Orterer, dessen Großvater zu Marcs Lebzeiten auf der Alm war. In Lenggries lässt sich Wimmers von Peter Müller, dem Urenkel des damaligen Senners von der Staffelalm, das Bacher-Haus in der Gebhartgasse zeigen. Dort verbrachten Franz und Maria ihren wunderbaren Malsommer im Jahr 1908 – hier entstand das Bild beim Kaffeetrinken an Marias Geburtstag auf dem Balkon, die glänzende Brosche im Haar war ein Geschenk von Franz. Passend dazu zeigt der Film, welche Gemälde 1908 in Lenggries entstanden. In Sindelsdorf führt Chronistin Christel Hübner zu den Orten, an denen die Marcs ihre Spuren hinterließen, vor allem zu jener Laube, in der der „Blaue Reiter“ gegründet wurde.

Erwin Wimmers erzählt, wie liebevoll und warmherzig seine Tante mit den Ferien-Kindern aus Norddeutschland umging. „Ich glaube, es lag daran, dass sie selbst leider keine Kinder bekommen hatte.“ In seinem Kinderzimmer hingen mehrere Bilder, unter anderem die berühmten „Roten Rehe II“ – ein Gemälde, das heute mehrere Millionen Euro wert ist. Mit dem jungen Erwin wurde freilich nicht über Kunst gesprochen – kein Wunder, galt das Interesse des Jungen damals doch mehr der Natur „als diesen abstrakten Bildern“.

Der 82-minütige Film endet mit einer Reise nach Verdun bzw. in die Gemeinde Étain, in der Marc 1916 fiel. Die Wimmers begleiteten die Delegation um Bürgermeister Thomas Holz, der damals zur Kranzniederlegung nach Frankreich reiste. Wimmers fand nicht nur die – vermutlich – erste Grabstätte Marcs, sondern hat auch mühsam recherchiert, warum es damals so schwierig war, einen Protestanten auf den katholischen Kochler Gemeindefriedhof zu überführen.

Der Einsatz, den Maria Marc nach dem Tod ihres Mannes leistete, um die Gemälde zu bewahren, lässt sich kaum in Worte fassen. Der Film würdigt nicht nur diese Arbeit, sondern ist zugleich ein liebevolles Stück bedeutsame Familiengeschichte. Bleibt zu hoffen, dass der Film auch überregional große Beachtung erfährt.

Eine DVD ist in Vorbereitung, weitere Infos zum Verkauf folgen. Eine Fernsehausstrahlung steht noch nicht fest.

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