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Das umgeschlagene Gipfelkreuz am Schafreiter ist unter den Wanderern ein großes Gesprächsthema.

Nach Vandalismus am Gipfelkreuz

Schafreiter: Erklärungsversuche am Gipfel

Lenggries - Das umgeschlagene Gipfelkreuz am Scharfreiter hat sich nicht zu einer Touristenattraktion entwickelt. An diesem Wochenende waren es nicht mehr Gipfelaspiranten als bisher. Ruhe finden die Besucher im Angesicht des liegenden Kreuzes aber auch nicht, wie ein Besuch am Samstag zeigte.

"Niederträchtig und feige", kommentiert Bernhard Oberhofer (li.) aus hall/Tirol die tat. Er war mit seinem Bekannten Ottmar Wasser auf dem Gipfel.

Auf dem höchsten Punkt des Scharfreiters überlegen zwei Münchnerinnen, ob sie sich wohl zum Brotzeitmachen auf das Kreuz setzen sollen. Es kommt ihnen blasphemisch vor. Am Ende siegt aber der Wunsch, bequem zu sitzen. Zwei Burschen aus Tirol sind der Meinung, dass ein Gipfelkreuz da sein müsse, damit man wisse, wo der Gipfel sei. Und auf dem Gipfel, da gebe es doch ein Gipfelbussi, so der Brauch. Die Münchnerinnen ignorieren den Vorschlag und halten sich an ihre Brotzeit. Denn Gipfelbrotzeit ist eben auch Brauch.

Pater Volker, der am 30. September 1951 das Gipfelkreuz mit den Worten „Viele Wege führen zu Gott, einer geht über die Berge“ geweiht hat, hätte es sicher so gesehen wie ein Wanderer vom Niederrhein. „Auf einem Gipfel fühle ich mich Gott nah. Es ist eine große Kränkung zu sehen, was hier geschehen ist.“ Der ältere Herr zieht seinen Hut tiefer und steigt ab zur Tölzer Hütte. Bernhard Oberhofer aus Hall ist der Meinung, dass es „niederträchtig ist, so ein Kreuz umzuhauen“. Und „feige und böse“ noch dazu. „Es muss sich um einen schlechten Charakter gehandelt haben.“ Der Österreicher freut sich trotzdem, dass er mit seinem Freund die Tour auf den Scharfreiter unternehmen konnte. Es sei absurd, wie viel Energie der Täter aufgebracht habe. Schließlich müsse er ja ein Beil und eine Säge hinaufgeschafft haben. Ottmar Gasser, ebenfalls aus Hall, spekuliert: „Der Täter könnte ein Opfer des Klerus gewesen sein. Vielleicht ist er von der Kirche enttäuscht oder sogar missbraucht worden.“

„Wir respektieren Gebetsfahnen, und wir sollten auch Respekt für unsere christlichen Symbole erfahren“, sagt Christine Schreiber (re.), zusammen mit Friederike Schwarz aus München.

Ein anderer Wanderer wirft ein, dass es „deppert“ war zu hacken: „Sägen wär’ doch viel schneller gegangen.“ Auf der Tölzer Hütte einigen sich die Gäste auf zwei grundsätzliche Annahmen: Es muss sich um einen Täter und nicht um eine Täterin gehandelt haben, denn „Frauen tun so etwas nicht“. Und man müsse auch davon ausgehen, dass es sich um einen „Preißn“ handelt – wobei dieser Begriff offenbar auch Russen und Schwaben miteinschließt.

„Unsere Zeiten sind so radikal, wir brauchen mehr Toleranz. Wir respektieren Gebetsfahnen und wir sollten auch Respekt für unsere christlichen Symbole erfahren“, sagt Christine Schreiber aus München. Sie war ebenso wie Friederike Schwarz allein unterwegs. Jetzt haben sie sich durch die „Gipfelkreuz-Affäre“ kennengelernt, Bekanntschaft geschlossen und diskutieren bei einer Brotzeit in der Hütte. „Die Verbindung aus Erde, Gott und Himmel wird durch das Gipfelkreuz symbolisiert. Schlimm, mit wie viel Zerstörungswut hier jemand am Werk war“, meint Schwarz. Und ganz aus der hintersten Ecke kommt auch noch ein Beitrag: „Vielleicht war’s ein Biber.“ Die gute Stimmung unter Wanderern ist eben so schnell nicht zu erschüttern.

Sandra Freudenberg

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