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In Urfeld wird das Trinkwasser gechlort, weil coliforme Keime gefunden wurden. Zudem sollte man es abkochen. Die Ergebnisse aus Benediktbeuern werden heute erwartet.

verunreinigtes Trinkwasser

Kleiner Keim, große Verunsicherung

Kochel am See/Benediktbeuern – Verunreinigtes Trinkwasser beunruhigt derzeit die Bürger in Benediktbeuern und Urfeld. Wie konnte es dazu kommen? Ursachenforschung ist schwierig.

Die gute Nachricht zuerst: Das Trinkwasser in Benediktbeuern wird nicht mehr gechlort. Das Ergebnis der Probe, die am Mittwoch genommen wurde, wird am heutigen Freitag erwartet.

Gestern Mittag kam allerdings die Nachricht, dass jetzt auch in Urfeld (Gemeinde Kochel) das Trinkwasser eine Woche lang gechlort wird. Anders als in Benediktbeuern wird den Urfeldern zudem geraten, es vor Gebrauch auch noch abzukochen. Es wurden sowohl coliforme Keime als auch Escherichia coli („E-Coli“) gefunden. In Benediktbeuern fand man „nur“ coliforme Keime.

Was ist das eigentlich genau, und wie gelangen solche Keime ins Wasser? Liegt es an der Gülle, die die Landwirte ausbringen? In zwei Leserbriefen wurde in unserer Zeitung darüber kontrovers diskutiert.

Eine Ursachenforschung ist schwierig. „Es gibt verschiedene Eintragsquellen“, sagt Dr. Franz Hartmann, Leiter des Gesundheitsamts. Ein coliformer Keim sei grundsätzlich ein Zeichen für einen nicht ordnungsgemäßen Zustand der Wasserversorgung. Doch woher ein solcher Keim komme, sei kaum nachvollziehbar.

Mögliche Ursachen: Fäkalien, Rohrbruch oder Wuchsbelag

Die Bezeichnung „coliformer Keim“, erklärt Hartmanns Mitarbeiter Michael Wagner, sei ein Sammelbegriff für 15 bis 20 Bakterientypen. „Sie sind nicht alle fäkalen Ursprungs“, sagt der Hygienekontrolleur. Sie entstünden zum Beispiel auch an Wuchsbelägen in Leitungen. Des Weiteren kommen sie laut Hartmann auch im Darm von Warmblütern vor – sprich von Menschen, Hunden und anderen Tieren.

E-Coli hingegen ist ein eindeutiger Hinweis auf eine frische fäkale Verunreinigung. Die Quelle in Urfeld liegt am Hang Richtung Jochberg. Das Wasser wird, bevor es zu den Hausanschlüssen gelangt, mit UV bestrahlt. Eine Möglichkeit wäre, dass eine Verunreinigung durch Wildkot (Rehe, Hirsche, Füchse) entstanden ist.

Wie nun coliforme Keime sowohl in Benediktbeuern als auch in Urfeld ins Trinkwasser gelangt sind, wird sich nicht eindeutig klären lassen. Ob es wirklich Gülle auf den Feldern war, ist Spekulation. Hartmann vermutet, dass ein Keim durch die Starkregenfälle ins Wasser gespült wurde. „Wir haben ähnliche Situationen in Dietramszell und Königsdorf.“ Zudem, so berichtet Benediktbeuerns Bürgermeister Hans Kiefersauer, gab es vor Kurzem einen größeren Wasserrohrbruch in der Prälatenstraße.

Aber apropos: Welche Vorschriften gelten denn fürs Odeln Bayern? Es gibt eine Düngeverordnung, die man auf der Internetseite der Landesanstalt für Landwirtschaft (www.lfl.bayern.de) nachlesen kann. Wie oft auf den Grünflächen gedüngt werde, hänge von der Zahl der Schnitte ab, erklärt Rüdiger Obermaier vom Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Holzkirchen. Geschnitten werde etwa drei- bis fünfmal. „Das heißt aber nicht, dass jedes Mal danach große Mengen ausgebracht werden.“ Zulässig seien 15 bis 20 Kubikmeter pro Hektar. „Jeder Zuwuchs sollte gedüngt werden, wenn er aufwächst“, sagt Obermaier.

Gülle ausbringen: Ein Thema, das viele Bürger aufbringt

Der Fachmann sagt aber auch: „Natürlich können wir nicht jedem Güllefass hinterherlaufen.“ Sollte eine Anzeige wegen unsachgemäßen Düngens vorliegen, prüfe man den Landwirt. Schwarze Schafe gebe es immer. „Wir können nicht für jeden unsere Hand ins Feuer legen.“

Eine Kuh mit 650 Kilo Gewicht produziert im Jahr 26 Kubikmeter (cbm) Gülle. Und was passiert, wenn die Odelgrube auf dem Hof nicht mehr ausreicht? „Die Landwirte haben dann Abnahmeverträge“, erklärt Obermaier. Abnehmer seien zum Beispiel Pferdebetriebe, die selbst Gülle zum Düngen der Flächen bräuchten, oder auch Landwirte, die weniger Tiere haben und folglich auch Gülle zum Düngen brauchen.

Grünland, mit dem man verantwortungsvoll umgehe, sei der beste Wasserschutz, sagt Obermaier. Und der Landwirt habe auch selbst einen Schaden, wenn er zu viel dünge – dann nehme nämlich das Unkraut auf den Flächen zu. „Man soll nur die Menge geben, die der Pflanzenbestand auch braucht.“

Bliebe zum Schluss noch das Thema Chlor. Ist es, wie eine Leserbriefschreiberin befürchtet, wirklich gefährlich? Dazu Gesundheitsamtschef Franz Hartmann: „Wenn es einem davor graust, ist das ein subjektives Empfinden.“ Die Menge, die man bei der Trinkwasserchlorung einsetze, sei „gesetzlich vorgeschrieben und vielfach geprüft“. Es bestehe keine Gesundheitsgefahr. Laut Hartmann gebe es Regionen, in denen sogar dauerhaft gechlort werde.

Ein Vergleich mit einem Schwimmbad würde hinken, sagt Hartmann. Hier sei die verwendete Chlor-Menge höher, gleichwohl sei auch dieses Wasser nicht gefährlich, wenn man es zum Beispiel beim Schwimmen in den Mund bekommt.

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