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Bekannten erstochen - 26-Jährige vor Gericht

23-jähriger wegen Diebstahl vor Gericht

Klostereinbrecher muss ins Gefängnis

Obwohl der Angeklagte sofort nach Verlesung der Anklage gestand, blieben beim Prozess am Amtsgericht Dachau viele Fragen offen:  Der 23-jährige Dachauers musste sich wegen Raub, Beleidigung, Körperverletzung und Diebstahl verantworten - Diebstahl aus dem Altomünsterer Kloster. 

„Das stimmt so alles.“ Viele Fragen zu Tathergang und dem Motiv blieben allerdings ungeklärt – weil sich der Beschuldigte nicht mehr erinnern konnte.

Im November 2015 hatte der Angeklagte einer 59-jährigen Frau am Klagenfurter Platz mit einer solchen Wucht die Handtasche aus der Hand gerissen, dass diese nur noch den Henkel in der Hand hielt. Sie zog sich eine schwere Zerrung in der Schulter zu. Zwei couragierte Jugendliche nahmen damals die Verfolgung auf und konnten dem Räuber die Tasche wieder entwenden. Im Vorfeld des Verfahrens hat sich der Mann per Brief bei der Geschädigten entschuldigt. Auf genauere Fragen antwortete er nur: „Ich weiß es nicht mehr.“

Auch zu einem Vorfall im Kloster Altomünster fünf Tage später konnte der Beschuldigte wenig beitragen. „Ich weiß nicht mehr, warum ich das getan habe. Meine Erinnerungen daran sind nur noch schemenhaft.“ Das Kloster hatte ihm „aus christlicher Nächstenliebe“ Obdach gewährt, wie der Klosterdirektor betonte.

Der Direktor beschrieb ihn als „netten, zuvorkommenden jungen Mann“. Nachdem er aber aus disziplinarischen Gründen der Einrichtung verwiesen wurde, brach er dort am Anfang Dezember ein und stahl Bargeld, Privatgegenstände und zwei Krankenfahrstühle.

Tags darauf wurde der Angeklagte mit den beiden Gefährten von einem Mitarbeiter des Klosters entdeckt und gestellt. Anfangs ergab er sich und entschuldigte sich sogar für sein Fehlverhalten, doch kurz darauf rastete er unvermittelt aus. Es gab ein Gerangel, ein Mitarbeiter erlitt einen Strecksehenriss. Die Polizei wurde gerufen. Der Mann hatte sich zwischenzeitlich wieder beruhigt, kooperierte sogar mit den Beamten. Doch plötzlich widersetzte er sich der Festnahme und beleidigte die Beamten massiv.

Die persönlichen Verhältnisse des jungen Dachauers gestalteten sich als schwierig. Bereits mit 13 Jahren floh er aus dem Elternhaus, es folgten Unterbringungen in verschiedenen Heimen. Bereits 22 Mal befand er sich zur Behandlung im Klinikum Haar. Dorthin hatte er sich meist wegen Selbstmordgefahr einweisen lassen. Er ist bereits vorbestraft, wegen Diebstahl. Der Arbeitslose hat weder einen festen Wohnsitz, noch einen Schulabschluss. Hinzu kommt der langjährige exzessive Konsum von Cannabis und sogenannten „Kräutermischungen“, auf den er auch seine Erinnerungslücken schiebt.

Der psychologische Gutachter bescheinigte ihm eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung impulsiven Typs. „Diese kann unter anderem auf seine schwierige Kindheit und den Drogenkonsum zurückgeführt werden“, so der Sachverständige. Diese Störung sei aber nur bei dem Widerstand gegen die Polizeibeamten zum Vorschein gekommen, und so konnte nur bei dieser Tat von einer beschränkten Schuldfähigkeit ausgegangen werden.

Das Gericht sah alle Vorwürfe als erwiesen an, und verurteilte den 23-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Ohne Bewährung. Schwer wog der „Misstrauensbruch gegenüber dem Kloster“, wie Richter Christian Calame betonte, und die Vorstrafen. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre gefordert.

Der Staatsanwalt hatte sein Plädoyer geendet mit: „Es bleibt Unklarheit über Sinn und Beweggründe der Taten.“ Damit sprach er wohl vielen Anwesenden aus der Seele – vielleicht auch dem Täter selbst.

(ahu)

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