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Wie geht es den Fischen im Sylvensteinsee?

Lenggries - Die Fische im Sylvensteinsee haben kein leichtes Jahr hinter sich: Die für Sanierungsarbeiten notwendige Absenkung des Sees und der monatelange Niedrigwasserstand haben Hecht, Zander und Co. arg zugesetzt. Wie es nach den Besatzmaßnahmen im Frühsommer aussieht, soll nun eine Bestandsanalyse zeigen.

Momentan kann Stefan Greif, Chef des Lenggrieser Fischereivereins, nur mit Erfahrungsberichten der Fischer dienen, die auf dem See unterwegs sind. Laut deren Aussage seien die Fangergebnisse „bislang nicht schlecht gewesen. Jedenfalls waren sie besser als erwartet“, sagt Greif im Gespräch mit unserer Zeitung. Wirklich Aufschluss über den Zustand der Fischpopulation im Stausee kann aber nur eine detaillierte Bestandsaufnahme geben. „Hier versuche ich gerade, einen Termin mit der Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern zu vereinbaren“, sagt Greif. Für die Untersuchung würden über Nacht große Netze im See ausgelegt. Nach dem Einholen werden die Fische gezählt. Zudem werden Art und Alter bestimmt. „Was uns vor allem interessiert, ist, wie die Altersstruktur der Fische ist“, sagt Greif.

Diese könnte die Absenkung des Sees nämlich kräftig durcheinandergebracht haben. Zum einen bildeten sich Fischfallen – grob gesagt: Pfützen –, in denen die Tiere festsaßen. Der Lenggrieser Fischereiverein versuchte zwar, möglichst viele einzusammeln und in tieferes Wasser umzusetzen. Viele Fische verendete aber auch. Zum anderen dauerte die Seeabsenkung wegen Verzögerungen bei den Bauarbeiten am Revisionsschütz auch länger als geplant und reichte bis in die Laichzeit von Hecht, Zander und Karpfen hinein. Schon im März sprach Greif von einer „Katastrophe“ und befürchtete, dass verschiedene Fische einfach keine Laichgründe mehr finden würden.

Entgegenwirken sollten dem großen Verlust an Tieren umfangreiche Besatzmaßnahmen. Sie waren im Vorfeld der Bauarbeiten bereits zwischen Weilheimer Wasserwirtschaftsamt und Fischereifachberatung vereinbart worden. Die Kosten dafür übernahm der Freistaat. Im Juni wurden beispielsweise 10 000 junge Seeforellen aus dem Fischbruthaus in Bad Wiessee im Sylvenstein eingesetzt. Renken und Seesaiblinge folgten.

Darüber hinaus tätigte auch der Verein verschiedene Besatzmaßnahmen – unter anderem mit Forellen, Äschen und Zandern. „Dafür haben wir Rücklagen gebildet“, sagt Greif. Die Lenggrieser Fischer investieren aber ohnehin jedes Jahr einiges in Besatzmaßnahmen im Sylvenstein oder auch in der Isar. „Für alle Gewässer geben wir rund 50 000 Euro pro Jahr aus.“ Mit Blick auf den Fraßdruck durch Vögel, aber auch mit Berücksichtigung der Raubfische, sei das auch dringend nötig, sagt Greif. „Sonst wären unsere Gewässer fast leer.“

Da für das Öffnen und Schließen des neu eingebauten Revisionsschützes künftig keine Absenkung des Sees mehr nötig ist, dürfte es für lange Zeit die letzte künstlich herbeigeführte Trockenperiode gewesen sein. Die Chance, dass sich die Fischpopulation erholt, ist also nicht schlecht. „Momentan ist der Wasserstand hervorragend. Der See schaut traumhaft aus“, schwärmt Greif.

Das gilt eigentlich auch für die Isar – Greifs zweites Sorgenkind. „Von der Oberfläche her schaut sie gut aus, darunter nicht.“ Aus Sicht der Fischerei sei die Isar in schlechtem Zustand. Den Plan des Wasserwirtschaftsamts, erneut Kies aus dem Oberlauf der Isar unterhalb des Sylvensteins wieder einzusetzen, betrachtet Greif skeptisch. „Das Geschiebe von der Aktion 2013 liegt immer noch drin.“ Statt vom Fluss weitergetragen zu werden, setze sich der Kies in den letzten verbliebenen Gumpen ab, die den Fischen als Unterstand dienen.

Bevor nun erneut Kies versetzt wird, erhofft sich Greif, dass die Behörde einmal erläutert, ob die bislang getätigten Maßnahmen Erfolg hatten. Das wünscht sich im Übrigen auch die Gemeinde. Sie vertagte in der jüngsten Ratssitzung die Entscheidung, ob das Wasserwirtschaftsamt an vier Stellen in der Isar Kies einbringen darf (wir berichteten).

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