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Almabtrieb im Kleinen: Die 20 bis 25 Zentimeter großen Figuren zeigen den langen Weg der Tiere  ins Tal, angeführt von einer Sennerin. 

Lenggrieser Schnitzer

Ein Almabtrieb der besonderen Art

Lenggries - Der Lenggrieser Georg Willibald hat 250 Figuren für einen Almabtrieb der besonderen Art geschnitzt. Am Kirchweihsamstag lassen sie den Bauernherbst lebendig werden.

Der Almsommer ist zu Ende, das Vieh ist wieder zurück im Tal. Ein Almabtrieb der besonderen Art steht jedoch noch bevor: In der neuen Miesbacher Oberlandhalle sind am Kirchweihsamstag, 15. Oktober, mehr als 200 Stück Vieh auf ihrem Weg von den Bergweiden in ihre heimischen Ställe zu sehen. Das Außergewöhnliche daran: Die Tiere sind aus Holz. Geschnitzt hat sie der Lenggrieser Georg Willibald. Und natürlich ist das Vieh nicht alleine unterwegs, es wird angeführt und begleitet von Sennerinnen, Hirten und den Bauersleuten.

Insgesamt 250 Figuren umfasst die Darstellung, die Willibald über den Zeitraum von zehn Jahren geschaffen hat. Von Kindheit an mit dem bäuerlichen Leben und dem bäuerlichen Jahreslauf verwachsen, hat er nun sein „Bild“ von einem Almabtrieb vervollständigt und abgeschlossen. Dabei ist er aber nicht nur bei der figürlichen Gestaltung geblieben, sondern hat den menschlichen Protagonisten in ihren jeweiligen Szenen Texte auf ihren hölzernen Leib geschrieben, die sich zu einer stimmigen Geschichte zusammenfügen.

Die Hauptrolle darin spielen Oma und Opa: In sieben verschiedenen Stellungen „verkörpern“ sie sozusagen ein „Austragler“-Paar, das herunten im Tal freudig auf die Ankunft der großen Heimkehrer-Schar wartet. Währenddessen sind die Almleute in einem langen Zug mit natur- und verhaltensgetreu nachgebildeten Kalbinnen, Kühen, Ochsen, Geißen, ein paar Pferden und einem alten Muli talwärts unterwegs. Die Schafe dagegen sind noch oben auf dem Plateau zu sehen. Sie bleiben dort, bis das Wetter wirklich unwirtlich wird.

Die Dialoge, die Willibald den Figuren in den Mund gelegt hat, schildern ganz und gar Situationen des bäuerlichen Daseins und des gemeinsamen Alltags und erwecken damit die fixierte Darstellung zum Leben. Die Geschichte wird vom Glauben getragen und stimmt manchmal nachdenklich, bringt aber ebenso auch fröhliche Ungezwungenheit mit sich. Kein Bauerntheater, sondern „möglichst nah am wirklichen Leben“ sollte sie sein, erklärt der Autor und meint: „Da darf ja auch gelacht werden.“ Um die geschnitzten Menschen und Tiere möglichst echt aussehen zu lassen, sind sie farbig gefasst. Auch der typische Kopfschmuck für die vierbeinigen Gefährten fehlt nicht. Diese Arbeiten wurden von Hubert Demmel, Agnes Meixner, Stephanie Gilgenreiner und Vroni Riesch ausgeführt.

Dass er nun die Gelegenheit bekommt, sein Werk in der Miesbacher Oberlandhalle einem großen Publikum vorzustellen, freut Willibald ganz besonders. Nachdem Georg Mair und Michael Hinterstoißer vom Almwirtschaftlichen Verein von der Nachbildung begeistert waren und auch Zuchtverbands-Vorsitzender Balthasar Biechl über die detaillierte Umsetzung staunte, reifte die Idee für eine derartige Präsentation.

Einfach machen sich der Urheber und seine Unterstützer ihren Auftritt nicht. Bereits seit einigen Wochen proben 22 Sprecher, die den Figuren ihre Stimme geben, ihre Textpassagen. „Der Jüngste aus diesem Team ist neun, der Älteste 70 Jahre alt“, berichtet Willibald. Passgenau zum Text werden die entsprechenden Szenen, die Vroni Braun eigens in freier Natur fotografiert und mit einer originalen Geräuschkulisse unterlegt hat, auf einer großen Leinwand zu sehen sein – was die Veranstaltung überhaupt erst ermöglicht.

In die Geschichte mit einfließen sollen überdies die Lieder und Weisen der anwesenden Musik- und Gesangsgruppen, wobei die Alphornbläser schon zu Beginn für eine wohlklingende Einstimmung sorgen. Der echte geschnitzte Almabtrieb wird auf einer Fläche von 30 Quadratmetern zur Besichtigung aufgebaut sein. „Die Spannung steigt“, meint der 52-jährige Schnitzer und Schreiber angesichts des näher rückenden Termins. Willibald: „Ich hoffe, dass viele interessierte Leute kommen, um gemeinsam ein paar schöne Stunden zu verbringen.“

Rosi Bauer

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