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In der Arsenal-Kabine: Matze Atzenhofer, mit einem Audioguide um den Hals, besichtigt das Emirates Stadium. Er zeigt auf die Trikots der Stars.

22-jähriger Weichser besucht Emirates Stadium in London

Der Traum des fußballbegeisterten Matze

Weichs - Für Mattias Atzenhofer hat sich ein Traum erfüllt: Der 22-jährige Weichser, der seit seiner Kindheit an Muskelschwund leidet und im Rollstuhl sitzt, besichtigte das Emirates Stadium von Arsenal London. Die Gemeinderäte spendierten einen Zuschuss zur Reise.

 „Fußball ist unser Leben“, heißt ein WM-Lied der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, das die Spieler im Vorfeld der WM 1974 gesungen haben. Fußball ist auch sein Leben, wenigstens ein Großteil davon – das kann man sicher über Mattias Atzenhofer aus Weichs sagen. Und das, obwohl der mittlerweile 22-Jährige seit Kindheit an schleichendem Muskelschwund leidet. Er ist seit seinem neunten Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen.

 Der Computerfreak ist bei der Pfennigparade in Unterschleißheim beschäftigt, wo er am PC arbeitet. Zuhause sitzt der junge Weichser auch gerne vor dem Bildschirm. Oft spielt er Fußball mit der Playstation oder schaut sich Spiele auf Sky an. Bei den Vereinen gehört in Deutschland seine Liebe dem FC Bayern, er war schon öfters bei Spielen in der Allianz Arena. International ist er seit längerem ein großer Fan der Premier League – und speziell von Arsenal London. Die Trikotfarben seiner beiden Herzensclubs sind sogar gleich: Rot. 

Matze, wie er gerufen wird, findet besonders die Geschichte der „Gunners“ (Kanoniere) interessant, die sich von einem Team aus Werksangehörigen zu einem der erfolgreichsten Clubs in England und auch Europa entwickelt haben. Sein Interesse an Arsenal ist auch deshalb so groß, weil dort in letzter Zeit immer wieder deutsche Kicker zum Team gehörten oder gehören: Lukas Podolski, Per Mertesacker, Mesut Özil. Wenn immer es geht, schaut er sich die Spiele im Fernsehen an. Ihn fasziniert insbesondere das Stadion, das er bisher leider nur von Bildern und kannte. 

Dies hat sich nun geändert. Seine Eltern Christian und Geli Atzenhofer erfüllten ihrem Sohn einen Herzenswunsch: einmal das Emirates Stadium des FC Arsenal in echt zu sehen. Nach seiner Rückkehr schwärmt Matze Atzenhofer mit leuchtenden Augen. Er erzählt von seinen unvergessenen Eindrücken, die der etwa 60 000 Zuschauer fassende Fußballtempel, der mitten in einem Wohngebiet steht, bei ihm hinterlassen hat. 

Während der Stadionbesichtigungstour saß er auf der Trainerbank – dort, wo sonst Arsene Wenger seinen Platz hat – in einer großen Lounge, durfte in die Kabine und dort die Trikots der Stars bestaunen und durch den langen Tunnel, aus dem die Spieler auf den Platz kommen, im Rollstuhl fahren. Der Reha-Bereich war für ihn ebenso geöffnet wie das Pressezentrum. Besonders staunte er darüber, wie nah die Zuschauer am Spielfeldrand sitzen können, und über ein großes Banner im weiten Areal mit der Aufschrift „Mia san Arsenal“: Offenbar gibt es mehr Bayern, die den Londoner Fußballclub verehren. 

Die Atzenhofers sind begeistert, welche Hilfsbereitschaft in England behinderten Personen entgegengebracht wird. Überall wurde Hilfe angeboten. Aber sie haben auch Unterstützung vom Weichser Gemeinderat erfahren: Denn die Londonreise war nicht billig, und so waren die Atzenhofers froh, einen kleinen Zuschuss erhalten zu haben. Das Ratsgremium verzichtete auf das Geld der Weihnachtssitzung und spendierte die dafür für die Kommune gesparten 560 Euro für Matzes „Fußballreise“. Sie zeigten ein großes Herz für einen jungen behinderten Gemeindebürger – mit einem großen Fußballerherz. 

Matzes Krankheit kann der Fußball zwar nicht heilen, aber Freude schenkt er ihm viel. Der 22-Jährige ist glücklich, dass er im Arsenal-Stadion sein durfte, auch wenn es nur zur Besichtigung war. Denn ausgerechnet an dem Wochenende, an dem er mit mit seiner Mutter und seinem beruflich stark eingespannten Vater nach London reiste, fand kein Spiel statt. Was würde er erst empfinden, wenn er einmal live bei einem Spiel dabei sein könnte.

Heinz Nefzger

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