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Spiel vor 1000 Zuschauern und mehr: Der SC Reichersbeuern empfängt den SV-Wackersberg-Arzbach.

Sky-Aktion „Spiel des Lebens“

Kleiner Verein, große Vorbereitungen

Reichersbeuern/ Wackersberg - Die Organisatoren müssen den Eintrittspreis rechtfertigen und beklagen die vielen Richtlinien des Senders Sky. Der Trainer muss entscheiden, wer beim größten Event der Vereinsgeschichte nicht mitspielen darf. Der SC Reichersbeuern steckt mitten in den Vorbereitungen für das „Spiel des Lebens“.

Josef Reiter weiß jetzt, wie sich ein Bundesliga-Trainer fühlen muss. „Wenn die Kamera zehn Zentimeter vor deinem Gesicht ist, und du deine ganz normale Ansprache halten sollst, ist das schon ungewohnt“, sagt der Trainer des SC Reichersbeuern. In der Fußball-Bundesliga dringen die Objektive meist nicht bis in die Kabine vor. In Reichersbeuern zuletzt schon: Beim Heimspiel des SCR gegen den SV Sachsenkam (2:3) war ein Sky-Team dabei, um Bildmaterial für das „Spiel des Lebens“ zu sammeln.

Die Aktion des Bezahlsenders steigt am Samstag, 3. September, mit der Partie der Reichersbeurer gegen den SV Wackersberg-Arzbach. Es ist kein A-Klassen-Spiel wie jedes andere, denn Sky produziert es auf Bundesliga-Niveau – mit Live-Kommentator Wolff Fuss, den Experten Christoph Metzelder und Didi Hamann sowie Interviews auf dem Spielfeld. Beim Sachsenkam-Spiel filmte Sky den Platz vom Feuerwehrhaus aus, damit die Experten in der Vorberichterstattung über das SCR-Spielsystem fachsimpeln können. „Die haben mich komplett verkabelt“, berichtet Reiter. Seine Anweisungen werden am 3. September dem deutschen Fernsehpublikum zugänglich gemacht. Sky überträgt live und unverschlüsselt aus der Reichersbeurer Dorfarena.

Während Reiter scherzt, dass er beim „Spiel des Lebens“ in der Coaching-Zone mit der Hand vor dem Mund reden wird – Sky beschäftigt bekanntlich Lippenleser –, ist Alexander Varro derzeit nicht zum Lachen zumute. Der SCR-Mittelfeldspieler gehört zu den Hauptorganisatoren in Reichersbeuern. Der Vorverkauf laufe schleppend, sagt Varro. „Viele meckern, dass sie 15 Euro für ein A-Klassen-Spiel bezahlen müssen.“ Er rechtfertigt den Sitzplatzpreis – ein Stehplatz kostet neun Euro – mit dem „extremen“ finanziellen Aufwand für den Verein. „Die Tribüne ist unheimlich teuer. Uns kostet ein Sitzplatz umgerechnet 13 Euro. Und wir wollen nicht mit einem Spiel den Verein ruinieren.“

Wer darf spielen, wer sitzt auf der Bank?

Hinzu kommen die Ausgaben für die Gastronomie und die Beschallungsanlage. „Die muss so ausgerichtet sein, dass der Stadionsprecher nicht die Kommentare im Fernsehen übertönt“, erklärt Varro. Dass die Vereinskasse am Ende klingelt, ist unwahrscheinlich. Die Organisatoren hatten angenommen, dass Sky selbst für den Großteil der Infrastruktur – und vor allem für die Tribüne – sorgt. Der Sender übernimmt laut Varro – abgesehen vom Technik-Aufwand – keine Kosten, stelle aber Forderungen. So müssen die Reichersbeurer ihre Werbepartner erst mit Sky abstimmen. Varro ärgert besonders, dass die Tickets viel später als geplant in Druck gehen konnten. Sky habe für einen Sponsor noch das Logo ändern müssen. Aus den versprochenen drei Tagen wurden drei Wochen.

Trotz dieser Randerscheinungen ist die Vorfreude in Reichersbeuern riesig. „Der ganze Verein, das ganze Dorf hilft zusammen. Das ist schön“, freut sich Varro. Die Skiabteilung des SCR hat sich bereit erklärt, einzelne Stände aufzubauen, 30 Spieler und Mitglieder verlegten zuletzt einen Boden in der Turnhalle und kleideten die Wände aus – für die „Aftermatchparty“.

Ein Fest wird der Tag für den SV Wackersberg-Arzbach. Daran hat Trainer Klaus Heller keinen Zweifel: „Es ist eine Ehre für uns, der Gegner sein zu dürfen.“ Ein A-Klassen-Spiel vor über 1000 Zuschauern, noch dazu im Fernsehen übertragen: „So etwas wird es nicht mehr geben“. Heller wünscht den Reichersbeurern ein großes Publikum: „Sie sollen für den Aufwand belohnt werden.“

Sein Kollege Reiter freut sich, dass der Bayerische Fußballverband die Arzbacher zum Gegner bestimmt hat. „Wir haben ein gutes Verhältnis.“ Ein ernsthaftes Problem hat Reiter aber: Eigentlich ist er froh um seinen breiten Kader. Doch diesmal muss er entscheiden, wer das größte Event der Vereinsgeschichte auf dem Spielfeld erleben darf, wer auf der Bank bleiben muss und wer gar nicht erst im Kader steht. Das mache ihm zu schaffen, sagt Reiter. Eine klare Linie hat er aber: „Ich stelle auf wie bei jedem anderen Spiel auch.“

Karten

für das „Spiel des Lebens“ am Samstag, 3. September, 15.30 Uhr (Sitzplatz 15, Stehplatz 9 Euro) gibt es in Reichersbeuern in der Sparkasse und der Raiffeisenbank; in den Sparkassen in Gaißach und Lenggries, in Waakirchen in der Raiffeisenbank; in Tölz in der Raiffeisenbank am Isarkai und in der Tourist-Info; in der Brezn-Stubn in Arzbach sowie im Wackersberger „Altwirt“.

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