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Drastische Strafen für Brandstifterinnen

Schlehdorf - Weil sie das Auto der ehemaligen Nachbarin anzündete, muss eine Kochlerin (31) für 22 Monate ins Gefängnis.

In der Nacht auf den 14. November vorigen Jahres ging in Schlehdorf ein Ford Mondeo in Flammen auf. Nun mussten sich zwei ehemalige Nachbarinnen der geschädigten Familie wegen gemeinschaftlicher Brandstiftung vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen verantworten. Eine Kochlerin (31) muss für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis. Die mitangeklagte, zur Tatzeit 20 Jahre alte Lenggrieserin wurde zu acht Monaten Jugendstrafe auf Bewährung sowie zwei Freizeitarresten verurteilt.

Der „raffinierten, mit hoher Kriminalität durchgeführten Tat“, wie Jugendrichter Urs Wäckerlin den Fall bezeichnete, war ein lange schwelender Nachbarschaftsstreit vorausgegangen. Alle Beteiligten lebten zuvor längere Zeit in Kochel Tür an Tür. Verbale Entgleisungen waren an der Tagesordnung.

Auch als sich eine der Familien in Schlehdorf eine neue Bleibe suchte, fand der Konflikt kein Ende. Die Söhne beharkten sich offenbar in der Schule weiter. Am Tattag sei der Sohn der inzwischen ausgezogenen Familie ihrem eigene Sohn auf dessen gerade operierten Fuß gestiegen. „Das hat das Fass überlaufen lassen. Ich habe den Kopf ausgeschaltet“, erklärte die 31-jährige Angeklagte.

Zunächst habe sie überlegt, die Bremsschläuche am Auto ihrer früheren Nachbarn durchzuschneiden. Davon riet ihr die heute 21-jährige Mitangeklagte ab, weil Menschen zu Schaden kommen könnten. So entschieden sich die beiden Frauen, jede Mutter von zwei Kindern, das Fahrzeug in Brand zu setzen. Dazu deponierte die Ältere Grillanzünder auf Vorder- und Hinterrad an der Fahrerseite des Fords, während die Lenggrieserin Schmiere stand.

Zeugen hatten die Flammen gegen 2.45 Uhr in jener Nacht entdeckt. Laut einem Gutachter des Landeskriminalamts waren zwei weitere Fahrzeuge akut gefährdet. Sogar das Wohnhaus der Familie hätte in Brand geraten können, wenn das Feuer unbemerkt geblieben wäre.

Erst zwei Monate nach der Tat brachte die Heranwachsende auf Drängen ihres Ehemanns den Mut auf, zur Polizei zu gehen. Das wirkte sich für die 21-Jährige strafmildernd aus. Sie kam mit Bewährung und zwei Wochenenden „Warnschussarrest“ davon.

Bei der 31-Jährigen sah das Schöffengericht keinen Grund für Milde. Richter Wäckerlin richtete in seiner Urteilsbegründung den Blick vor allem auf die Situation der geschädigten Familie. „Das kommt häufig nur unzureichend zur Sprache“, so der Richter. Die Familie habe bis zur Ergreifung der Täterinnen in ständiger Angst gelebt. Frau und Kinder mussten sich in psychologische Behandlung begeben. Was das Gericht besonders erzürnte, war die Tatsache, dass keine der Angeklagten irgendwelche Anstalten gemacht hatte, den materiellen Schaden von rund 15 000 Euro zu ersetzen. „Wir haben nicht den Hauch einer Wiedergutmachung gesehen“, so Wäckerlin. „Da war nichts, gar nichts.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rudi Stallein

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