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Berichteten aus der Landwirtschaft: Georg Demmel (li.) aus Bichl und Jakob Wasensteiner (5. v. li.) aus Lenggries.

Erzählcafé

In jedem Liter Milch steckt viel Arbeit

Lenggries - Wissen vermitteln und um Verständnis werben: Mit diesem Ziel berichteten nun zwei Isarwinkler Landwirte im Lenggrieser Erzählcafé von ihren alltäglichen Herausforderungen.

Für Bauern wird es immer schwerer. Strengere Vorschriften, sinkende Einnahmen, weil günstige Milch aus dem Ausland auf den Markt drückt, seit die Milchquote abgeschafft wurde, und nicht zuletzt wachsende Kritik aus der Bevölkerung. Was da hilft, ist das Gespräch: Jakob Wasensteiner und Georg Demmel besuchten am Mittwochvormittag das Erzählcafé im Lenggrieser Pfarrheim, um ihre landwirtschaftlichen Betriebe vorzustellen.

Wasensteiner und Demmel geht es als Erzeuger für Berchtesgadener Land vergleichsweise gut. Aber: „Das geht nur, solange die Verbraucher das mittragen“, sagt Demmel. Er hält 60 Milchkühe in Bichl und sitzt im Aufsichtsrat der Liefergenossenschaft Tölz. Wasensteiner ist im Vorstand und hat 35 Milchkühe in Lenggries.

Insgesamt 1800 Landwirte beliefern die Molkerei in Piding, 250 davon gehören zur Liefergenossenschaft Tölz, liegen also zwischen Bad Heilbrunn und Jachenau. Sie werden nach den EU-Richtlinien als Bergbauern eingestuft, die aufgrund der Bodenbeschaffenheit unter erschwerten Bedingungen produzieren. „Als wir 1990 angefangen haben, waren es noch 410 Betriebe“, sagt Wasensteiner. Dass es immer weniger werden, liegt aber nicht unbedingt an der Höhenlage.

„Viele hören aus Frust auf, weil Landwirte von keinem mehr verstanden werden“, sagt Demmel. Er erinnerte daran, wie kürzlich im Loisachtal Kolibakterien im Wasser entdeckt wurden und in einem Leserbrief gleich die Landwirte als vermeintliche Verursacher kritisiert wurden – wegen der Gülle. „Danach kam raus, dass es ein Wasserrohrbruch war“, so Demmel. Wenn man von allen Seiten angegriffen werde, sei das zermürbend.

Die beiden Landwirte nutzten die Gelegenheit, den 14 Besuchern des Erzählcafés zu erklären, dass es in ihrem eigenen Interesse liege, die Gülle zum richtigen Zeitpunkt ausfahren. Die Mischung aus Einstreu, Kot und Urin der Kühe sei „der wertvollste Dünger, den wir haben“, so Wasensteiner. Die Landwirte müssen Vorschriften beachten, wann und wie viel sie ausfahren dürfen.

Oft hört Wasensteiner, dass mehr Gülle ausgefahren werde als früher. Das sei in der Wahrnehmung aber falsch. „Die Güllefässer werden immer größer, damit die Bodenbelastung nicht so hoch ist“, sagt Wasensteiner. Dadurch könne der Boden die Nährstoffe optimal aufnehmen.

Das sei wichtig, damit die Landwirte gute Nahrung für ihre Kühe bekommen. Doch auch hier stehen sie häufig in der Kritik. Stichwort: Intensive Landwirtschaft. Damit ist gemeint, dass Bauern fünfmal im Jahr mähen. Für Milchkühe sei das aber optimales Futter, weil darin viel Rohprotein stecke. Außerdem: „Intensiv bewirtschaftetes Grünland bindet am meisten CO2.“

Jungkühen reicht übrigens das Futter von Feldern, die nur zweimal im Jahr gemäht werden. Der Kritik an intensiver Landwirtschaft hat Wasensteiner noch ein anderes Argument entgegenzusetzen: „Wir pflegen und erhalten unsere Kulturlandschaft“, sagt er. Wenn Felder nicht bewirtschaftet würden, sei die Folge, dass sie immer weiter verbuschen. Dadurch gerate die Artenvielfalt in Gefahr.

All das ist nötig, damit am Ende Milchpackungen im Supermarkt stehen. Demmel, Wasensteiner und ihre Kollegen bekommen brutto 39,85 Cent pro Kilogramm rohe Bergbauernmilch. „Der Nächstbeste in Deutschland liegt zehn Cent dahinter. Das sind Welten, das heißt überleben oder nicht überleben“, sagt Demmel. Berchtesgadener Land schaffe das, weil alle an einem Strang ziehen. Solange der Handel dahinter stehe, könne der Preis gehalten werden. Aber: Von der Molkerei kommt gerade mal 0,8 Prozent der Milch auf dem deutschen Markt. 

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