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In Hebertshausen bewegt sich etwas: Der dortige Helferkreis war einer der ersten im Landkreis, der sich um Flüchtlinge kümmerte, hier bei einem gemeinsamen Bau eines Carports für Fahrräder im vergangenen November.

Ein Jahr nach "Wir schaffen das"

Motivation bei Helfern hoch

Dachau - Man vernimmt gelegentlich ein Stöhnen über bürokratische Hürden, und so mancher Freiwillige aus den Anfangstagen ist heute nicht mehr dabei. Doch insgesamt ist ein Jahr nach Angela Merkels „Wir schaffen das“ die Motivation bei den Asyl-Helferkreisen im Landkreis Dachau immer noch hoch.

Nachdem die Balkanroute im März dieses Jahres von Slowenien ausgehend geschlossen wurde, lässt der Flüchtlingsstrom zusehends nach. Auch im Landkreis Dachau gab es einen Rückgang an neu dazustoßenden Flüchtlingen, wie die insgesamt 18 Asylhelferkreise feststellen. Die Helferzahlen und Aufgaben variieren stark, je nach Größe der Unterkünfte.

Wir sprachen mit Koordinatoren und Beteiligten der jeweiligen Helferkreise aus acht verschiedenen Gemeinden: Wie steht es – ein Jahr nach Angela Merkels Aussage „Wir schaffen das“ – konkret um die Motivation der Freiwilligen Helfer und wo liegen eventuell Probleme? Ein Querschnitt.

Dr. Joachim Jacob, stellvertretender Koordinator des Helferkreises Asyl Petershausen, sagt, dass seine Helfer weniger geworden sind: „Die Zahl der ganz Aktiven hat abgenommen, insgesamt sind wir ungefähr 70 regelmäßige Helfer.“ Diese Ehrenamtlichen seien nach wie vor engagiert bei der Sache, aber nicht ausreichend, um die verschiedenen Aufgaben unter einer normalen Belastung zu bewältigen: „Man verschleißt sich mit der Zeit. Es gibt zum einen bürokratische Schwierigkeiten. Jedes Mal gibt es einen Kampf um das Ausfüllen von Formularen. Zum anderen ist auch die Wohnungssuche extrem frustrierend, weil einfach billiger Wohnraum fehlt.“ Und Besserung sei nicht in Sicht.

Auch Ute Gesang, Gestalterin der Homepage des Asylhelferkreises Weichs, sieht die Lage ähnlich: „Insgesamt sind wir weniger Helfer als am Anfang. Wirklich aktiv sind hier derzeit 25 Personen“. Größtenteils sind es ältere Ehepaare, die im Ruhestand viel Zeit haben und auch motiviert sind.

Diese arbeiten aber weit über ihre Leistungsgrenzen hinaus. Das Problem sei, auch genug Leute zu finden, die unter der Woche Zeit übrig haben. Deshalb sei in Weichs schon eine große Last zu tragen: „Es bleibt viel an wenigen hängen“, gibt Ute Gesang zu.

Beim Helferkreis Altomünster ist die Zahl von ursprünglich über 60 Helfern ebenfalls deutlich geschrumpft – auf etwa die Hälfte. Nach dem Ausscheiden von Brigitte Burger-Schröder als Leiterin Anfang des Jahres sucht die Gemeindeverwaltung einen neuen festen Ansprechpartner. Derzeit gibt es eine kommissarische Leitung. Es werden Gespräche geführt, heißt es dazu aus dem Rathaus.

In Schwabhausen ist Monika Schmidt eine der zwei Koordinatorinnen. Dort gibt es ebenfalls einen Rückgang an Helfern: „Zur Zeit sind wir eine Handvoll Aktive, anfangs waren wir 40“, erinnert sie sich. Viele der Helfer litten unter der sehr zeitintensiven Arbeit und hätten sie sich teilweise auch etwas anders vorgestellt: „Sie haben gemerkt, dass es nicht mehr nur mit ein bis zwei Stunden getan ist. Viele Aufgaben sind schwer zu stemmen und können nur unter großem Aufwand bewältigt werden.“ Das frustriere die Mitarbeiter und wirke leider auch manchmal der ursprünglichen Motivation zu helfen entgegen.

Positive Rückmeldungen gibt es dagegen aus Erdweg. Katrin Horvat, die für die Pressearbeit des Helferkreises und für Familienzusammenführungen zuständig ist, bemerkt kaum weniger Helfer: „Zu Beginn waren wir mal um die 20, jetzt sind wir immer noch 16, 17 Leute“, überlegt sie.

In Erdweg sei aber inzwischen generell weniger zu tun, weshalb es auch insgesamt etwas ruhiger geworden sei: „Wir konnten fast alle Asylanten in die Berufsschule oder Ausbildungsstellen gut integrieren, deswegen finden bei uns momentan auch keine Kurse mehr statt. Mit unseren Aufgaben kommen wir ebenso gut zurecht“, freut sich Katrin Horvat.

Vivienne Klimke betreut ebenfalls die Pressearbeit und Sachspenden in Hebertshausen. Sie hat auch nicht bemerkt, dass der Helferkreis geschrumpft wäre: „Wir sind nach wie vor um die 25 Helfer, die auch immer noch motiviert sind.“ Die Aufgaben seien zwar komplexer geworden, sie würden sie aber gerade so noch schaffen: „Am schwierigsten ist für uns die Arbeitsfindung für die Flüchtlinge. Der Bürokratismus ist dazu unverändert immens, die Behördengänge halten ungemein auf“, gibt Vievienne Klimke zu verstehen.

Helmut Blahusch, einer von drei Koordinatoren aus Karlsfeld, ist sich auch sicher, dass es innerhalb des einen Jahres, in dem der Helferkreis nun besteht, nicht weniger Aktive geworden sind: „Wir haben viele junge Helfer, die sich engagieren. Bei einzelnen zeigt sich zwar ab und zu eine gewisse Ernüchterung, aber wir haben soweit alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben“, erklärt er stolz.

Das Indersdorfer Koordinatoren-Ehepaar Irmgard und Georg Weigl hat hingegen wahren Grund zur Freude: „Unser Helferkreis konnte von 20 auf 30 Personen aufstocken, wir rechnen auch noch im Herbst mit vermehrten Anfragen. Deshalb haben wir ein zweites Team etabliert,“ erklärt Georg Weigl.

Der kleine Kreis sei einfach von selbst gewachsen. Die Aufgaben hätten sich seit dem Beginn zwar gewandelt, aber seien nach wie vor gut verteilt. Der Koordinator ist motiviert: „Wir in Indersdorf haben Gedanken zur Umstrukturierung, die wir auch umsetzen möchten.“ Die Situation in Markt Indersdorf ist im Landkreis allerdings die Ausnahme.

sj

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