Husch, ins Körbchen: In diesen Gitterboxen – mit Holzboden und einem Überzug aus Frotteehandtüchern – bringen die Isarwinkler Tierfreunde Streunerkatzen nach München zur Kastration und medizinischen Grundversorgung durch Tierärztin Tina Hölscher.

Isarwinkler Tierfreunde

Kastrations-Aktion: Verein bittet um Hilfe

Reichersbeuern - Tierschutz per Kastration: Der Verein Isarwinkler Tierfreunde möchte diesen Herbst und Winter mindestens 150 Streunerkatzen zum Tierarzt bringen und damit die rasante Vermehrung der Vierbeiner bremsen. Dazu braucht der Vorsitzende Walter Karlhuber nun Unterstützung aus der Bevölkerung.

Die ungebremste Vermehrung von streunenden Katzen zu verringern: Dieses Ziel verfolgen die Isarwinkler Tierfreunde. Dazu weiten sie heuer ein Pilotprojekt aus, das sich im vergangenen Jahr in Wackersberg bewährt hat. Frei lebende Katzen werden dazu eingefangen und zu einer Tierärztin nach München zur Kastration gebracht.

Bei ihrer Aktion, die jetzt im Oktober startete und etwa bis März 2017 dauert, setzen die Isarwinkler Tierfreunde auf die Hilfe der Bevölkerung. Meist gebe es Bauern oder andere Anwohner, die den Katzen ab und zu Futter hinstellen oder ihnen Unterschlupf gewähren, sagt der Vorsitzende Walter Karlhuber. Diese Personen werden nun gebeten, mit dem Tierschutzverein Kontakt aufzunehmen. „Die ,Betreuer‘ kennen die Gepflogenheiten der Tiere am besten, sie wissen, wann und wo sie aufkreuzen“, sagt Karlhuber.

Der Verein stellt dann Lebendfallen zur Verfügung – Eigenkonstruktionen der Isarwinkler Tierfreunde. „Wenn die Katze auf ein Trittbrett steigt, dann fällt ein Plexiglastor herunter“, schildert Karlhuber. Aus der Falle werden die Katzen dann zum Transport in Gitterkörbe mit Holzboden gesetzt. In diesen Behältern bringt Karlhuber die Katzen zur Tierärztin Tina Hölscher nach München. „Sie kastriert die Katzen nicht nur, sondern schaut auch, ob sie Verletzungen oder einen Schnupfen haben“, so der 69-jährige Reichersbeurer. „Grundsätzlich bekommen alle ein Medikament gegen Würmer, und bei älteren Tieren wird der Zahnstein entfernt.“ Es ist also eine medizinische Rundum-Grundversorgung.

Die Vierbeiner muss er bis nach München fahren, weil die dort ansässige Tierärztin mit dem bundesweiten Tierschutzprojekt „Kitty“ des Berliner Vereins „Aktion Tier“ kooperiert, der die Kosten übernimmt. Privat bezahlt, würde eine Kastration laut Karlhuber mit 120 Euro bei Weibchen und 80 bis 100 Euro bei Katern zu Buche schlagen.

Zuletzt hatten bei Karlhuber einzelne besorgte Katzenhalter nachgefragt, wie er Streunerkatzen von Hauskatzen unterscheiden könne. Optisch lasse sich da kaum ein Unterschied feststellen, räumt der Tierschützer ein. Mittels Lesegerät versuche er, sofort festzustellen, ob eine eingefangene Katze gechippt sei. „Dann lasse ich sie natürlich sofort frei.“ Ob ein Tier kastriert sei, das könne die Tierärztin dann allerdings erst vor Ort am betäubten Vierbeiner feststellen. Vergangenes Jahr sei eine von rund 50 eingefangen Tieren eine Hauskatze gewesen, die am Ende aber gesund und wohlbehalten wieder nach Hause kam.

Für sein Projekt hatte Karlhuber im vergangenen Jahr eine Vereinbarung mit der Gemeinde Wackersberg getroffen. Sie übernahm die Fahrtkosten. „Für 20 Katzen aus dem Gemeindegebiet bin ich 1000 Kilometer gefahren. So kamen 330 Euro zusammen.“ Im Sommer stellte Karlhuber sein Projekt auf einer Bürgermeisterdienstbesprechung vor. „Das Feedback war sehr positiv, es kamen keine Einwände.“ Somit geht Karlhuber davon aus, dass alle Landkreis-Gemeinden ihn auf die gleiche Weise unterstützen. Im Einzelfall werde er vorab mit dem jeweiligen Bürgermeister Rücksprache halten.

Heuer hat Karlhuber bereits 20 Streunerkatzen aus Dietramszell, fünf aus Wackersberg und fünf aus Gelting zum Kastrieren gebracht. Für neun Tiere aus Oberfischbach hat er bereits den nächsten Termin bei der Tierärztin vereinbart. Insgesamt möchte er in dieser Saison – also in der Zeit, in der die Katzen in aller Regel keine Jungen zu versorgen haben – „mindestens dreimal so viele“ Tiere versorgen wie vergangenes Jahr.

Außerdem geht es ihm darum, ein Bewusstsein zu schaffen und die oft vorherrschende „Gleichgültigkeit“ aufzubrechen. Es gehe um die Kontrolle der Katzenpopulation. „Streunerkatzen können auf dem Land unter Umständen zwar auch ein ganz schönes Leben haben“, sagt er. „Aber sie werden nie ärztlich versorgt.“ Dementsprechend würden sie viele Krankheiten übertragen – auch an Hauskatzen. Nicht wenigen Kätzchen drohe auch das Schicksal, erschlagen zu werden. Die Lebenserwartung einer Streunerkatze liege bei etwa sieben Jahren – im Gegensatz zu den 18 bis 20 Jahren, die eine Hauskatze erreichen kann.

Kontakt zu Walter Karlhuber unter Telefon 0 80 41/79 98 57 oder 0172/8 50 52 44 sowie per E-Mail an wk@isarwinkler-tierfreunde.de

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