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Übt scharfe Kritik am EuGH-Urteil: Dachaus Apothekersprecher Max Lernbecher.

Nach EUGH-Urteil zu verschreibungspflichtigen Medikamenten

Beginnt jetzt das Apothekensterben?

Dachau - Weniger zahlen ist für die Kunden in der Regel ein Grund zur Freude. Doch nicht immer bedeutet das auch eine echte Verbesserung. Denn mit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs wird die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente aufgehoben. Und die Apotheken im Landkreis Dachau fürchten um ihre Existenz.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) urteilte, dass die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland nicht rechtens ist. Das bedeutet: Ausländische Versandapotheken wie die niederländische „DocMorris“ können wohl zukünftig ihren Kunden Gutschriften oder Rabatte einräumen, Medikamente also billiger verkaufen als die Apotheken vor Ort.

Und auch die Preisbindung in Deutschland für rezeptpflichtige Medikamente steht vor dem Aus. Für chronisch Kranke könnte die Entscheidung im Jahr ein paar hundert Euro Ersparnis bringen.

„Das Urteil könnte für unser System gefährlich werden“, warnt hingegen Apothekersprecher Max Lernbecher (Obere Apotheke in Dachau und Paulus-Apotheke in Erdweg). „Denn offenbar ist billiger wichtiger als Beratung.“ Bei den nicht-rezeptpflichtigen Medikamenten gebe es ja bereits einen Wettbewerb. Aber im Bereich der rezeptpflichtigen Arzneien sei es wichtig, dass jeder die Möglichkeit habe, sein Mittel zu einem festgelegten Preis zu bekommen, so Lernbecher, der auch im Vorstand des bayerischen Apothekerverbandes engagiert ist. Zudem berge der Versandhandel Risiken wie Fälschungen oder die Garantie der richtigen Lagerung.

Er sieht ein weiteres Problem: „Ich finde es auch schwierig, die Einreichung von Rezepten zu belohnen. Je kränker man ist und je mehr Rezepte man einreicht, desto mehr Rabatte gibt es. Das kann es doch nicht sein!“ Zugleich könne sich ein Geschäftsmodell bilden, in dem Rezepte von Personen oder Gruppen gesammelt und gemeinsam eingereicht werden, um möglichst wenig zu bezahlen.

„Der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten ist eine zweifelhafte Angelegenheit, weil hier ein hohes Maß an Verwaltungs- und Beratungsnotwendigkeit existiert“, meint auch Dr. Thomas Bayer von der Dachauer Frühlingsapotheke. „Wir müssen mit den Patienten vor Ort doch viele Dinge zu ihrem Rezept klären. Wie das ein Versandhandel vernünftig regeln soll, ist mir unklar.“

„Das ist eine Riesensauerei“, schimpft auch Manfred Weyerer von der Vital-Apotheke in Odelzhausen. „Mindestens ein Drittel der Apotheken können nicht mehr existieren, wenn ihnen beispielsweise zwei, drei oder vier chronisch kranke Kunden wegbrechen.“ Der Europäische Gerichtshof dürfe den Wettbewerb nicht über die Kundenbedürfnisse stellen.

Apotheker Robert Götz aus Petershausen findet es äußerst bedenklich, dass der Europäische Gerichtshof ins deutsche Gesundheitswesen eingreift und „alles konterkariert“. „Das Urteil kann so nicht stehen bleiben, denn das bedeutet eine massive Vernichtung deutscher Apotheken.“

Sollte die Preisbindung in Deutschland gekippt werden, wie es der EuGH fordert, befürchtet auch Lernbecher ein Apothekensterben. „Es müsste dann jeder schauen, wie er damit umgeht, ob man die Beratungen einstellt oder die Notdienste oder die Öffnungszeiten reduziert“, so Lernbecher. 30 bis 40 Prozent der Apotheken könnten dann wohl nicht mehr mithalten, vor allem die kleinen Apotheken in ländlicher Struktur. Viele wirtschafteten jetzt schon an der Schmerzgrenze.

„Wenn die Menschen ihre Apotheke vor Ort behalten wollen, müssen sie erkennen, dass dieser Systembruch zum Verschwinden der meisten Apotheken vor Ort führen würde“, meint Apotheker Götz. „Ich hoffe, dass der Gesetzgeber handelt und zum Beispiel das Honorar an konkrete Leistungen bindet und der Versandhandel so uninteressant wird.“ (sue)

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