Patrozinium und Dorffest an Maria Himmelfahrt

Zwei große Feste für einen kleinen Ort

Oberzeitlbach - Maria Himmelfahrt ist für die Zeitlbacher ein Feiertag im wahrsten Sinne des Wortes. Gleich zwei Feste finden an diesem Tag dort statt.

Der kommende Montag, 15. August, ist nicht nur ein willkommener Feiertag, sondern für die Zeitlbacher tatsächlich ein großer Festtag. Sie feiern das Patrozinium ihrer Filialkirche mit einem Festgottesdienst, der um 10 Uhr beginnt und feierlich gestaltet wird. Anschließend lädt wie alle Jahre der Schützenverein „Gemütlichkeit Oberzeitlbach“ zum traditionellen Dorffest ab 11 Uhr beim „Fischer“ ein, denn die Familie Keller stellt auch diesmal wieder ihren Hofraum zum Feiern zur Verfügung. Vom gemeinsamen Mittagessen, über Kaffee und Kuchen und natürlich der beliebten Hüpfburg für die Kinder ist für alles bestens gesorgt.

Dass die Filialgemeinde Oberzeitlbach mit den dazugehörigen Orten Oberndorf, Radenzhofen, Plixenried, Röckersberg und Übelmanna einen großen Stellenwert in der Geschichte der Pfarrei Altomünster einnimmt, das sprach Prof. Dr. Wilhelm Liebhart sehr deutlich in einer Führung bei der Vhs aus. Eines hob er gleich zu Beginn seiner Ausführungen vor den vielen interessierten Bürgern hervor, nämlich dass Oberzeitlbach sicherlich einmal eine eigenständige Pfarrei war und dass der Ort, urkundlich zum ersten Mal 772 genannt, zu den ältesten im ehemaligen Landkreis Aichach gehörte. Deshalb ist Liebhart auch überzeugt, dass Oberzeitlbach älter als Altomünster ist, das damals sicherlich auch schon bestanden hat, aber keine Urkunde dies belegt. Unterzeitlbach betreffe dies nicht, denn dort hatte es auch keine Kirche gegeben.

„Allerdings muss da im frühen Mittelalter was passiert sein“, räumte Liebhart ein, weshalb Oberzeitlbach dann doch Altomünster zugeschlagen wurde. Fest stehe, dass der Bischof von Freising und Salzburg 772 die Schenkungsurkunde von Herzog Tassilo und seiner Frau unterschrieben hat, aber es darauf keinerlei Hinweise auf Altomünster gebe. Kirchenaufzeichnungen selbst sind erst seit 1315 belegt.

Und auf noch eins wies Prof. Wilhelm Liebhart bei seinen Ausführungen hin: Dass eine Filialkirche nie so prunkvoll ausgestattet war, wie die Hauptkirche. Und dennoch hängen beide zusammen, wie er an den Silbertafeln am Seitenaltar erklärte. Hier sind deutlich die heilige Birgitta und ihre Tochter Katharina mit dem Rehbock zu sehen. „Solche Dinge sind bei der Renovierung der Hauptkirche gerne in die Filialen gewandert“, behauptete er, denn sonst gebe es keine Hinweise auf einen Zusammenhang. Und auch die Berührungsreliquie vom Tisch der heiligen Birgitta aus Rom dürfte so in das kleine Gotteshaus gekommen sein.

Ganz kurz ging der Altomünsterer Historiker auch auf den Baustil ein, der wohl zunächst gotisch war, wie der Chor als ältester Teil der Kirche um 1550 datiert wird. 200 Jahre später ist hier das Rokoko eingezogen. Das Langhaus wurde nach dem Weltkrieg noch verlängert und den Bedürfnissen angepasst. Selbst der Kirchturm wandelte sich von der Zwiebelhaube zum heutigen Spitzturm.

Keinen Halt macht eine Veränderung auch vor dem Namen, denn aus der ehemals „Unsre liebe Frau vom Zeitlbach“ wurde die Kirche später „Maria Himmelfahrt“ genannt, wie das Altarbild zeigt. „Jede Kirche hat so ihre Überraschungen“, musste Liebhart auch in Oberzeitlbach feststellen, denn er fand keinen Bezug zum heiligen Bernhard und der Mechthild, deren Figuren jedoch vorhanden sind, ebenso wie das Abbild des heiligen Gallus auf einem Seitenaltar.

Kirchenpfleger Peter Kreppold gab dann darüber Aufschluss, warum das Gotteshaus jetzt so prächtig aussieht. „Schuld“ daran ist die umfassende Renovierung, die vor wenigen Jahren vollendet wurde. Nicht nur dass die Kirche einen „Dachschaden“ hatte. Auch die Mauern hatten sich gesenkt und der Innenraum war in einem erbärmlichen Zustand. „Unsere größte Sorge war, dass die Spritzspuren, die bei der letzten Renovierung 1966 von einem Holzwurmmittel mehr als deutlich sichtbar waren, nicht beseitigt werden können.“ Aber es gelang, wie so vieles andere auch und das vor allem durch den ungeheuren Einsatz der Dorfgemeinschaft.

Nicht nur, dass sie sich mit 1330 Arbeitsstunden eingebracht hat, sondern auch, weil 130 000 Euro des zu erbringenden Eigenanteils an Spenden eingingen. „Das erste Weihnachten haben wir auf Biertischbänken und fast ohne Altar hier gesessen“, bemerkte er, „ein armseliges Bild“. Doch es ging zügig voran und als 2011 dann auch noch die grundgereinigte Orgel zurückkam, war die Kirche wieder perfekt. Damit die Gottesdienstbesucher wissen, wann sie zum Gotteshaus kommen sollen, gibt es Glocken. Nähere Auskünfte gab dazu spontan Klaus-Peter Zeyer aus Altomünster, der sich seit längerem mit der Geschichte der Kirchenglocken insgesamt befasst und so auch über die Zeitlbacher Glocken Bescheid wusste. Schon im Ersten Weltkrieg wurden die drei Glocken eingeschmolzen, im zweiten wurden zwei der wiederum drei Glocken vernichtet. Heute hängen wieder drei Glocken im Kirchturm, die kleinste von ihnen konnte damals erhalten werden.

Beim Patrozinium mit Dorffest kann sich jeder die Kirche anschauen.

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