Taugt das Zeug noch was? Vor Beginn der Versteigerung konnten die Besucher alle Fundgegegenstände unter die Lupe nehmen. Dann bemühten sich die Verwaltungsmitarbeiterinnen Christina Köhler (li.) und Azubi Ina Schmuck (2. v. li.), alles zu verkaufen. Foto: müh

Fundsachenversteigerung im Kochler Rathaus

Dieser Preis ist heiß

Kochel am See – „Bietet noch jemand mehr?!“ Die Gemeinde Kochel hatte am vergangenen Donnerstag zur Fundsachenversteigerung eingeladen. Da bot sich eine gute Gelegenheit, ein paar Schnäppchen zu machen.

Die Besucher waren gut informiert und kamen mit ganz unterschiedlichen Motiven. „Ich arbeite in München und brauche dort ein Radl, wo es nicht so schlimm ist, wenn es geklaut wird“, sagte ein Teilnehmer ganz pragmatisch. Den gleichen Wunsch hatte auch eine weitere Dame. Und eine andere Frau war gekommen, um günstig ein Handy zu ersteigern. „Ich brauche nicht den letzten Schrei.“

Im Sitzungssaal des Gemeinderats war für jeden etwas geboten. Verwaltungsmitarbeiterin Christina Köhler hatte zusammen mit den beiden Auszubildenden Ina Schmuck und Markus Lantenhammer alle Gegenstände feinsäuberlich ausgelegt, jeweils mit einer Nummer beschriftet. „Wir versteigern hier alles, was 2014 und 2015 bei der Gemeinde abgegeben und nicht abgeholt worden ist“, sagte Köhler.

Freilich – so einfach ist das nicht, denn es gibt präzise Vorschriften für eine kommunale Versteigerung. Alle Gegenstände – Radl, Handys, Uhren, Ketten, Sonnenbrillen und Schals – müssen mindestens sechs Monate im Fundbüro gelagert werden. Meldet sich niemand, hat zuerst der Finder das Recht, den Gegenstand zu behalten. Möchte er das nicht, kommt das Gefundene unter den Hammer. Die Gemeinde Kochel führt alle zwei Jahre eine solche Versteigerung durch. „Es sind Gegenstände, die in Kochel, Walchensee und Schlehdorf gefunden worden sind, zum Beispiel auf Wanderwegen“, erklärt Köhler.

Die Gemeinde hat alle Fundsachen aufgelistet und einen Preis festgesetzt. Wer etwas ersteigert, muss sofort bar bezahlen und bekommt dann eine Quittung, im Falle eines Radlkaufs sogar mit Namen. Das hat rechtliche Gründe – denn schließlich könnte es ja passieren, dass jemand plötzlich sein vermisstes Radl wieder erkennt. Der Käufer muss dann nachweisen, dass er nicht der Dieb ist.

Wer jetzt glaubt, die Gemeinde mache mit so einer Fundsachenversteigerung großen Gewinn, der irrt: Die Sachen gehen für Preise zwischen einem und 20 Euro über den Tisch, und das Meiste bleibt ohnehin zurück – zu uninteressant, zu versifft, zu kaputt.

Trotzdem: Für jeden der rund 15 Besucher war etwas dabei, und fast alle gingen zufrieden nach Hause. Einmal gab es sogar eine spannende Kampf-Abstimmung, nämlich als ein gut erhaltenes Fernglas an der Reihe war. Aus den veranschlagten fünf Euro wurden 12,50 Euro – zwei Männer hoben abwechselnd die Hand und boten in 50 Cent Schritten. Auch beim Schmuck ging’s zur Sache. Ein Beutelchen mit zwei Goldkettchen mit kaputtem Verschluss war einem Mann 20 Euro wert, und ein silberner Armreif ging anstatt für zwei für 15 Euro über den Tisch.

Schmuck war der Renner, ganz im Gegensatz zu Schals und Sonnenbrillen. Und das, obwohl sich Azubi Ina Schmuck redlich Mühe gab, eine froschgrüne Kindersonnenbrille und eine schnittige Pilotenbrille bestmöglichst zu präsentieren. „Der nächste Fasching kommt bestimmt“, unterstützte sie noch eine Dame älteren Semesters. Diese Frau war an jenem Nachmittag die Schnäppchenjägerin schlechthin – mehrere Handys für einen Euro („für unseren jüngsten Enkel, da muss eh’ nix funktionieren“), ein Beutel mit Modeschmuck und ein Taschenmesser gingen unter anderem in ihren Besitz über. „Wie viele Enkel haben Sie denn“, scherzte eine andere Frau aus der Reihe dahinter.

Die Stimmung war gut, und fast jeder ergatterte das, was er wollte. Der Mann, der ein Fahrrad für München benötigt, bekam es ebenso wie die Dame, die ein „nicht so trendiges Handy“ suchte. Das schwarze Samsung Galaxy S1 gab’s für drei Euro. „Die Gemeinde übernimmt keine Gewähr für die Gegenstände“, klärte Köhler die Käufer auf. Bei den Handys waren auch noch nostalgische Klapp-Modelle darunter. Sie blieben Ladenhüter. Und was passiert jetzt mit den Sachen, die keinen Abnehmer fanden? Sie wandern auf den Wertstoffhof.

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