Begeisterter E-Auto-Fahrer: Der Lenggrieser Christoph Ebert ist auf einen E-Golf umgestiegen. Die „Tank“-Füllungen kommen bei ihm direkt von der Solaranlage auf dem eigenen Hausdach. Foto: Arndt Pröhl
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Begeisterter E-Auto-Fahrer: Der Lenggrieser Christoph Ebert ist auf einen E-Golf umgestiegen. Die „Tank“-Füllungen kommen bei ihm direkt von der Solaranlage auf dem eigenen Hausdach. 

E-Autos

Voll mobil und unter Strom

Lenggries –  E-Autos sind auf den Straßen im Landkreis noch eine Seltenheit. Gerade einmal 83 davon sind in der Tölzer Zulassungsstelle angemeldet. Eines davon gehört dem Lenggrieser Christoph Ebert. Er ist überzeugt: Schon bald werden immer mehr Autofahrer ebenfalls umsteigen.

Ein Elektroauto sei „das kommunikativste Fahrzeug“, sagt Christoph Ebert. Wenn er seinen E-Golf an einer öffentlichen Stelle auflade, „dann werde ich in neun von zehn Fällen darauf angesprochen“, sagt er. Und über sein Fahrzeug reden, das tut der 39-Jährige gern – privat wie beruflich.

Der Lenggrieser ist Geschäftsführer des „Kompetenzzentrums Sport, Gesundheit, Technologie“ in Garmisch-Partenkirchen. Als Garmisch-Partenkirchen 2011 zur „Modellkommune Elektromobilität“ erklärt wurde, übernahm sein Zentrum die Koordination des Projekts, das vor wenigen Tagen abgeschlossen wurde.

Naheliegend, dass Ebert auch privat bald umstieg. Seit Mitte 2014 ist ein E-Golf das Zweitauto der Familie. „Es ist klar, dass ein Elektroauto nicht für jeden Fahrer in jeder Situation das Geeignete ist“, räumt er ein. Für manche Zwecke benötige die Familie auch noch das Auto mit Verbrennungsmotor. „Um einen Pferdeanhänger zu ziehen, ist das E-Auto nicht das Richtige“, sagt Ebert, der mit Frau und zwei Söhnen (4 und 2) auf dem Moralthof in Unterlus zu Hause ist.

Doch zum größten Teil ist der Lenggrieser elektrisch unterwegs – etwa, wenn er die 60 Kilometer zu seiner Arbeitsstelle nach Garmisch pendelt. „Dort haben wir einen Solar-Carport, wo ich das Auto tagsüber aufladen kann.“ Nach München und zurück zu fahren, „passt auch super“, versichert Ebert. Innsbruck, Regensburg und Ingolstadt hat er ebenfalls schon per E-Auto angesteuert. „Dann plane ich entsprechende Pausen zum Laden ein“, erklärt er und spricht von „entschleunigtem Reisen“. Eine halbe Stunde daure das Aufladen an einer Schnellladestation, wie es sie an Autobahnen, bei der Münchner BMW-Welt oder auf manchen Aldi-Parkplätzen gibt. „Diese Zeit nutze ich, zum Beispiel indem ich währenddessen beim McDonald’s an der Raststätte mit dem Laptop arbeite.“ Generell komme er ohne „Tanken“ im Sommer 180, im Winter 130 Kilometer weit.

Etwas Planung ist da schon nötig. „Wenn ich einen Termin habe, erkundige ich mich vorab, ob es dort einen Parkplatz mit Steckdose gibt“, sagt der Lenggrieser, der Mathematik, Sport und Ökonomie studiert hat und anschließend promovierte. Zu Hause schließt er den Wagen an eine „Wallbox“ an der Hauswand an. Das kleine Kästchen koste 500 bis 1000 Euro und ermögliche ein schnelleres Aufladen als über die übliche Schuko-Steckdose, mit der es acht bis zehn Stunden dauere, bis der Akku voll ist.

