+
Die Erweiterungspläne des Lenggrieser Hochseilgartens hängen derzeit in der Luft. Das Landratsamt fühlt sich aber zu Unrecht an den Pranger gestellt. Bereits 2011 hatte es die Gemeinde darauf aufmerksam gemacht, dass bei einer Ausweisung der Flächen als Grünland eine Erweiterung mancher Betriebe in der Freizeitarena fast unmöglich ist. 

Hochseilgarten Lenggries

„Wir vollziehen den  Planungswillen der Gemeinde“

Lenggries - Liegt die Verantwortung dafür, dass der Lenggrieser Hochseilgarten nicht erweitern kann, wirklich beim Landratsamt? Die dortige Bauabteilung sagt Nein – und legt Dokumente vor: Bereits 2011 hatte das Kreisbauamt die Gemeinde darauf aufmerksam gemacht, dass es mit den Freizeitbetrieben am Brauneck Probleme geben könnte – wenn die Gemeinde nicht handelt.

Für Hochseilgartenchef Heinz Tretter liegt der Schwarze Peter eindeutig beim Landratsamt. Schließlich befand die Untere Bauaufsicht die Erweiterungspläne am Fuß des Braunecks mit Blick auf die Außenbereichslage für nicht genehmigungsfähig (wir berichteten). Allerdings sagt Landrat Josef Niedermaier: „Wir vollziehen nur den Planungswillen der Gemeinde.“ Bau-Abteilungsleiter Oliver Kellermann wird deutlicher: „Wir stehen massiv in der Kritik, nur weil wir die Zielrichtung des Flächennutzungsplans der Gemeinde ernst nehmen.“

Diesen Plan hat Lenggries gerade in einem jahrelangen Prozess neu aufgestellt. Viele Flächen am Fuß des Braunecks sind in dem Werk als Grünfläche dargestellt. Diese genießen besonderen Schutz, erläutert Alois Kohlhauf, am Landratsamt zuständig für die gemeindliche Beratung bei der Bauleitplanung. „Grünflächen sind von Bebauung freizuhalten“, sagt Kohlhauf.

Darauf, dass das zu Konflikten führen könnte, habe das Landratsamt bereits im April 2011 hingewiesen, sagt der Experte und legt eine schriftliche Stellungnahme zum Flächennutzungsplan vor. Hier heißt es zum Thema Freizeitarena Brauneck: „Beim jetzigen Planungsstand wäre die Nutzung dieses gesamten Bereichs auf den – genehmigten (!) – Bestand beschränkt.“ Jede weitere bauliche Nutzung müsste nach Paragraf 35 Baugesetzbuch beurteilt werden. Dieser regelt Bauen im Außenbereich. Und das ist – sehr vereinfacht ausgedrückt – im Prinzip Landwirten vorbehalten. „Die Reaktion von Seiten der Gemeinde war gleich Null“, sagt Abteilungsleiter Kellermann. „Dabei war es wirklich ein gut gemeinter Hinweis. Wir haben gesagt: Wenn Ihr die Freizeiarena Brauneck wollt, müsst Ihr das anders ausweisen.“

Abteilungsleiter Wolfgang Krause wundert sich auch, dass die Gemeinde Tretters Ansinnen überhaupt zugestimmt hat. Vor allem, weil die Zustimmung unter der Voraussetzung erfolgte, dass die Vorgaben des Paragrafen 35 erfüllt sind. „Ich bin kein Baujurist“, sagt Krause, aber der Kommune habe klar sein müssen, dass eben diese Vorgaben nicht erfüllt seien.

