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Ein Bild aus glücklichen Tagen: Diese Aufnahme zeigt die vermisste Eva-Maria Disch und ihren Mann Armin bei einem gemeinsamen Ausflug.

Seit 13. Oktober vermisst

Die große Ungewissheit: Wo ist Eva-Maria Disch?

Kochel am See - Seit dem 13. Oktober ist Eva-Maria Disch aus Kochel spurlos verschwunden. Alle Suchaktionen verliefen bislang ohne Erfolg. „Für mich ist jeder Tag die Hölle“, sagt Ehemann Armin Disch.

Kochel am See – Armin Disch möchte, dass so viele Menschen wie möglich vom plötzlichen Verschwinden seiner Frau erfahren. Deshalb hat er auch Kontakt mit unserer Zeitung aufgenommen. Der Kochler, vielen bekannt als Schlagzeuger der Loisachtaler Band „Easy Licks“, setzt alle Hebel in Bewegung, um in Erfahrung zu bringen, was mit seiner Frau passiert ist. „Es ist furchtbar“, beschreibt der 53-Jährige seine Situation. „Man glaubt jeden Moment, die Tür geht auf, und sie ist wieder da.“

Wie berichtet ist Eva-Maria Disch am Donnerstag, 13. Oktober, verschwunden. Ihr Mann erinnert sich: „Es war ein ganz normaler Tag, wir mussten beide in die Arbeit.“ Er verlässt immer vor ihr das Haus. Eine kurze Umarmung, dann geht er seines Weges. Als er abends gegen 17.30 Uhr zurückkommt, wird er stutzig: Das Auto steht vor der Tür, Handy und Handtasche sind in der Wohnung. Aber nicht Eva-Maria. „Das war so seltsam, denn ohne Handy geht sie eigentlich nie weg“, sagt Armin Disch. Er vermutet, seine Frau sei bei Freunden, und ruft dort an. Aber Fehlanzeige. „Dann wurde ich unruhig.“ Gegen 20.30 Uhr alarmiert er die Polizei – zwei Beamte aus Tölz kommen vorbei, nehmen die Personalien auf und hören sich den Sachverhalt an.

Mit einer Suchaktion wird noch nicht begonnen. „Man braucht einen Anhaltspunkt dafür, dass sich eine Person in Gefahr befindet, um sofort eine Suchaktion zu veranlassen“, sagt Andreas Guske vom Polizeipräsidium Rosenheim. Hintergrund sei, dass es immer wieder vorkomme, dass sich Menschen bei Freunden oder Verwandten aufhielten, nicht erreichbar seien oder „einfach mal ein paar Stunden allein sein wollen“, so Guske.

Weil Eva-Maria Disch auch in den folgenden Stunden nicht auftaucht, geht Armin Disch am Freitag wie vereinbart zur Polizei Kochel. Die Suchaktionen laufen an. Polizei, Feuerwehr, Bergwacht, BRK, Johanniter und Wasserwacht sowie Freunde und Bekannte, insgesamt 90 Frauen und Männer, durchkämmen in den folgenden Tagen Wälder, Wiesen und Moos. Auch Hunde und Hubschrauber sind im Einsatz, und der Kochelsee wird mit speziellem Gerät (Sidescan-Sonar) abgesucht.

„Ich möchte mich bei allen, die geholfen haben, bedanken“, sagt Armin Disch. Die letzten, von der Polizei veranlassten Suchmaßnahmen fanden erst vor ein paar Tagen statt. Doch von der 45-Jährigen fehlt bis heute jede Spur.

Folgendes konnte bislang rekonstruiert werden: Eva-Maria Disch hat an besagtem Donnerstag morgens bei ihrer Arbeitsstätte in Ohlstadt, einer Zahnarztpraxis, angerufen und mitgeteilt, dass sie nicht zum Dienst erscheinen werde. Warum, ist unklar. Eine Nachbarin sah sie vormittags aus dem Haus gehen. Später traf ein Bekannter Eva-Maria Disch gegen 13.30 Uhr auf dem Parkplatz des Franz-Marc-Museums am Kochelsee. Dort und am Parkplatz „Badebucht“ (gegenüber der Firma Dorst) haben später auch die Suchhunde Dischs Spur verloren.

