+
Nachdem ein Unbekannter das Gipfelkreuz am Scharfreiter über dem Sylvensteinsee am Samstag schwer beschädigt hatte, musste es aus Sicherheitsgründen ganz umgelegt werden.

Nach Zerstörung mit der Axt

Scharfreiter: Möglichst schnell ein neues Gipfelkreuz

Lenggries - Nach der unbegreiflichen Zerstörungsaktion vom Samstag soll auf dem Scharfreiter so bald wie möglich ein neues Gipfelkreuz aufgestellt werden. Für Hinweise auf den Täter setzt der Alpenverein eine Belohnung aus.

Das Unverständnis im Isarwinkel ist nach wie vor groß: Was geht bloß im Kopf eines Menschen vor, der auf den Bergen Gipfelkreuze umhackt? Wie berichtet, hat der Täter zuletzt auf dem Scharfreiter zugeschlagen. Dass dort möglichst schnell wieder ein Gipfelkreuz steht: „Das wäre jetzt das richtige Zeichen, um klar zu machen: Wir lassen uns das nicht gefallen“, sagt Hanspeter Mair. Der Tölzer half vor 13 Jahren mit, das Gipfelkreuz auf den Scharfreiter zu tragen beziehungsweise an Seilen zu ziehen. „Das war eine Riesenaktion, vor allem, den fünf Meter langen Balken um die Kehren zu bekommen.“ Der frühere Wegewart des Alpenvereins, Jakob Pauli, hatte das Kreuz gestiftet, eine Zimmererklasse der Tölzer Berufsschule fertigte es an, eine Gruppe von Gaißachern kümmerte sich um den Transport und das Aufstellen. Mair spricht sicher für viele von ihnen, wenn er seine Fassungslosigkeit schildert: „Ich kann es nicht verstehen, es will mir einfach nicht in den Kopf.“

Paul Schenk, der Vorsitzende der Tölzer Alpenvereinssektion, hat sofort begonnen, Ideen für den Wiederaufbau zu sammeln. „Ein optimistischer Wunsch wäre, dass es bis zur Bergmesse am 9. Oktober wieder steht“, sagt er. Schenk führt dazu Gespräche mit Vorstandskollegen und anderen Betroffenen und Interessierten.

An Helfern würde es sicher nicht mangeln, ist Mair – hauptberuflich Geschäftsbereichsleiter beim Deutschen Alpenverein – überzeugt. „Man müsste halt erst einmal einen passenden abgelagerten Eichenstamm finden, den jemand vorrätig hat.“ Eine andere Frage ist laut Schenk, ob das Kreuz wieder mit reiner Muskelkraft auf den Gipfel transportiert oder doch hinaufgeflogen werden sollte. Damals hatten sich die Gaißacher bewusst fürs Tragen entschieden – ein Verweis auf christliche Symbolik und auch als identitätsstiftendes Gemeinschaftserlebnis.

Dafür, wer der Täter sein könnte, gibt es laut Josef Mayr, Vize-Chef der Tölzer Polizei, keinen Anhaltspunkt. Immer wieder ist das Gerücht zu hören, es müsse ein Flüchtling und/oder Islamist gewesen sein. „Darauf deutet nichts hin. Das wären reine Vermutungen.“ Mayrs eigene Überlegungen gehen in eine andere Richtung. „Es gibt Freidenker-Gruppierungen, die sich darüber aufregen, dass Christen in der Natur äußere Zeichen ihres Glaubens aufstellen. Sie machen Stimmung gegen Gipfelkreuze und sagen, die Berge seien für alle da, nicht nur für Christen.“ Aber auch da fehle es an konkreten Bezugspunkten zu den Taten auf den Isarwinkler Gipfeln.

Mayr geht davon aus, dass die Taten am Prinzkopf und am Scharfreiter – die Zerstörung eines dritten Kreuzes an der Dudl-Alm im Längental ist bei der Polizei nicht aktenkundig – von ein und demselben Täter begangen wurden. Die Beschreibung des Axtschwingers vom Scharfreiter korrigiert er: Hatte es zunächst geheißen, der Mann habe helles Haar, hätten sich die Zeugen nun darauf besonnen, dass er dunkelblond bis braunhaarig sei. Insofern stimme die Beschreibung mit der des Täters vom Prinzkopf überein. Ansonsten seien die Merkmale aber nicht markant: zirka 1,80 Meter groß, 30 bis 40 Jahre alt, kräftige Statur – das trifft auf viele zu.

Überführen lasse sich der Unbekannte wohl am ehesten, wenn er beim nächsten Mal auf frischer Tat ertappt wird, so Mayr. „Wir hoffen, dass wir dann von aufmerksamen Wanderern so schnell wie möglich angerufen werden. Dann müsste auch noch zufällig ein Hubschrauber in der Nähe sein, so dass wir so schnell wie möglich oben sein können.“

Auch Paul Schenk vom Alpenverein appelliert an alle Berggänger: „Man sollte keine Scheu haben, sofort die 110 zu wählen.“ Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen oder eine weitere Attacke auf ein Gipfelkreuz verhindern, hat die Tölzer AV-Sektion eine Belohnung ausgesetzt – und zwar nicht in Form von Bargeld, sondern als Sachpreis, der dann individuell besprochen wird. Das könnte zum Beispiel ein schöner Rundflug übers Karwendel sein.

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gute Heizwerte, wenig Hackschnitzel

Bad Heilbrunn/Ramsau - Das von Bürgern geschaffene Nahwärme-Netz in Ramsau läuft bestens. Seit bald zwei Jahren versorgt es zehn Häuser in dem 150-Einwohner-Ort. Das …
Gute Heizwerte, wenig Hackschnitzel

Schienenersatzverkehr bei der BOB

Aufgrund von betrieblichen Gründen fällt die BOB 86928 (Lenggries ab 15:47 Uhr) zwischen Lenggries und Schaftlach aus.  Ein Schienenersatzverkehr ist eingerichtet, teilt …
Schienenersatzverkehr bei der BOB

Schnee-Eule aus Lenggries liefert neuen Harry-Potter aus

Lenggries - Da haben die beiden Kinder bestimmt nicht schlecht gestaunt: Schnee-Eule Hedwig aus Lenggries hat einem Geschwisterpaar aus München den neuen Harry-Potter …
Schnee-Eule aus Lenggries liefert neuen Harry-Potter aus

Der Basilikachor in Benediktbeuern  beginnt wieder mit den Proben

Der Basilikachor in Benediktbeuern  beginnt wieder mit den Proben

Kommentare