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Das Marterl am Walchenseeufer erinnert an den Bergunfall, bei dem vor 50 Jahren zwei Frauen starben. Foto: rbe

Bergunfall vor 50 Jahren

Das Dresselgraben-Drama

Walchensee - Zwei Frauen sind bei einem dramatischen Bergunfall vor 50 Jahren ums Leben gekommen. Sie stürzten beim Abstieg vom Jochberg in den Tod. Ein Marterl erinnert an Edeltraud Hagenberger und Luise Braun.

Die Legende sagt, dass im Walchensee ein Ungeheuer haust. Der tiefgründig dunkle Gebirgssee ist gefährlich und von unzähligen Marterln umstellt. Viele Einheimische und Sommergäste, die seine Gefahren unterschätzt haben, hat sich der tückische See schon geholt – fast jedes Jahr, einmal gleich drei Schulschwestern auf einmal. Deren Gedenktafel steht am schmalen Fahrweg von Urfeld nach Sachenbach.

Aber auch an den steilen Abhängen der umliegenden Berge lauern Gefahren. Unweit des Marterls für die drei unglücklichen Ordensfrauen erinnert ein Gedenkstein an das wahrhaft schaurige Drama von zwei Frauen aus München, die am Mittwoch, 26. Oktober 1966, im sogenannten Desselgraben verunglückt sind. Der Desselbach fließt von der Jocheralm in südwestlicher Richtung zum Walchensee hinab – anfangs noch recht gutartig, dann immer steiler durch eine wilde Klamm.

Die 65-jährige Edeltraud Hagenberger und die 61-jährige Luise Braun waren von einer Wanderung nicht heimgekehrt, Angehörige vermuteten sie am Herzogstand. Erst konzentrierte sich die Suche dort, dann auch am Jochberg und am Kampen bei Lenggries. Am 31. Oktober informierte der Tölzer Kurier darüber, dass von den beiden Frauen trotz intensiver Suche jede Spur fehle: „Der Witterungssturz macht weitere Suchaktionen aussichtslos.“

Anton Geiger sen. (88) war damals Chef der Bergwacht Kochel. Er erinnert sich gut an das Drama: „Das war mit die größte Suchaktion während meiner 35 Jahre als Bereitschaftsleiter.“ Nach der Schneeschmelze suchte man im Frühjahr weiter, am 8. Juli gab es nochmals eine riesengroße Aktion: alles vergeblich! Doch dann führte der Spürsinn des Tölzer Polizeiwachtmeisters und Bergwachtlers Fritz Wurmb zum Erfolg: Am 14. Juli erkundete er mit seinem ausgebildeten Schäferhund den Desselgraben und stieß eine Dreiviertelstunde oberhalb des Seeufers auf die stark verwesten Leichen.

Alles Weitere war Sache von Kripo und Bergwacht. „Die Totenbergung war für unsere Männer ein extrem belastender Einsatz“, erinnert sich Anton Geiger. Eine Rekonstruktion des Dramas ergab folgenden Ablauf: Beim Abstieg vom Jochberg über die Südflanke nach Sachenbach hatte starker Schneefall eingesetzt. Die beiden Frauen gerieten dadurch vom Wanderweg ab und folgten dem Bachlauf. Weiter unten bei den steilen Abbrüchen sind sie dann in eine aussichtslose Lage geraten, ausgerutscht und in den Tod gestürzt.

Der 26. Oktober 1966 war in doppelter Hinsicht ein „Schwarzer Mittwoch“ für den Landkreis: Am gleichen Tag verunglückte Landrat Anton Wiedemann bei einer Dienstfahrt auf der Bundesstraße 11 unweit der Pessenbacher Höhe. Erst hieß es, seine Verletzungen seien nicht lebensgefährlich, doch dann verschlechterte sich der Gesundheitszustand des 74-Jährigen zusehends. Wiedemann starb eine Woche nach dem Unfall.

Rainer Bannier

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