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Imker aus Leidenschaft: Georg Kellner aus Wackersberg

Serie Mahlzeit  (5)

Flüssiges Gold: So wird in Wackersberg Honig gemacht

Bad Tölz - Der Tölzer Kurier setzt sich in seiner Serie „Mahlzeit!“ mit dem Thema Ernährung auseinander und fragt: Wo kommen unsere Lebensmittel her? Wie werden sie produziert? Was wird aus den regionalen Rohstoffen? Georg Kellner ist Imker aus Leidenschaft. Er erklärt, warum Bienen viel mehr als Honig herstellen.

Georg Kellner schleudert gerade den letzten Honig des Jahres. Mit den frisch verschraubten Gläsern hat er eigentlich, was er will – sollte man meinen. Doch jetzt beginnt erst der wichtigste Teil seiner Arbeit als Imker: Er macht seine Bienenvölker winterfest. Das heißt, er gibt bis Ende August so viel Zuckerwasser in die Holzkästen, dass die Winterbienen bis März überleben. „Der Start fürs Bienenjahr wird jetzt gelegt“, sagt Kellner. „Je besser die Bienen ins Frühjahr starten, desto mehr haben wir davon.“

Damit hat Kellner auch schon das ganze Geheimnis verraten: Ein Imker muss alles tun, um seine Bienen gut übers Jahr zu bringen. Die Honigernte an sich ist gar nicht so schwer. Kellner zieht aus den Bienenstöcken die Holzrahmen, auf die die Bienen ihre Waben gebaut haben. In ihnen haben sie den Honig verstaut und mit Wachsdeckeln verschlossen. „Und der gemeine Imker nimmt ihnen den Honig weg und gibt ihnen Zuckerwasser“, sagt Kellner. So gemein ist es aber eigentlich gar nicht: Der dunkle Tannenhonig zum Beispiel belaste den Darm der Bienen.

40.000 Flüge für ein Glas Honig

Der Wackersberger betreut den Lehrbienenstand an der Quellenstraße als Vorsitzender des Imkervereins Bad Tölz. 22 Bienenvölker fliegen hier ein und aus. Um den Honig aus den Waben zu gewinnen, stellt er den Holzrahmen zunächst auf eine Schale aus Metall. Dort hat er einen feinen Kamm, mit dem er das Wachs abkratzt. Darunter kommt der gold-glänzende Honig zum Vorschein.

Den schleudert Kellner aus den Waben. Er platziert vier Holzrahmen in ein Gittergestell, das in eine Art Metalleimer eingebaut ist. Mit geschlossenem Deckel kurbelt der Imker kräftig. Es klingt wie Regen, der auf ein Dachfenster prasselt, wenn der Honig an das Metall schlägt. Von dort fließt die zähe Masse unten aus dem Eimer, durch zwei Siebe in einen anderen Eimer und wird so gereinigt. Dann kann er schon gegessen werden.

Bei dem Wackersberger gibt es kein Frühstück ohne Honig. „Das gehört für mich dazu.“ Dabei war das mit den Bienen und ihm keine Liebe auf den ersten Blick. Kellners Vater war Hobbyimker. Irgendwann hat er zu seinem Sohn gesagt: „Da stehen sie, mach was du willst.“ Und Kellner wollte eigentlich nicht. Er war beruflich viel unterwegs. Zwei Wochen später hat er sich dann doch vor den Bienenstock gesetzt und war fasziniert.

„Es ist enorm, wie die Bienen harmonieren, und welche Leistung so ein Volk bringen kann“, sagt er. Am wichtigsten im Bienenstaat ist die Königin. Nur sie kann Eier legen. Sie entwickelt sich, wenn die anderen Bienen die Larve in der Wabe mit speziellem Futter, dem sogenannten Gelee Royale, aufziehen. „Eine Königin kann bis zu 2000 Eier am Tag legen. Das ist mehr als sie selbst wiegt“, sagt Kellner. Im Winter besteht ein Bienenvolk aus 5000 bis 8000 Bienen. Im Sommer ist es das Zehnfache.