Für Ebert gehört zum Umsteigen auf E-Mobilität aber noch mehr. „Ich habe auf dem Handy jetzt auch fünf bis sechs Apps zu Alternativen, etwa öffentlichen Verkehrsmitteln oder Car-Sharing.“ Nach Nürnberg fahre er zum Beispiel mit dem Zug. „Man wird insgesamt bewusster.“ Ebert schwebt allgemein eine „neue Mobilität“ vor, bei denen E-Autos nur ein Teil eines künftig deutlich bunteren Bildes seien.

Und dieser „riesige Umwälzungsprozess“ sei in vollem Gange. Ebert gibt zu: Ein E-Auto – anders als etwa das E-Bike – habe für den Nutzer zunächst keinen Mehrwert, sondern sei mit Einschränkungen verbunden. Genügend Argumente zum Umsteigen fallen ihm aber sofort ein. So komme der Betrieb des Fahrzeugs trotz der höheren Anschaffungskosten – rund 35 000 Euro hat sein E-Golf gekostet – über die Jahre günstiger. „Insbesondere, wenn man wie ich den Solarstrom auf dem eigenen Dach produziert“, sagt Ebert. Aber auch anderweitig habe man mit dem E-Auto die Chance, „weiß-blaue Elektronen“, also regional produzierten Ökostrom, in den „Tank“ zu füllen, statt weit weg produziertes Öl – das zudem weltweit zur Neige gehe.

Auf örtlicher Ebene führen Ebert beziehungsweise sein Kompetenzzentrum gerade Gespräche mit der „17er Oberland Energie“, einem Zusammenschluss regionaler Stadtwerke, über den Ausbau der Infrastruktur auch in Bad Tölz und Lenggries. Bundesweit ist Ebert fest davon überzeugt, dass eine Kaufprämie für E-Autos kommt – auch wenn dieser Plan gerade vor ein paar Tagen nach Gesprächen zwischen Bundesregierung und Industrie vorerst ad acta gelegt worden ist.

Hier kann man mit dem E-Auto kostenlos tanken

Auftanken am Landratsamt: Frank Walter lädt den Akku seines Renault Zoe.

Frank Walter legt auf dem Weg von Weilheim in Richtung Tegernsee einen Stopp in Bad Tölz ein. Der Grund: In einem Stromtankstellenverzeichnis im Internet hat er gesehen, dass es hier zwei Ladesäulen gibt, die E-Auto-Fahrer kostenlos und ohne Zugangsbeschränkung nutzen können. Eine davon, die vor der Kfz-Zulassungsstelle im Landratsamt, hat er heute ganz gezielt angesteuert. „Ich war vorher bei 70 Prozent, jetzt hing ich 20 Minuten dran, und der Akku ist wieder voll“, erklärt er. Die Ladestation auf der Flinthöhe ist erst seit Kurzem im Betrieb. Es sind die Stadtwerke Bad Tölz, die hier kostenloses Tanken anbieten – ebenso wie auf dem Parkplatz direkt neben der Stadtwerke-Zentrale an der Osterleite. „Wir gehen da in Vorleistung, um eine Infrastruktur für Elektromobilität zu schaffen“, erklärt Stadtwerke-Chef Walter Huber. Frank Walter findet das Angebot – fast – perfekt. „Die Tankstelle ist gut gelegen“, sagt er. „Was noch fehlt, ist ein Schild, dass Parken für Autos, die nicht tanken, verboten ist. So ist es mit schon passiert, dass beide Plätze vor der Säule belegt waren.“ Abgesehen von den beiden Gratis-Tankstellen der Stadtwerke sind öffentliche Ladestellen im südlichen Landkreis derzeit noch eher rar gesät. Laut der Internetseite e-tankstellen-finder.com gibt es noch eine Ladesäule am Baywa-Markt an der Sachsenkamer Straße. Zudem bestehen vereinzelte, „private“ Angebote. Im Arabella Brauneck Hotel in Lenggries etwa ist das Aufladen bei Konsum im Restaurant oder im Café kostenlos.

Andreas Steppan

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