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Ein Biss, der keiner war?

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Dachau - Wegen räuberischen Diebstahls ist ein 37-jähriger Mann vor dem Dachauer Amtsgericht gestanden.

Er soll Waren aus einem Discounter entwendet haben, dann geflüchtet sein - und schließlich dem Detektiv, der ihn stellte, in den Daumen gebissen haben.

Der afrikanisch-stämmige Mann hat laut Anklageschrift im Dezember vergangenen Jahres in einem Discounter in Dachau vier goldene Halsketten, Boxershorts und diverse Kosmetika entwendet. Diese steckte er nicht nur in die Hosentaschen, sondern ließ sie in seiner vorher präparierten Jacke verschwinden. „Das Innenfutter war aufgeschnitten“, sagte die Fillialleiterin des Supermarkts aus. So konnte er das Diebesgut bequem einschieben.

Als der Mann schließlich an der Kasse vom Ladendetektiv ertappt wurde, eskalierte die Situation. Nach eigener Aussage wollte der Langfinger nur kurz seinen Einkaufswagen zur Seite fahren, als sich der Detektiv zu erkennen gab. Dieser aber nahm offenbar an, dass der Metzger flüchten wolle und sprang ihn von hinten an. Daraufhin verloren beide das Gleichgewicht und fielen um. „Als die zwei am Boden lagen, sperrte ich die Ladentür ab“, erzählte die Mitarbeiterin weiter.

Nachdem sich der Angeklagte aus dem Griff des Detektivs lösen konnte, stand er auf und verzog sich in den hinteren Teil des Ladens. Die Supermarkt-Belegschaft, die alle Ausgänge verriegelt hatte, blieb zuerst entspannt. Dann aber erkannte eine geistesgegenwärtige Mitarbeiterin, dass der Notausgang noch geöffnet war und wies den Detektiv mit Handzeichen darauf hin. Das erkannte auch der Dieb - und flüchtete.

Zwei Mitarbeiter, ein Kunde und der Detektiv liefen dem Mann hinterher und konnten ihn draußen stellen. Der Detektiv brachte den Angeklagten wieder zu Fall, die Verfolger setzten sich auf ihn. In dem Handgemenge geriet der Daumen des Detektivs in den Mund des Metzgers. Laut Anklage biss dieser so fest zu, dass der Ermittler zwei Tage arbeitsunfähig war und mit Antibiotikum behandelt werden musste. Verteidiger Alexander Korres aber vertritt eine ganz andere Meinung: „Der Daumen hat sich eher an den Zähnen verletzt, als die Zähne den Daumen verletzt haben.“

Der Detektiv, der den Beschuldigten auf frischer Tat ertappte, erschien nicht zum Prozess. Des Weiteren müsse ein psychologisches Gutachten erstellt werden, meinte Richter Bauer, da der Anwalt des Angeklagten auf Schuldunfähigkeit plädierte: Der Angeklagte leide an Impulskontrollstörungen und Stehlzwang. (mp)

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