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Fast drei Meter hoch ragt das provisorische Gipfelkreuz auf dem Scharfreiter oberhalb von Lenggries in den Himmel.

Auf dem Schafreiter

Rechtsextreme errichten Gipfelkreuz: Was ein Zeuge beobachtet hat

Lenggries - Eine Serie beschädigter Gipfelkreuze sorgt in Südbayern für Aufregung. Jetzt wurde still und heimlich ein Gipfelkreuz wieder aufgestellt. Und löst erneut heftige Diskussionen aus.

In rohem Fichten- oder Kiefernholz reckt sich das etwa drei Meter große Holzkreuz in den wolkenverhangenen Himmel am 2102 Meter hohen Scharfreiter bei Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Hier war Ende August das alte Kreuz von einem Unbekannten so stark beschädigt worden, dass es umgehackt werden musste.

Nun steht ein neues Kreuz in der Verankerung. Aber das löst auch nicht gerade Freude aus. Rechtsextreme der „Identitären Bewegung“ haben das Kreuz aufgestellt. Die „Identitären“ werden vom Verfassungsschutz beobachtet und als rechtsextrem, nationalistisch und rassistisch eingestuft.

Identitäre Bewegung brüstet sich auf Facebook: "Wir fordern Respekt"

Auf Facebook brüstet sich die Bewegung mit ihrer Aktion: „Wir fordern Respekt für unsere christlichen Werte und bayerischen Traditionen! Da wir den Gipfel nicht bis zum Errichten eines passenden Kreuzes nackt lassen wollten, packten wir kurz entschlossen selbst an.“ Zeugen waren die jungen Männer am Sonntag nicht unangenehm aufgefallen. Ein Isarwinkler berichtet, er habe eine Gruppe von etwa zehn jungen Männern im Alter zwischen 18 und 28 Jahren gesehen, die die Balken auf den Berg trugen. Zwei oder drei von ihnen hätten Lederhosen angehabt. Irgendwelche Erkennungszeichen einer Gruppierung seien ihm nicht aufgefallen.

Der Zeuge wechselte auch ein paar Worte mit den jungen Leuten. Sie hätten gesagt, dass sie vom gefällten Gipfelkreuz am Scharfreiter in der Zeitung gelesen hätten. Ihnen sei klar, dass der Alpenverein bereits die Errichtung eines neuen Gipfelkreuzes vorbereite. Weil sie aber wollten, dass sofort wieder ein Kreuz auf dem Gipfel steht, würden sie nun eines aufstellen – im Bewusstsein, dass es in einigen Wochen ersetzt werde. Die Burschen hätten Bairisch gesprochen.

Das aktuelle Kreuz auf dem Schafreiter löst großes Unbehagen aus

Am neuen Gipfelkreuz selbst sind laut Michael Bubeck, Wirt der Tölzer Hütte am Scharfreiter, keinerlei Botschaften oder Inschriften zu erkennen. „Das Kreuz ist etwa drei Meter hoch, und damit bedeutend niedriger als das ursprüngliche Kreuz“, berichtet er. Der Querbalken ist auf einer Höhe von 2,20 Metern angebracht. Das Kreuz sei aus weichem Nadelholz, „und würde daher vermutlich dem Wetter nicht jahrelang standhalten“. Es steckt etwas windschief in der Halterung, in der das zerstörte Kreuz befestigt war. Dass nun ausgerechnet eine radikale Gruppe ein Kreuz wieder errichtet hat, löst bei Wolfgang Bischof, Weihbischof der Seelsorgsregion Süd im Erzbistum München und Freising, großes Unbehagen aus. „Für mich ist es wichtig, mit welcher Intention Kreuze aufgestellt werden. Sie dürfen nicht politisch vereinnahmt werden, egal von welcher Seite.“

Mit dem christlichen Glauben sei die Freiheit, die Nächstenliebe, die Offenheit für Menschen in Not verbunden. Immer wieder würden christliche Symbole von allen möglichen Richtungen hergenommen und verwendet. Der Weihbischof: „Umso wichtiger ist es für uns Christen deutlich zu machen, wofür das Kreuz steht.“ „Sehr betroffen“ zeigt sich der Weihbischof aber auch über die Attacken auf die Gipfelkreuze. Dass „ein Zeichen der Erlösung und der Freiheit scheinbar für Menschen nur schwer erträglich ist“ und es in Nacht- und Nebelaktionen umgeschlagen werde, erschüttere ihn. Immer wieder denke er darüber nach, wie die Kirche es noch deutlicher machen kann, dass gerade durch dieses Zeichen des Kreuzes das Heil in die Welt gekommen sei. „Das Kreuz soll uns erinnern an die Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Dass er für uns seinen Sohn hingegeben hat, damit wir Menschen in Freiheit leben können.“

Tölzer Berufsschule arbeitet an einem Kreuz

Wenn nun der Alpenverein im Herbst ein neues Kreuz aufstelle, dann sei auch die Kirche gerne dabei: „Wenn hier die Anfrage vom Alpenverein kommt, wird das sicher positiv beschieden.“ Denn man wolle ja deutlich machen, wofür das Kreuz steht.

Die Vorbereitungen für die Aufstellung eines neuen, dauerhaften Gipfelkreuzes laufen beim Tölzer Alpenverein auf Hochtouren. „Die Tölzer Berufsschule hat zugesagt, dass sie das Kreuz zusammenbauen würde“, sagt der Vorsitzende der Sektion Bad Tölz, Paul Schenk. Aktuell sei man noch auf der Suche nach einem passenden Holzstamm.

Andreas Steppan

Andreas Steppan

E-Mail:andreas.steppan@toelzer-kurier.de

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