Jedes Ei entwickelt sich in einer Wabe. „Die Arbeitsbiene beißt schließlich den Deckel auf.“ Wenn sie frisch geschlüpft ist, übernimmt sie Putzaufgaben. „Dazu hat sie einen Rüssel.“ Später ist sie für die Brutwärme verantwortlich. „Die Bienen halten den Stock durch das Schlagen ihrer Flügel warm.“ Danach darf die Arbeitsbiene ältere Larven füttern, später auch jüngere. „Die sind empfindlicher.“ Nun folgt in ihrer Karriere die Wachsproduktion. Die Arbeitsbiene kann Wachsplättchen quasi ausschwitzen. Diese kaut sie, um Waben herzustellen. „Dann muss sie Futter umtragen“, erklärt Kellner. Es wird ihr von anderen Bienen gebracht und sie lagert den Nektar dann in den Zellen ein. „Gleichzeitig reduziert sie den relativ hohen Wassergehalt mit ihren Flügeln.“

Später steigt sie zur Fluglochwache auf. Jedes Bienenvolk hat einen Geruch. Eine fremde Biene oder Insekten, die Honig stehlen wollen, werden von der Fluglochwache abgewehrt. „Die Wespe ist stärker als eine Biene, aber da helfen alle zusammen“, sagt Kellner. „Eine Hornisse knollen sie ein, damit sie von der Wärme kaputt geht.“

Danach hat die Biene es geschafft: Sie darf ausfliegen und den Rest ihres Lebens Blütenpollen sammeln. Für ein Glas Honig müssen die Sammlerinnen rund 40.000 mal ausfliegen. Dabei übernehmen sie neben der Futtersuche für das Bienenvolk auch eine sehr wichtige Aufgabe in der Natur. Sie besuchen für ein Glas Honig nämlich zwei bis sieben Millionen Blüten. „Sie bestäuben die Pflanzen, sonst gäbe es keine Früchte“, sagt Kellner. Wie wichtig Bienen sind, hat sich heuer gezeigt. Es gab sehr wenig Obst. „Das Wetter war so schlecht, dass die Bienen die Tracht der Pflanzen nicht nutzen konnten.“

Das merken auch immer mehr Hobbygärtner, die inzwischen häufig ein Bienenvolk im Garten halten. „Lange Zeit hatte der Tölzer Imkerverein nur 70 Mitglieder“, sagt Kellner. Mittlerweile ist er auf 170 Mitglieder angewachsen. „Das Interesse ist riesengroß.“ Außerdem legen immer mehr Menschen Blumenwiesen an, damit die Bienen Nahrung finden.

Großes Interesse an der Imkerei

Dass das Interesse an der Imkerei so groß ist, ist gut für die Bienen. Ohne Imker könnten sie nämlich inzwischen nur schwer mehrere Jahre überleben. Die Varroamilbe macht den Bienen das Leben schwer. Am Boden des Bienenstocks zeigt Kellner über 300 kleine Punkte. „Die Milbe setzt sich auf die Larve drauf, kurz bevor die Wabe zugemacht wird“, erklärt er.

Das versucht der Imker zu verhindern, indem er den Boden sauber hält und die Milben mit Säure bekämpft. „Das Luder nutzt die Larve aus und knabbert die Biene an. Das ist, als wären 20 Blutegel am Tag auf einem Menschen.“ Die Folge: Die Biene lebt nicht lange oder hat verkrüppelte Flügel. „So geht das Volk kaputt.“ Die Varroamilbe haben die Imker inzwischen recht gut im Griff. Allerdings kündigt sich schon das nächste Problem an: „Der amerikanische Beutekäfer ist schon in Italien, wenn der auch noch kommt, bin ich überzeugt, dass viele Imker aufhören.“

Einfach köstlich: So wird Honig gemacht

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