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Aug' in Aug': Marcus Lechner mit seiner Habichtdame Leni. Der Jäger setzt den Greifvogel zur Bejagung von Rabenkrähen ein.

"Lautlose Luftwaffe"

Mit dem Habicht auf der Jagd nach Rabenkrähen 

Wackersberg - Mit einer ganz besonderen Methode geht der Arzbacher Jäger Marcus Lechner seit Kurzem gegen Rabenkrähen vor. Der Name seiner „Luftwaffe“: Habicht Leni.

Leni ist ganz still. Der Habicht sitzt ohne große Regung auf dem Arm von Marcus Lechner auf dem Beifahrersitz des Geländewagens. Nur einmal dreht er seinen Kopf, als er auf einem Feld eine schwarze Katze entdeckt. „Leni hat einen Sensor für alles, was schwarz ist“, sagt Lechner. Auf einer Wiese entdeckt der Jäger zwei Krähen. Seine Frau Andrea biegt auf einen Feldweg ab, beschleunigt. Dann öffnet Marcus Lechner das Fenster, ruft „frei“ und lässt Leni losfliegen. Die Habichtdame stürzt sich auf die Krähen, aber die schwarzen Vögel sind bereits aufgeflogen. „Das war nichts“, sagt Lechner. „Auf dem Kiesweg war das Auto zu laut, die Krähen sind schon aufgeflogen, bevor Leni aus dem Fenster rausgekommen ist.“ Laut schimpfend kreisen die Krähen über dem Auto wie Lechner sagt. Leni ist kurz in einem Baum zwischengelandet, kehrt aber sofort zu Marcus Lechner zurück. „Sie weiß: Das ist der Arm, das ist das Auto, das sie zur Beute bringt“, erklärt er. „Das Bindeglied zwischen Falkner und Vogel ist der Hunger.“ Daher darf das Tier nicht satt sein, wenn es auf die Jagd geht. „Wenn der Habicht einen vollen Kropf hat, braucht er zwei Tage lang nichts mehr. Er fliegt nicht aus Jux und Tollerei. Nur zum Jagen und Fortpflanzen.“

Weiter geht es mit dem Auto in Richtung Wackersberg-Höfen. Die Jagd erfolgt aus dem Auto, dem „modernen Pferd“, wie Lechner sagt, weil so der Habicht eine gewisse Grundgeschwindigkeit erhält. Erneut entdeckt der Jäger zwei Krähen in einem Feld. Sie sind mit Fressen beschäftigt und nehmen den Jeep auf der Asphaltstraße nicht zur Kenntnis. Andrea Lechner beschleunigt das Auto auf etwa 50 Stundenkilometer, dann stürzt sich Leni aus dem offenen Fenster. Binnen Sekunden hat sie sich eine der Krähen geschnappt und sie zu Boden gerungen. Gezielt trifft sie mit ihren Krallen eine Hauptschlagader, und sofort ist die Rabenkrähe tot. Leni beginnt, ihr die Federn auszurupfen.

„Die Bauern sind dankbar, dass wir die Krähen bejagen“, sagt Lechner. Denn die Vögel würden beispielsweise die Siloplanen zerstören. Früher ging Lechner mit dem Gewehr auf Krähen-Jagd. Aber die Methode mit Leni, dem Habicht, sei besser. „Sie ist lautlos und hier zwischen den Häusern möglich.“ Leni ist laut Marcus Lechner der einzige Beizvogel im Landkreis. Das heißt, der einzige Greifvogel, der gezielt für die Jagd eingesetzt wird. Demnächst könnte sich Lechners Jagdgebiet bis in die Jachenau hinein erweitern.

Leni ist derweil mit Fressen beschäftigt. 200 Gramm Fleisch verdrückt die Habichtdame bei so einer Mahlzeit. Für den sechs Monate alten Jungvogel war es bereits der 26. Fang – bei ihrem ersten Jagderfolg erhielt sie auch ihren Namen. So will es die Tradition.

Bislang hat Lechner durchwegs positive Reaktionen auf seine ungewöhnliche Jagdmethode erhalten. „Die meisten Leute sind neugierig, weil sie das noch nicht gesehen haben.“ Er hofft auf das Verständnis der Bevölkerung für die „natürliche Jagd“.

Marcus Lechner war bereits Jagdschein-Inhaber, als er sich vergangenes Jahr dazu entschloss, den Falknerschein zu machen. Dabei lernte er mit dem Vogel umzugehen. „Von meinen Lehrprinzen Albert Hart, Wolfgang Schreyer und Mike Kraus habe ich sehr viel mitbekommen.“ Auch jetzt, wenn er noch Fragen zur Haltung von Leni habe, könne er sie jederzeit anrufen. Beispielsweise sei es sehr wichtig, das Gewicht des Vogels täglich zu kontrollieren. Dazu kommt die Krallenpflege und Gefiederkontrolle, um Parasiten rechtzeitig zu entdecken.

Als Leni zu den Lechners kam, verbrachte Marcus Lechner drei Nächte neben ihr auf dem Feldbett. So gewöhnte sich das Tier, das zur finnischen Gattung der Habichte gehört, an den Falkner. „Sie gehört zur Familie“, sagt Andrea Lechner und ihr Mann ergänzt: „Leni sucht mich. Sie weiß genau, wo ich bin.“

Das ist zu spüren, wenn Marcus Lechner Leni ansieht. Auch wenn er deutlich macht: „So ein Habicht ist kein Kuscheltier, das ist eine Waffe.“ Aber dennoch sei es ein „erhabenes Gefühl“, wenn der Vogel auf dem Arm sitzt. „Die Falknerei fasziniert mich.“

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