Fritz Kostenzer und die Falkenhütte: Hier im Karwendel ist der Hüttenwirt aufgewachsen. Seine Familie ist seit 70 Jahren Pächter.

Ein Besuch auf der Falkenhütte

Neue Zeiten im Matratzenlager

Hinterriß – Früher eine Schutzhütte, heute ein Ausflugsziel: Auf die Falkenhütte im Karwendel zieht es jeden Tag Wanderer und Mountainbiker. In Zeiten von Handy und E-Bikes haben sich die Erwartungen auf dem Berg verändert. Eines ist aber geblieben: Die Suche nach dem einfachen Leben. Ein Hüttenbesuch.

Es gibt Hütten, auf denen Wanderer ihr Handy für 2,50 Euro aufladen können. Als Fritz Kostenzer das hört, lacht er laut auf. Bei dem Hüttenwirt auf der Falkenhütte gibt es zwar auch eine Handyladestation – eine Steckdosenleiste mit acht Plätzen. Da darf aber jeder aufladen, ohne etwas dafür zu bezahlen. „Das gehört zum Service“, sagt Fritz Kostenzer. In Zeiten, in denen Wanderer ein Selfie auf Facebook hochladen, bevor sie sich ins Gipfelbuch eintragen, sind die Steckdosen am Berg gefragt.

Richtfest auf 1848 Metern: Die Falkenhütte wurde 1922 gebaut und ist denkmalgeschützt. 

Fritz Kostenzer ist auf der Falkenhütte aufgewachsen. Er ist 62, die Entwicklung, die es in dieser Zeit in den Bergen gab, ist gewaltig, sagt der Wirt. 1946 haben Kostenzers Eltern Mathilde und Peter aus Maurach am Achensee sie vom Deutschen Alpenverein gepachtet. „Nach dem Krieg war wenig Betrieb“, weiß Kostenzer aus Erzählungen. Da war die Falkenhütte Stützpunkt für Kletterer und Bergsteiger im Karwendel.

An diesem sonnigen Nachmittag im Herbst quälen sich zwei Mountainbiker die letzten Meter hinauf. Sie lehnen ihre Mountainbikes neben die anderen an die Holzschindelwand der Hütte. Auf der Terrasse sitzen zwei Rentner so nebeneinander, dass sie die anderen Gäste gut beobachten können und essen ihren Salatteller. Ein Wanderer steckt seinen Buben in die Kraxe, der Zweijährige weint, aber es hilft nichts, der Abstieg steht an. Eine Handvoll Gymnasiasten – Projekt-Seminar Geocaching – verbringen ihre Pause in den Liegestühlen auf dem Hügel neben der Falkenhütte.

Ein neuer Gast ist auf der Hütte

Mountainbiker, Wanderer, Familien und Schüler: Die Gäste auf dem Berg haben nichts mehr mit den Kletterern zu tun, die hier einst Zwischenstation gemacht haben. „Der brüchige Kalk im Karwendel ist für die heutigen Kletterer nicht mehr interessant“, sagt Fritz Kostenzer. Die Mountainbiker haben die Kletterer vor rund 20 Jahren nahtlos abgelöst. Neue Zeiten, neue Kundschaft.

Die Falkenhütte steht auf österreichischem Boden. Über die Eng kommen viele Wanderer aber aus Bayern.

Unter Sportlern ist die Forststraße vom kleinen Ahornboden bis zur Hütte beliebt. „Mein Vater hat die Forststraße alleine vom Pferdeweg für den Jeep ausgebaut, ich hab weitergemacht, sodass uns heute ein Lkw beliefern kann.“ Kostenzer hat sich auf die Radler eingestellt – er hat die offizielle Radstrecke mit Holztafeln beschildert, er schaut immer, dass der Weg in Ordnung ist und hat sogar eine Servicestation für Zweiräder eingerichtet.

An einem Seil vor der Hütte hängt ein Mountainbike, das darauf hinweist, dass es an der Falkenhütte Ersatzteile und Werkzeug gibt. Wenn nötig, packt Kostenzer sogar selbst an, damit die Sportler ihre Tour fortsetzen können. „Sie sind immer wieder dankbar dafür, weil sie das überrascht.“ Er will damit auch zeigen: Hier sind Mountainbiker willkommen. Auch weil sie immer wieder in der Kritik stehen. „Wanderer gehen den Steig, Mountainbiker die Forststraße, das funktioniert ganz wunderbar.“

Seit diesem Jahr haben die Zweiräder im Karwendel noch mal zugenommen: „Es kommen unglaublich viele E-Bikes.“ Ihren Akku dürfen die Radler übrigens auch auf der Hütte aufladen – da hält es Kostenzer wie mit den Handys. „Ich finde es nicht in Ordnung, dafür Geld zu verlangen, das muss man seinen Gästen einfach bieten.“

Zu den Füßen der Laliderer Wände im Karwendel steht die Falkenhütte. Die Lage ist einzigartig. 

