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Auf dem Weg in die Arbeitswelt (v. li.) Nour, Abdulghafour und Judy Alhajassad aus Syrien. 

Erfolgsgeschichte

Syrischer Arzt auf der Überholspur

Lenggries – Mit Abdulghafour Alhajassad können wohl wenige mithalten: Der Syrer ist seit elf Monaten in Deutschland und hat gerade seinen Deutschtest im B2-Niveau geschrieben. Er will möglichst schnell als Arzt arbeiten.

Abdulghafour Alhajassad ist einer von 36 Teilnehmern in einem Intensivkurs für ausländische Ärzte. Die meisten seiner Kollegen leben schon länger in Deutschland, haben viele Sprachkurse besucht, manche haben deutsche Ehepartner. „Das war zuerst sehr schwierig, ich habe am schlechtesten Deutsch gesprochen“, sagt Alhajassad.

Der 33-Jährige ist mit seiner Frau Nour (30) und Tochter Judy (fast drei) vor elf Monaten in Deutschland angekommen. Die Familie musste aus Syrien fliehen, ihr Haus befand sich mitten auf der Frontlinie zwischen der syrischen Armee und den oppositionellen Streitkräften.

Seitdem lernt Abdulghafour Alhajassad ununterbrochen Deutsch. Er will keine Zeit verlieren. „Ich möchte schnell arbeiten und unsere Situation ändern.“ Die Familie wohnt in einem der Container in Lenggries. Zwei Stockbetten stehen darin, es gibt eine Küchenzeile und ein kleines Bad. Für Wohnlichkeit sorgt eine Sofabank.

Nach ihrer Ankunft in Lenggries warteten die Syrer sechs Monate auf ihr Interview beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. „So lange hatten wir keinen Zugang zu Deutschkursen“, sagt Abdulghafour Alhajassad. Eine pensionierte Lehrerin übte trotzdem zweimal die Woche. „Und unsere Patenfamilie war eine große Hilfe.“

Der 33-Jährige hat in Syrien als Hämatologe, also als Facharzt für Blutkrebs, gearbeitet. Um in Deutschland arbeiten zu dürfen, besucht er einen speziellen Intensivkurs in Nürnberg. „Wir haben allgemeinen Deutschunterricht und lernen die medizinische Fachterminologie.“ Um dort aufgenommen zu werden, hat Alhajassad Tag und Nacht gelernt.

Er musste das B1-Sprachniveau nachweisen und hatte einen Monat, um sich auf den Test vorzubereiten. „Der Test war höher als mein Niveau.“ Alhajassad hat sich trotzdem durchgekämpft und nun im Juli sogar den Test für das B2-Niveau geschrieben. „Ich warte noch auf das Ergebnis, es war ein bisschen schwierig.“

Nach dem Intensivkurs macht Alhajassad ein Praktikum. „Ich habe ein Vorstellungsgespräch in Weißenburg.“ Sein Chef empfiehlt ihm, als Internist zu arbeiten, weil das Ausbildungssystem sich in Deutschland von dem in Syrien unterscheidet. „In Syrien habe ich zwei Jahre in der Inneren Medizin gearbeitet und drei Jahre mit Schwerpunkt Hämatologie“, sagt der 33-Jährige. In Deutschland dauere die Facharztausbildung jeweils drei Jahre.

Für Alhajassad ist die Innere Medizin gut. „Hauptsache arbeiten“, sagt er. So könne er das deutsche System und die Routine im Krankenhaus kennenlernen. „Wenn ich die Approbation habe, kann ich vielleicht wechseln.“ Der 33-Jährige ist Arzt geworden, weil er fleißig war, sagt er. „Es ist ein schwerer Beruf, aber schön, wenn der Patient sagt, er wurde gut behandelt.“ Er habe in Syrien helfen wollen. Aber „im Krieg kann man nicht einfach bleiben und leben“.

Der Intensivkurs in Nürnberg dauert noch gut zwei Monate. So lange bleibt Alhajassad unter der Woche in Nürnberg. Eine harte Zeit für die Familie. „Judy fragt immer nach dem Papa“, sagt Nour Alhajassad. Die 30-Jährige hat ihren Mann übrigens im Krankenhaus kennengelernt. Sie ist auch Hämatologin, hat nach der Hochzeit aber in die Pathologie gewechselt. „Dort gibt es keine Nachtschicht“, sagt sie.

Nour Alhajassad steht ihrem Mann in nichts nach: Sie wartet gerade auf ihr Ergebnis im Sprachtest auf B1-Niveau. Wenn alles klappt, kann auch sie bald in Deutschland praktizieren. Vor einer Hürde steht die Familie aber noch: „Es ist sehr schwierig, eine Wohnung zu finden.“

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