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Chris Huber (25) ist vom Zugang zum Internet abgeschnitten.

An den Grenzen der Physik

Kochel am See - Internet gibt’s auch im letzten Winkel? In Urfeld ist das komplizierter.

Im Internet Filme ansehen, Informationen suchen, Kontakte pflegen – für die meisten Menschen ist das das Selbstverständlichste der Welt. Allerdings gibt es auch im Landkreis Wohnlagen, in denen sich diese Grundversorgung äußerst schwierig gestaltet. Davon kann Chris Huber ein Lied singen.

Er und seine Mutter wohnen abgeschieden in Urfeld am Walchensee. Der 25-Jährige leidet wie mehrfach berichtet an einer unheilbaren Bindegewebserkrankung, dem Ehlers-Danlos-Syndrom. Er ist auf den elektrischen Rollstuhl angewiesen. Der jüngste Schub der Krankheit griff seinen Hörnerv an, er trägt jetzt ein Hörgerät. Nicht selten fesselt ihn die Krankheit ans Haus. Das Internet ist für ihn wichtig, sei es als Zeitvertreib oder um am sozialen Leben teilzunehmen.

An seinem Wohnort, der offiziell Urfeld zugerechnet wird, gibt es eine Leitung, die bislang nur eine extrem langsame Datenverbindung erlaubte. Seit drei bis vier Wochen aber „funktionierte das Internet oft nur noch zehn Minuten am Tag“, sagt Chris Huber. Zwei Telekom-Techniker, die vor Ort waren, hätten sich „fassungslos“ über die schlechte Anbindung gezeigt. Einzige Wirkung der Bemühungen, Verbesserungen zu schaffen, war, dass auch noch das Telefon den Geist aufgab. Solche ISDN-Telefone gibt es im Handel aber so gut wie nicht mehr nachzukaufen; die modernen Voice-over-IP-Telefone sind inkompatibel.

Einen alternativen Internetanschluss kann die Telekom nun auch nicht anbieten. Allenfalls die Internetnutzung per PC über den Mobilfunkstandard LTE sei an dieser Stelle möglich. Bezahlbar bietet die Telekom das aber nur im Paket mit Internet-Telefonie an – wofür am Kesselberg aber ebenfalls die nötige Leitung fehlt. „Es gibt Fälle, da stoßen wir an die Grenzen der Physik“, erklärt ein Telekom-Sprecher auf Anfrage des Tölzer Kurier.

Immerhin: Es bleibt ein Ausweg – teuer, aber machbar: „SkyDSL“, Internetzugang über Satellit. Der Haken hier: Die nötige freie Sicht nach Süden wird durch einige kleine Bäumchen gestört. Die müssten gefällt werden. Doch noch hat Huber nicht ganz klären könne, ob sie nun dem Staatsforst oder dem Staatlichen Bauamt gehören.

Ein Hoffnungsschimmer: Der Kochler Gemeinderat hat am Dienstag den Breitbandausbau durch die Telekom beschlossen. Bis der Anschluss von Hubers Zuhause steht, wird es wohl 2018.

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