Die Falkenhütte steht neun Kilometer von der Eng entfernt direkt vor den steilen Laliderer Wänden, die silber-grau in der Sonne glitzern. „Manchmal haut es mich selbst um, wo wir da sind, wenn ich zur Tür raus gehe“, sagt Kostenzer. Hier auf 1848 Metern ist es absolut still. Der Wanderer hört seine eigenen Schritte auf dem steinigen Boden, irgendwo plätschert ein Bach das Gebirge herunter, an den Hängen sind mit ein bisschen Glück Gämsen zu sehen.

Offline

Mobilfunknetz gibt es hier nicht. „Die Leute versuchen trotzdem immer wieder zu telefonieren.“ Kostenzer schüttelt lachend seinen Kopf. Seine Söhne Alexander und Peter haben zwar vor drei Jahren WLAN auf der Falkenhütte eingerichtet. „Wenn sich 150 Gäste einloggen, ist das Netz überlastet.“

Die Digitalisierung der Gesellschaft macht auch vor den Bergen keinen Halt. Die Gäste sind in all den Jahren trotzdem nicht anspruchsvoller geworden, sagt der Hüttenwirt. „Wanderer, Bergsteiger und Mountainbiker sind unkompliziert.“ Sie alle hätten eines gemeinsam: Wenn sie oben sind, haben sie erst einmal Hunger und Durst. Deswegen gibt es an der Falkenhütte Selbstbedienung. „Es muss rasch gehen, wenn du hocken und warten musst, bis jemand kommt, wirst du narrisch.“

Gut muss das Essen natürlich aber trotzdem sein. Und es sollte für jeden etwas dabei sein. „Meine Eltern haben mit Erbsensuppe angefangen, manchmal gab es auch Wildfleisch.“ Damals ging es deftig auf der Hütte zu, heute ist auch mal ein Germknödel gefragt. Und „es muss etwas Vegetarisches geben“, sagt Kostenzer. „Das ist heute ein bisschen anders geworden.“

Das Matratzenlager soll bleiben

Grundsätzlich ist heute aber immer noch Einfachheit am Berg geboten. „Die Leute wollen hier keinen Luxus.“ An der Falkenhütte wurde kaum etwas verändert, seit sie 1922 gebaut wurde. Das Gebäude ist denkmalgeschützt. „Es ist alles original“, sagt Kostenzer. Gastraum, Matratzenlager und das kleine Lager für Gruppen.

Einfach, aber gemütlich: In der Falkenhütte können insgesamt 140 Wanderer schlafen. Es gibt auch Zweibettzimmer.

In den nächsten Jahren steht der bisher größte Umbau in der Falkenhütte an – ein Berghotel wird aber nicht daraus gemacht. „Küche, Waschräume und Stiegenhaus entsprechen nicht mehr den behördlichen Vorschriften.“ Vor allem Fluchtwege müssten geschaffen werden. Die Lager werden aber bleiben. „Natürlich wollen heute alle gerne ein Zweibettzimmer haben, das ist aber leider nicht möglich.“ 140 Schlafplätze gibt es in der Falkenhütte, in Zweibettzimmern könnte man nicht so viele Gäste unterbringen. „Bei schönem Wetter sind wir an den Wochenenden sehr gut belegt“, sagt Kostenzer.

Ob Lager oder Zweitbettzimmer, der Erholungswert im Karwendel ist hoch – ein großer Vorteil für den Hüttenwirt. Die Falkenhütte steht auf österreichischem Boden, ist aber vor allem von Bayern geliebt. Von München fahren Wanderer zwei Stunden in die Eng, von dort aus starten sie zur Falkenhütte. Zweieinhalbstunden dauert die Wanderung. „Die Gesellschaft besteht auf viel Freizeit.“

Eine Familie hält zusammen

Bei so viel Betrieb braucht ein Hüttenwirt eine nette Mannschaft. „Das ist vergleichbar mit einem Schiff“, sagt Kostenzer. „Wir sind alle auf engstem Raum beieinander und es heißt, das Schiff über die Saison zu bringen.“ Seit 70 Jahren bewirtschaftet Familie Kostenzer die Hütte heuer. Leicht sei es nicht immer gewesen, sagt der Hüttenwirt. Man müsse immer wieder Schwierigkeiten überbrücken und zusammenhalten. „Das können viele nicht, sonst gebe es ja keine Kriege auf der Welt.“

Ein Leben auf dem Berg: die Söhne Peter und Alexander, Ehefrau Ursula, daneben Fritz Kostenzer. 

Ohne die Unterstützung seiner Frau Ursula hätte er das nicht geschafft, sagt Fritz Kostenzer. Und ohne seinen Vater. Er sei ein gutes Vorbild gewesen. „Wenn du hier aufgewachsen bist, identifizierst du dich mit der Hütte, du betreibst sie, als wärst du der Besitzer.“ Nächstes Jahr will Kostenzer in Pension gehen. Ob seine Söhne die Familientradition weiterführen, wollen sie während dem Umbau entscheiden. Die Chancen stehen nicht schlecht. Die beiden packen seit Jahren als Koch und Kellner mit an.

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