Das Landratsamt steckt in einem Dilemma. Denn eigentlich finde man das Vorhaben Tretters gut, sagt Landrat Niedermaier. „Projekte wie dieses tun dem Tourismus gut.“ Und das Brauneck sei wie der Blomberg ein Freizeitzentrum. „Man muss es nur bauplanungsrechtlich sauber darstellen.“

Und das sei auch eigentlich kein Problem, ergänzt Kohlhauf. „Man hätte es im Flächennutzungsplan als Sondergebiet Freizeit/Erholung darstellen können.“ Aus diesem hätte dann ein Bebauungsplan entwickelt werden können. Aber wäre diese Regelung nicht sehr starr? „Niemand verlangt, dass in den Bebauungsplan genaue Flächen für einen Hochseilgarten oder Bullcarts eingezeichnet werden. Im Gegenteil: Wir plädieren für eine Planung, die möglichst viel Spielraum lässt. Attraktionen ändern sich schließlich“, sagt Kohlhauf. Genauso sei es am Blomberg geregelt, ergänzt Niedermaier.

Und genau das entspricht auch den Wünschen der in der Freizeitarena Brauneck zusammengeschlossenen Betriebe. Auch die hatten 2011 eine Stellungnahme zum Flächennutzungsplan an die Gemeinde geschickt und darum gebeten, die Flächen nicht als Grünland, sondern als Sondergebiet auszuweisen, um Entwicklungsmöglichkeiten nicht zu verbauen. Möglich wäre das immer noch – wenn die Gemeinde eine Änderung des neuen Flächennutzungsplans beschließt.

Das aber schließt Bürgermeister Werner Weindl aus. Schließlich sei das Werk gerade erst in Kraft getreten. Für bestimmte Bereiche am Brauneck habe man außerdem sehr wohl ein Sondergebiet festgelegt – beispielsweise für die Bergbahn oder auch die Skischulen. Die Nutzungen am Brauneck könnten aber nicht endlos ausgebaut werden. „Es gibt Grenzen – durch den Verkehr oder auch die Parkplatzsituation“, sagt Weindl. „Daher haben wir für den Rest des Gebiets gesagt, dass wir uns auf die bestehenden Betriebe beschränken.“ Und die hätten auch im Außenbereich einen Erweiterungsanspruch, betont Weindl.

Das stimme, bestätigt Landratsamts-Abteilungsleiter Kellermann. Bis zu 30 Prozent Vergrößerung gelten als angemessen, wenn denn nun tatsächlich der bestehende Betrieb erweitert wird. Tretter habe aber den Bau einer Boulderhütte oder auch eines Kinderspielplatzes beantragt, also letztendlich etwas völlig anderes als den jetzigen Betrieb. Und das gehe eben nicht. Weitere Säulen mit Kletterstationen könne er durchaus aufstellen.

Es gibt aber auch gute Nachrichten für Tretter: Die Sanierung des Hochseilgartens sei problemlos möglich, sagt Kellermann. Wie berichtet möchte der Unternehmer die in die Jahre gekommene Holzkonstruktion durch Stahl ersetzen. Der Antrag müsste lediglich von der Erweiterung abgetrennt werden. Was den Rest betrifft, „werden wir sicher noch mal Gespräche führen“, sagt Weindl.

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Süße Weihnachtsbäckerei</center>

Süße Weihnachtsbäckerei

Süße Weihnachtsbäckerei
<center>Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?</center>

Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?

Woaßt du ibahapts, wia gern dass i di mog?
<center>Hirschkuss Vogelgezwitscher</center>

Hirschkuss Vogelgezwitscher

Hirschkuss Vogelgezwitscher
<center>Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017</center>

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Meistgelesene Artikel

Museum im Schusteranwesen

Kochel am See – Einen Bauantrag in eigener Sache hat der Kochler Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung genehmigt: Den Umbau des ehemaligen Schusteranwesens zu einer …
Museum im Schusteranwesen

Erinnerungslücken nach Kaffeefahrt

Kochel am See/München - Drei Männer betrügen ein Ehepaar aus Geretsried auf einer Kaffeefahrt und werden verurteilt. Die Strafe wollen sie nicht hinnehmen - ebenso wenig …
Erinnerungslücken nach Kaffeefahrt

Kreistag beschließt Ausstieg aus dem Kreispflegeheim

Kreistag beschließt Ausstieg aus dem Kreispflegeheim

Kommentare