Der Kriminalfall Leitenberg - Folge 4: Das Phantombild

Suche nach Vergewaltiger: „Heute schaut er bestimmt ganz anders aus“

Lenggries - Als vor einigen Monaten die ersten Gespräche zwischen Tölzer Kurier und Kripo Weilheim über den Leitenberg-Fall stattfanden, hatten die Ermittler zwei zentrale Anliegen: Bitte nicht mehr das Phantombild des Täters verwenden und auch auf den Begriff „Sexbestie“ zu verzichten. Hier die Gründe.

Es ist ein hartes, kantiges Gesicht mit einer auffallend schmallippigem Mundpartie, das den Betrachter von den Fahndungsplakaten im Dezember 2006 anstarrt. So soll der Mann ausgesehen haben, der eine 67-jährige Münchnerin am Brauneck/Leitenberg missbrauchte, sie mit Handschellen gefesselt am Berg zurückließ und in ihre Wohnung in Obergiesing einbrach.

Die Tat ereignete sich am 25. November 2006. Das Opfer war am ersten Tag nach Polizeiangaben sehr lange stabil geblieben, bevor dann doch der gesundheitliche Zusammenbruch kam. Sobald es ging, entstand nach Angaben des Opfers und der Zeugen das recht aussagekräftige Phantombild.

Und es zeigte Wirkung. Bereits wenige Tage später waren bei der Kripo 140 Hinweise auf potenzielle Brauneck-Täter eingegangen und wurden in durchaus mühevoller Arbeit überprüft. Es ergaben sich teilweise tatsächlich verblüffende Ähnlichkeiten mit den angegebenen Personen. In einem Fall sei zur Gemeinsamkeit im Aussehen auch noch eine gewisse alarmierende Vorgeschichte gekommen, berichtet der heutige Kripo-Chef Markus Deindl. Der DNA-Test habe aber zweifelsfrei einen Zusammenhang ausgeschlossen.

Heute ist das Phantombild „verbrannt“. Der Täter muss etwa 50 bis 55 Jahre alt sein. Er schaut nach Überzeugung der Kripo „nicht mehr so aus“. Nicht nur, weil er älter geworden ist, sondern weil er, so Deindl, „natürlich auch die Berichterstattung in den Medien verfolgt hat“ und sein Aussehen schleunigst geändert hat. Ein Bart, längere Haare und mehr Gewicht können die erste Beschreibung schnell ad absurdum geführt haben.

Die Konstanten in der Beschreibung zeigt das Phantombild hingegen nicht: Die Größe (etwa 1,75 Meter) und die mundartliche Färbung der Sprache. Eine verblüffende Beobachtung wissen die Ermittler zu ergänzen: So sei es gar nicht so selten, dass gesuchte Täter bei der Festnahme aufgrund von unregelmäßiger Ernährung, Drogen und Alkohol dem einmal gezeichneten Phantombild gar nicht ähneln. Deindl: „Die Haft tut ihnen dann oft gut. Sie vernachlässigen sich nicht mehr so und nähern sich wieder ihrem ursprünglichen Aussehen an.“

Und was hat es mit dem Begriff Sexbestie auf sich? Die heute mit dem Fall betrauten Kripobeamten glauben, dass mit diesem Begriff die Suche nach dem Täter eher erschwert wird. Deindl spricht „von anderen Bildern, die im Kopf entstehen, wenn von einer Bestie die Rede ist“. Man suche im Kriminalfall Leitenberg zwar nach einem kaltblütigen Sexualstraftäter, aber nicht nach einer „Bestie“, bei der zu den Tatmerkmalen zwangsläufig viel Blut, extreme Grausamkeit und Abartigkeit gehören. Christoph Schnitzer


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Rubriklistenbild: © dpa

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