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In 30 Ländern sehr aktiv

Langer Atem für den Weltmarkt

Kochel am See: Seit Kurzem sind die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben. Schon stehen die deutschen Auto- und Maschinenbauer in den Startlöchern, um möglichst rasch auf einem riesigen Absatzmarkt gute Geschäfte zu machen. „Da brauchst Du aber einen langen Atem“, sagt Hubert H. Löcherer von der Firma Dorst in Kochel.

Löcherer weiß, wovon er spricht. Dorst war zu Schah-Zeiten im Iran recht aktiv. Es stehen einige große Fabriken mit Kochler Maschinen im Land. Produziert wurde mit Dorst-Equipment nicht im Hightech-Segment, sondern im klassischen Bereich: Geschirr, Sanitär und Fliesen. Ersatzteile wurden auch nach der Revolution 1979 noch geliefert, erzählt Löcherer, der selbst gut 20 Mal in Persien war. Der Chairman ist seit 1961 in dem Unternehmen tätig und hat das operative Geschäft durch alle Konjunkturschwankungen hindurch gelenkt. Dorst hat sich als Spezialist für Maschinen und Produktionssysteme zur Herstellung keramischer und pulvermetallurgischer Produkte einen weltweiten Namen gemacht. Der Jahresumsatz beträgt rund 100 Millionen Euro. Man besitzt Niederlassungen in Kötzting, Bethlehem (Pennsylvania/USA) und Shanghai (China). Rund 420 Mitarbeiter, darunter 65 Azubis, stehen bei Dorst in Lohn und Brot.

Der Iran spielt da bei den Zukunftsprognosen keine allzu große Rolle. „Ein schwieriger Markt“, sagt Löcherer, der die hohen Erwartungen nach der Aufhebung der Sanktionen nicht ganz nachvollziehen kann. „Das ist übertrieben.“ Der Zahlungsverkehr sei schwierig, die sinkenden Ölpreise seien spürbar, hinzu komme eine ausufernde Bürokratie. „Damit musst du umgehen können, dann ist das Geschäft interessant.“

Rund 77 Prozent der Dorst-Produkte gehen in den Export. Man habe, erzählt Löcherer, für einen Vortrag einmal ermittelt, dass Dorst-Maschinen in über 70 Ländern stehen. Aktuell sind 25 bis 30 für das Unternehmen wichtig. Etwa ein Drittel des Umsatzes wird auf dem heimischen Markt Deutschland und Europa gemacht. In Italien, wo zahlreiche Autozulieferer sitzen, hat Dorst gute Kunden. In jedem Auto befinden sich rund 15 bis 20 Kilo pulvermetallurgisch gefertigter Teile, erklärt Löcherer. Hohe Präzision und Festigkeit zeichnen sie aus.

Spürt Dorst die aktuellen Turbulenzen am chinesischen Aktienmarkt? Es seien zwar einige Projekte zurückgestellt worden. „Ingesamt sind wir aber vorsichtig zuversichtlich“, sagt der Dorst-Chef. Immerhin 15 Prozent des Umsatzes werden im Reich der Mitte generiert. Die Niederlassung in Shanghai mit ihren zehn Leuten sei zwar „sündhaft teuer“, aber in dem Marktumfeld nötig. Auch hier zähle langer Atem. Ohne Dependance sei etwa „das Ersatzteilgeschäft nicht zu managen“. Mit Japan, Korea und Taiwan zählt Löcherer weitere „interessante Länder“ in Asien auf.

25 Mitarbeiter zählt „Dorst America“, das seit 1985 in Bethlehem/Pennsylvania existiert und die amerikanischen Kunden betreut. Umsatzanteil: 15 bis 20 Prozent. „Gute Geschäfte, angenehme Partner“, fasst es Löcherer zusammen und erinnert sich gerne zurück, dass beim G7-Gipfel 2015 beinahe Barack Obama Kochel besucht hätte. An seiner Stelle ließ sich mit Don Sisson einer seiner persönlichen Assistenten im Weißen Haus vor Ort die Aktivitäten des „hidden champion“ (versteckten Marktführers) erklären. Kein Zweifel: Die USA sind ein wichtiger Markt für Dorst. Konsequenterweise setzt sich der Aufsichtsratsvorsitzende auch entschieden für das umstrittene Freihandelsabkommen mit den USA ein. Allein die unterschiedlichen Standards und Normen erhöhen die Kosten um rund 20 Prozent. „Für Maschinenbauen ist TTIP ganz wichtig“, sagt Löcherer, räumt aber ein, dass das ganze Verhandlungsprozedere „unerträglich genannt werden darf“.

Sechs-, mitunter siebenstellige Summen überweist Dorst jährlich an den Kochler Haushalt, sagt ein selbstbewusster Löcherer über einen Betrieb, der zahlreiche Familiengenerationen von Loisachtaler Mitarbeitern beschäftigt hat.

Und wie geht es an der Spitze weiter? „Die Familie und Manfred Dorst sind immer hinter mir gestanden“, sagt Löcherer in einem Ausblick. Deshalb sei auch der Generationswechsel vorbereitet und sichergestellt. Wobei es keine tätigen Gesellschafter mehr geben werde. Dorst werde künftig von einem Aufsichtsrat und einem externen Management geführt werden. Seine eigene Rolle jenseits der Pensionsgrenze definiert er als aktiver Mountainbiker, Bergsteiger und Skifahrer immer noch sehr sportlich. „Ich stelle mich der Verantwortung.“ Und die besagt für den gebürtigen Kochler unter anderem, dass Standort und Arbeitsplätze möglichst langfristig an Kochel gebunden sein sollen.

Christoph Schnitzer

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