Die Pfarrkirche St. Korbinian: Das morgendliche Gebetsläuten beginnt jetzt um 6 Uhr statt bisher um 5 Uhr. arp
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Die Pfarrkirche St. Korbinian: Das morgendliche Gebetsläuten beginnt jetzt um 6 Uhr statt bisher um 5 Uhr. 

St. Korbinian und St. Nikolaus

„Glocken sind kein Wecker“

Reichersbeuern/Greiling – Die Glocken läuten anders: In Reichersbeuern und Greiling ist eine Diskussion entbrannt.  Das morgendliches Gebetsläuten von St. Korbinian und St. Nikolaus findet später statt.

Nach regen Diskussionen hat nun auch in Reichersbeuern die letzte Stunde geschlagen – für das Gebetsläuten um fünf Uhr. Seit Jahresanfang laden die Glocken der Pfarrkirche St. Korbinian und der Filialkirche in Greiling erst um 6 Uhr zum Morgengebet ein. In den Orten wird kontrovers über die Änderung diskutiert.

„Das Geläut ist kein Wecker“, ruft Pfarrer Ludwig Scheiel in Erinnerung. Die Glocken würden nicht wecken, sondern die Menschen einladen, den Tag mit einem Gebet zu beginnen. „Das ist eine Glaubenssache.“

Nach erneuten und vermehrten Anfragen beschlossen die Kirchengremien nun, das Gebetsläuten auf 6 Uhr einzustellen. „Wir befanden, dass dieser Zeitpunkt identischer ist mit dem modernen Leben als 5 Uhr“, erklärt Scheiel. In den umliegenden Gemeinden sei schon vor Langem umgestellt worden.

Jörg Fuchs ist eindeutig gegen diese Umstellung. Er wohnt seit 1968 im Ort und betete bis vor kurzem immer um 5 Uhr den „Engel des Herrn“. Er ist überzeugt, dass mehrere Dorfbewohner ebenfalls gegen die Umstellung des Gebetsläutens sind. Er hat Scheiel eine Mail geschrieben, deren letzter Satz lautet: „Das 5-Uhr-Läuten gehört zum Dorfleben – und das soll auch so bleiben.“

Die Arbeitszeiten haben sich im Laufe der Jahrzehnte verändert, sagt Birgit Kastl. „Für viele beginnt der Tag um 6 Uhr“, so die Reichersbeurer Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Früher sei das anders gewesen. Auf den landwirtschaftlichen Höfen war oft schon um 5 Uhr Aufstehen angesagt. Sie selbst begrüße die Änderung. „Jetzt beginne ich den neuen Tag mit dem Engel des Herrn während des Gebetsläutens.“ Früher habe sie die Glocken nicht gehört, denn „um 5 Uhr schlafe ich noch“. Auch wenn der entsprechende Pfarrgemeinderatsbeschluss einstimmig ausfiel, so ist sich Kastl bewusst: „Bei Änderungen gibt es immer negative und auch positive Meinungen.“

„Im Dorf wird über die Umstellung geredet“, hat Kirchenpfleger Xaver Ketelhut festgestellt. Auch er begrüßt mit den Mitgliedern der Kirchenverwaltung die Neuerung. Die Mehrheit der arbeitenden Menschen stehe um 6 Uhr auf. Dass man als Christ sein Tagwerk mit einem Gebet beginne, sei etwas in Vergessenheit geraten. „Deshalb haben wir den Glockenschlag der heutigen Zeit angepasst.“

An den weiteren Zeiten des Angelusläutens hat sich in der Pfarrgemeinde nichts geändert. Die Glocken sind mittags um 12 Uhr und abends um 19.45 Uhr zu hören. „Beim Gebetsläuten kann jeder Gott auf seine Weise ehren – entweder durch ein Gebet oder durch Stille“, so Kastl. In den Rathäusern wird das seit Langem gepflegt: Wenn während einer Gemeinderatssitzung in Reichersbeuern oder Greiling das Gebetsläuten einsetzt, wird die Tagesordnung mit einem Schweigen unterbrochen.

Birgit Botzenhart und Alois Ostler

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