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Sechs Oberbayern: Florian, Andreas, Benedikt (Papa Loidl), Johannes und Benedikt (Opa) Loidl (v. l.) mit Hans Waldherr (Max-Opa), dem Papa von Christine Loidl. Das ist die Mama der drei Buben. Sie der Dreh- und Angelpunkt der Familie, bei unserem Treffen blieb sie im Hintergrund – schließlich ging es um ihre Männer.

Besuch bei Familie in Gaissach

Vatertag: Wie es ist, Opa, Papa und Sohn zu sein

Gaissach - Zum Vatertag waren wir zu Besuch bei einer Familie in Gaissach. Dort wollten wir von drei Generationen wissen - wie ist es, Vater, Großvater und Sohn zu sein? Jetzt reden die Mannsbilder.

In Taxern bei Gaißach ist die Welt noch ziemlich in Ordnung: Hier, ein Stück südlich von Bad Tölz, lebt die Familie Loidl in drei Generationen auf einem Bauernhof. Am Donnerstag werden sie Vatertag feiern. Aber vorher haben uns die Mannsbilder erzählt, wie das eigentlich ist, Papa, Sohn oder Opa zu sein. 

Teilnehmer des Männergesprächs: 

Opa Loidl, 58, 

Max-Opa, 61, 

Papa Loidl, 31, 

Andreas, 8.

Andreas, magst Du mal Papa werden?

Andreas: Ja. Vier Kinder mag ich mal haben. Denen kann ich schön beim Streiten zuschauen.

Opa Loidl: Bleib’ bei drei.

Max-Opa: Das brauchst Du noch nicht wissen, das siehst noch früh genug.

Was muss ein Papa denn gut können?

Andreas: Arbeiten.

Papa Loidl: Auf die Kinder aufpassen. Damit darf er nicht gleich überfordert sein.

Max-Opa: In der Generation vor mir war es noch so: Der Mann ist der Chef im Haus, und die Frau muss spuren. In meiner Ehe ist das anders: Meine Frau hat die Hosen an und kommandiert mich. Ich bin kurz davor, mir einen Rock zu kaufen.

Übernimmt der Papa typische Mama-Aufgaben?

Papa Loidl: Bei den Kindern mache ich eigentlich alles, was anfällt. Bloß das mit dem Kochen, das machen wir nicht mehr. Das hat den anderen nicht geschmeckt.

Andreas: Stimmt. Der Papa kann nicht kochen.

Haben sich früher auch schon die Papas um die Kinder gekümmert?

Dass die Papas sich um die Kinder kümmern – war das früher auch schon so?

Opa Loidl: Freilich, das haben wir genauso gemacht.

Max-Opa: Also ich nicht!

Opa Loidl: Doch, doch. Im Gegenteil: Wenn es schlimmer geworden ist, hab meistens ich mich gekümmert. Wenn der Benedikt krank war, zum Beispiel.

Ist das Vatersein heute anders?

Papa Loidl: Der Vater wird bei der Erziehung der Kinder viel stärker eingebunden.

Opa Loidl: Freilich. Die Dinge ändern sich. Man muss mit der Zeit mitgehen.

Ihr Sohn ist gerade in Elternzeit: Hätten Sie das als junger Papa gemacht?

Opa Loidl: Ja, wahrscheinlich schon.

Max-Opa: Es besteht halt die Gefahr, dass man viel Zeit für die Familie hat...(lacht).

Und wie fühlt sich die Elternzeit an?

Papa Loidl: Schon schön. Wenn Du Vollzeit in die Arbeit gehst, dann hast Du wenig von den Kindern. Gerade wenn ich auf eine Baustelle weiter weg fahren muss und früh aus dem Haus geh, dann schlafen sie ja meistens noch. Und im Winter kommst Du heim, wenn es dunkel ist, dann bleibt nicht mehr viel.

Und wie findet es der Sohn, dass sich der Papa Elternzeit genommen hat?

Andreas, wie findest Du das, dass der Papa zur Zeit immer daheim ist?

Andreas: Schöner als sonst. Beim Papa darf man mehr, Playstation spielen zum Beispiel. Sonst mach ich mit dem Papa in der Früh was aus, was ich machen darf – und die Mama sagt dann: Nein!

Gibt es Dinge, die Du auf keinen Fall machst, wenn der Papa daheim ist?

Andreas: Ja, da gibt es Sachen.

Papa Loidl: Was wäre dann das?

Andreas: Also, das kann ich Dir nicht sagen.

Wenn Sie früher als Jugendlicher einen Rausch gehabt haben, sind Sie dem Papa aus dem Weg gegangen?

Papa Loidl: Das war das Wenigste.

Wann gab es das erste Bier?

Papa Loidl: Den ersten Schluck Radler habe ich mit sieben probieren dürfen. Das erste Bier, schätze ich, habe ich mit 12 oder 13 getrunken.

Opa Loidl: Hmmm...

Papa Loidl: Du bist ja aufgezogen worden damit, glaub ich...

Opa Loidl: Ich schätze mal 12, 13. Nach dem Fußballspielen haben wir mal ein Bier trinken dürfen. Mein Hauptgetränk ist der Kaffee.

Max-Opa: Ich hab lange gar kein Bier getrunken.

Ja ja.

