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Das neue Hackschnitzelheizwerk (1) wird direkt an das bestehende  BHKW (2)  angebaut. Von dort führt die Fernwärmeleitung zum Schul-/Bad-Komplex (3), über die Geiersteinstraße werden Gästeinfo (4) und Rathaus (5) erschlossen. Weiter führt die Fernwärmeleitung zum ehemaligen Post-Hotel (6) und durch die Stefan-Glonner-Straße zum Alpenfestsaal (7) und zur Bücherei (8). 

Lenggries setzt auf Hackschnitzel statt Heizöl

Lenggries - Die Gemeinde Lenggries setzt beim Heizen auf nachwachsende Rohstoffe: An der Schule soll ein Hackschnitzelheizwerk entstehen, das künftig über ein Fernwärmenetz verschiedene kommunale Liegenschaften mitversorgt. In der Gemeinderatssitzung am Montag wurden die Pläne vorgestellt.

 Der Schulkomplex samt Turnhallen und Hallenbad Isarwelle wird momentan von einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Wärme versorgt. Dazu gibt es eine alte Ölheizung, um den Spitzenbedarf zu decken. Letztere ist allerdings in die Jahre gekommen. Ende 2014 kam es sogar zu einem Totalausfall, wie Diplom-Ingenieur Christian Schuhmacher vom Planungsbüro Schuhmacher und André am Montag erläuterte. „Danach ist der Bau der Hackschnitzelheizung wieder in den Fokus gerückt.“

Entstehen soll das Heizwerk samt Hackschnitzellagerraum direkt im Anschluss an das BHKW-Gebäude neben der Tartanbahn am Schul-Sportplatz. Ergänzt wird die Anlage durch einen Gaskessel, der Spitzenzeiten abfedern soll. Aber nicht nur Schule und Bad sollen davon profitieren. Über eine Fernwärmeleitung werden Gästeinfo, Rathaus, das ehemalige Hotel Post, der Alpenfestsaal und die Bücherei mitversorgt. Ursprünglich habe man auch überlegt, Kindergarten, Haus der Senioren und das Sportheim mit anzuschließen. „Die sind aber weggefallen, weil diese Variante durch den langen Leitungsweg nicht wirtschaftlich darstellbar war“, so Schuhmacher. Die Fernwärmeleitung wird aber so gebaut, dass ein späterer Anschluss immer noch möglich wäre.

Die Gemeinde nimmt einiges an Geld in die Hand. Auf lange Sicht rechne sich die Investition aber, erläuterte der Planer. Setze man weiter auf eine konventionelle Lösung, müsse man in den kommenden Jahren rund 826 000 Euro investieren, um die Heiztechnik am Schulkomplex zu erneuern. Der Energieverbrauch in den kommunalen Liegenschaften in den nächsten 30 Jahren koste die Gemeinde rund 40 Millionen Euro. Investiert man dagegen nun 3,25 Millionen in Heizwerk und Fernwärmeleitung müssen nur noch 28 Millionen Euro in Energiekosten gesteckt werden – eine deutliche Einsparung.

FW-Rat Hans Proisl wollte wissen, wer das Heizwerk betreut. „Das ist ja eine Riesenanlage“, merkte er an. Bei der Suche nach dem passenden Hackschnitzel-Lieferanten werde man auch abklopfen, ob derjenige die Anlage mitbetreuen könne, antwortete Bürgermeister Werner Weindl. Das sei eigentlich gar nicht nötig, wandte Schuhmacher ein. „Die Heizung läuft weitgehend autark und nicht sehr störanfällig.“ Im Prinzip würde es reichen, wenn der Schul-Hausmeister auf seinem täglichen Rundgang nach dem Rechten sehe.

Stephan Bammer (FW) hatte kleine Bedenken wegen des Standorts direkt neben der Tartanbahn, die durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen werde und dann saniert werden müsse. „Aber ich schätze, es geht nicht anders.“ Die Beeinträchtigung der Bahn sei allerdings nicht so dramatisch, wandte Weindl ein. Auf der 15 Jahre alten Anlage gebe es bereits an verschiedenen Stellen Ausbrüche. Eine Komplettsanierung sei da durchaus sinnvoll, „bevor wir Flickwerk haben“.

Markus Landthaler (FW) wollte wissen, ob es Fördermittel gibt. Ja, gibt es, antwortete Schuhmacher. Das „Centrale Agrar-Rohstoff Markting- und Energienetzwerk, kurz: Carmen, stelle rund 170 000 Euro in Aussicht.

Der Gemeinderat segnete den Bauantrag einstimmig ab. Als nächstes müssen die weiterführenden Planungsleistungen ausgeschrieben, vergeben und erledigt werden. Liegt die Baugenehmigung vor, fehlt nur noch der Förderbescheid. Dessen Ausstelldatum ist ganz wesentlich: Denn ab diesem Datum bleiben der Gemeinde zwei Jahre Zeit, um die Anlage zu bauen und alle Gebäude anzuschließen.

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