Eine Münchnerin will mit dem Täter in der BOB gefahren sein

Der Kriminalfall Leitenberg - Folge 3: Auto oder Zug?

Die Suche nach einem rotem Honda Civic

Lenggries - Er ist immer noch ungeklärt und sorgt vor allem bei Frauen noch immer für große Ängste: der Kriminalfall Leitenberg. Eine Münchner Wanderin wurde am Brauneck missbraucht und hilflos zurückgelassen. Zehn Jahre danach hat der Tölzer Kurier zusammen mit der Kripo Weilheim und anderen Polizeistellen nochmals alle Fakten und Spuren zusammengetragen. Die Hoffnung: Vielleicht liest „Kommissar Zufall“ mit und hilft bei der Aufklärung

In der bundesweiten Berichterstattung über den Fall Leitenberg war immer von öffentlichen Verkehrsmitteln die Rede, die Opfer und Täter benutzten. Das hatte mehrere gute Gründe. Es gibt aber auch sehr überzeugende Überlegungen, dass der Verbrecher mit dem Auto kam.

Es ist verblüffend: Stets wurde über die Jahre davon ausgegangen, dass Täter und Opfer am Samstag, 25. November 2006, im selben Zug um 8.42 Uhr von München nach Tölz fuhren. Diese „Arbeitshypothese“ erschien den zunächst ermittelnden Polizeibeamten durchaus plausibel.

Denn schon kurz nach der Tat meldet sich bei den ersten Fahndungsaufrufen der zunächst 15-köpfigen Soko Leitenberg eine ebenfalls 67-jährige Münchnerin als Zeugin, die von einer unheimlichen Begegnung mit dem mutmaßlichen späteren Täter berichtet. Der Mann habe sie zu einer Wanderung im Längental überreden wollen, erzählt die Frau den Ermittlungsbeamten. Der hagere Mann mit der eingefallenen Mundpartie und den markant schmalen Lippen habe aber einen „unheimlichen Eindruck“ auf sie gemacht. 

Deshalb sei sie in Tölz ausgestiegen. Als Vorwand dient ihr ein Bekannter, der sie abholen wolle. Der Täter sei sitzengeblieben.

Ein Sextäter auf der Suche nach einem Opfer, mit Handschellen, Messer und Klebeband im Gepäck. Auch vor diesem Hintergrund war (und ist) die Zeugenaussage nachvollziehbar. Zumal es ja auch Zeugenaussagen gibt, wonach der Täter einen schwarzen Rucksack mit einem knallroten Logo „DB“ trug. 

Viele Bahnmitarbeiter nützen in dieser Zeit die Tragetasche mit Werbeaufschrift des Arbeitgebers. Die Ermittlungen der Polizei werden sich aus diesem Grund auch längere Zeit auf Bahnbegleitpersonal konzentrieren.

Und es wird ein Experiment gestartet, wie der seit 2009 für den Fall zuständige Kripobeamte erzählt: „Ein sportlich nicht unfitter Kollege“ soll den Fluchtweg des Täters nachvollziehen. Denn: Funktioniert es überhaupt, zu Fuß sowie mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom 1200 Meter hoch gelegenen Tatort am Berg in etwas über drei Stunden nach München-Obergiesing zu kommen, die Wohnung zu durchsuchen und rechtzeitig vor 18 Uhr (Eintreffen der Münchner Polizei) wieder zu verschwinden. Das Experiment beweist: Es klappt, wenn auch knapp.

Dennoch hat die Kripo Weilheim heute ihre Zweifel, ob nicht doch ein Auto mit im Spiel war. Auch dafür sprechen mehrere überzeugende Hinweise. Der Täter wäre mit Auto schneller und flexibler gewesen. Er hätte den Wagen zum Beispiel vorher an den Längental-Parkplätzen abstellen können und zu Fuß zum bekannten Wander-Treffpunkt am Obergrieser Bahnhof marschieren können.

Und der Mann hätte am Bach seine Wanderkleidung und die Schuhe reinigen können oder – noch wichtiger – Ersatzkleidung und Schuhe aus dem Auto anziehen können.

Und wie schon gesagt: Als Einbrecher hinterließ der Mann so gut wie keine Spuren. „Sehr ungewöhnlich“ findet das der Weilheimer Kripochef Markus Deindl. „Da war nicht ein Bröckerl Erde auf dem Wohnungsboden.“

Es gab auch für die Auto-These Zeugenaussagen. Bei einer Überprüfung so eines Hinweises sei man, so die Kripo, auf einen roten Honda Civic gestoßen. Es waren sogar Teile des Kennzeichens bekannt.

„Wir haben nahezu weltweit alle roten Honda Civic überprüft“, fasst Deindl das Ergebnis „einer Wahnsinnsarbeit“ trocken so zusammen: „Ein Auto hat der Täter jedenfalls nicht gehabt: einen roten Honda Civic“.

Christoph Schnitzer


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