Max-Opa: Doch! Ich bin früher in meiner Freizeit viel mit dem Motorrad unterwegs gewesen, da habe ich gar keine Zeit fürs Bier gehabt.

Herr Loidl, Sie wohnen mit Ihrem Sohn auf einem Hof, arbeiten auch zusammen. So war das auch schon mit Ihrem Vater. Wie haben Sie sich verstanden?

Opa Loidl: Das Verhältnis war zurückhaltender. Der heiße Draht war nicht da, er ist eher seiner Wege gegangen. Wir haben schon auch mal eine Gaudi gehabt miteinander, aber eher selten.

Apropos Gaudi: Was machen die drei Generationen denn gerne zusammen? Seid Ihr im selben Trachtenverein?

Opa Loidl: Wir haben in Gaißach keinen Trachtenverein, weil wir nicht genügend schöne Leute zusammenkriegen. (Alle lachen, natürlich.)

Verstehe. Und wie wird der Vatertag gefeiert? Bleiben die Männer unter sich?

Papa Loidl: Wie jedes Jahr gibt es ein gemeinsames Frühstück mit Wiener und Weißwürscht. Vatertagsfrühstück. Die Mama flüchtet dann später mit den Kindern und wir bleiben alle hocken.

Sie leben Seite an Seite mit Ihren Eltern – stand das für Sie schon immer fest?

Papa Loidl: Ja. Es war für mich als Bub schon klar, dass ich den Hof übernehmen will.

Andreas: Ich bleib auch da.

Was ist so schön an Eurem Zuhause?

Andreas: Wir haben viel Platz zum Radlfahren. Ich bau gleich nebendran ein Haus. Und mit den beiden (zeigt auf seine kleinen Brüder) grab ich ein großes Loch, das betonieren wir – dann haben wir im Sommer ein Schwimmbad.

Opa Loidl: Ich bin auch hier aufgewachsen. Ein hundertprozentiger Gaißacher, sogar daheim geboren. Wir leben im Paradies. Die Landschaft, die Ruhe. Und trotzdem sind wir nah an der Straße. Und mit den Nachbarn passt es auch.

Was war aufregender: Opa oder Papa werden?

Opa Loidl: Vater werden ist sehr aufregend, vor allem beim ersten Mal. Bei den Enkeln kennt man das dann schon. Aber einen kleinen Schlag kriegt man, wenn man vom Papa plötzlich zum Opa wird.

Andreas, wie muss Deine Frau mal sein? So wie die Mama?

Andreas: Nein. Eine, die nicht so oft schimpft.

Max-Opa: Eine stumme, hm?

Opa Loidl: Zu Unrecht wirst Du selten geschimpft.

Andreas: Doch! Der Peter hat nach mir Geburtstag und darf fernsehen, wann er mag.

Wie hat Dein Papa Deine Mama kennengelernt?

Andreas: Im Keller. Max-Opa: Das interessiert mich jetzt auch! Die haben mir das lange verschwiegen, zwei oder drei Jahre lang, weil sie gedacht haben, ich hätte was dagegen. Papa Loidl: Bei meiner Frau daheim, ich habe sie mit einem Freund besucht. Das erste Mal haben wir uns gesehen, da war ich 15 und sie 13. Die Eltern haben wir da nicht mehr groß gefragt.

Max-Opa: Das wenn ich gewusst hätte, da hätte ich die Bremse reingehaut.

Wie hat man früher Frauen kennengelernt?

Opa Loidl: Nach der Arbeit, wenn man in die Wirtschaft gegangen ist, zum Jägerwirt. Oder in der Disko, im Mühlfeldkeller in Tölz, oder in der Schaukelbar.

Max-Opa: Ich habe bloß eine kennengelernt, da war ich 23. Alle meine Spezln waren schon verheiratet. Ich dachte mir, wenn ich jetzt nicht Gas geb’, dann ist alles zu spät. Ich habe meine erste Liebe geheiratet.

So war es bei Ihrer Tochter ja wohl auch.

Max-Opa: Das weiß ich jetzt nicht. Aber: Wenn ich mitkriegen würde, dass bei denen die Spinnerei mit einem anderen Mann los geht, kriegt meine Tochter keine Rückendeckung. Das würde ich nicht tolerieren.

Ist es nicht vorbei mit der strengen Vaterrolle, wenn man Opa wird?

Max-Opa: Ich würde auf jeden Fall versuchen, Einfluss zu nehmen. Ob es was hilft – das ist die andere Frage.

Bilder: So kommt das Ei von der Henne in die Schachtel

Hört man noch auf seinen Vater, wenn man selber drei Kinder hat?

Andreas: Nein. (Alle lachen.)

Papa Loidl: Ein bisserl schon.

Was haben Sie von Ihrem Vater gelernt?

Max-Opa: Gradraus sein. Den Rest kann ich in der Zeitung nicht sagen.

Opa Loidl: Ich hab vor allem das Aussehen mitbekommen.

Papa Loidl: Das Arbeiten. Den Humor. Und auch eine Weltanschauung, aber am Ende hat jeder seine eigene Meinung.

Andreas: Das Bauen. Kerzenständer zum Beispiel.

Und was schenkst Du dem Papa zum Vatertag?

Andreas: Das ist geheim.

Na gut.

Andreas: Darf ich meine Lederhose jetzt wieder ausziehen? Mir langt’s.

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