Angeblich hat noch ein Wanderer Eva-Maria Disch zuvor gesehen, nämlich gegen 12.15 Uhr unterhalb des Sonnenspitzgipfels. „Das ist nicht gesichert, aber zeitlich denkbar“, sagt ihr Mann.

Armin Disch ist seither ratlos – und verzweifelt. Das Paar ist seit 15 Jahren verheiratet, Anfang Oktober war es noch in Rom in Urlaub. „Wir haben uns nicht gestritten, alles war gut.“ Wie jeder andere Mensch auch, sagt Armin Disch, habe seine Frau in ihrem Leben Höhen und Tiefen erlebt. „Da war nicht immer alles ganz leicht.“ Eine große Bergsteigerin, also jemand, der auch allein eine Tour unternimmt, sei sie nie gewesen. „Ganz im Gegenteil. Im Gelände konnte sie sich nie gut orientieren.“

Seit dem Verschwinden seiner Frau ist für den 53-Jährigen nichts mehr so, wie es einmal war. Das gilt natürlich auch für Eva-Maria Dischs Mutter und ihren Bruder, die beide in der Gemeinde Kochel wohnen. „Wir sind nervlich am Ende.“ Um zu helfen, setzte sich sogar Armin Dischs Schwester – sie lebt in Afrika – ins Flugzeug und kam für zwei Wochen ins Loisachtal, um sich an der Suche zu beteiligen. Armin Disch hat mittlerweile stundenlang Wälder und Berghänge durchstreift in der Hoffnung, seine Frau zu finden. „Sie könnte ja irgendwo unglücklich gestürzt sein.“ Dass sie in den Kochelsee gegangen ist, hält er für unwahrscheinlich: „Erstens ist er sehr kalt, zweitens müsste sie an dieser Stelle sehr weit reingehen, und drittens sind in diesem Bereich immer Leute, die sie gesehen hätten.“

Seine andere Theorie ist, dass seine Frau vertrauensselig zu jemandem ins Auto gestiegen ist. „Es gehen mir dazu so unglaublich viele Gedanken durch den Kopf.“ Wo ist seine Frau? In welchem Zustand? Braucht sie Hilfe? Ist sie irgendwo gestrandet und traut sich jetzt nicht mehr nach Hause, in der fälschlichen Annahme, man würde ihr Vorwürfe machen? „Murmel, ich hab dich lieb und egal, in welchem Dilemma du steckst, bitte gib mir ein Zeichen“, möchte Armin Disch seiner Frau auf diesem Wege übermitteln.

Im Tölzer Land werden derzeit zwei Personen vermisst, außer Eva-Maria Disch noch Marion Kuntara aus Bad Tölz, letztere seit Oktober 2010. Kaum vorstellbar, wie schwer das für Angehörige zu ertragen ist.

Die Polizei hat mittlerweile auch alle Busfahrer befragt, die die Region abfahren, doch keiner hat Eva-Maria Disch gesehen. Die Kripo Weilheim, die den Fall betreut, hält engen Kontakt zur Familie. „Der Sachbearbeiter ist sehr einfühlsam“, sagt Disch dankbar.

Der 53-Jährige, der als Systemadministrator arbeitet, versucht derweil, den Alltag „irgendwie zu bewältigen“. Versicherungen, Rentenzahlungen, Rechnungen – der Status „vermisst“ ist Behörden und Unternehmen schwer zu vermitteln. Disch hat eine Internet-Seite eingerichtet, auf der er alles berichtet und Informationen sammelt. Zudem hat er Obdachlosenheime und Frauenhäuser in weitem Umkreis angeschrieben. „Aber da kommt es natürlich komisch, wenn ein Mann verzweifelt seine Frau sucht.“

Es gebe Momente, sagt Disch, „da stehe ich kurz vor dem Zusammenbruch“. Derzeit, sagt er, „ist jeder Tag für mich die Hölle.“ Eva-Maria Disch hat Haus- und Briefkastenschlüssel mitgenommen. „Vielleicht“, sagt ihr Mann, „dreht sich ja irgendwann der Schlüssel einfach um, und sie ist wieder da.“

Hinweise: Eva-Maria Disch ist 1,68 Meter groß, schlank und hat lange braune Haare. Zuletzt trug sie vermutlich Jeans, ein hellgelbes Kapuzenshirt und Trekkingschuhe. Infos und Fotos auf www.soko-evi.jimdo.com. Hinweise bitte an die Polizei Weilheim, Telefon 08 81/64 00.

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