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Volles Haus: Bei der Vernissage zur Ausstellung „Bier lokal“ im Dachauer Bezirksmuseum gab es einen großen Besucherandrang.

Ausstellung im Bezirksmuseum

Die Dachauer Bierseele

Dachau - Das 500-jährige Bestehen des bayerischen Reinheitsgebots wird derzeit in ganz Bayern gefeiert. Auch das Bezirksmuseum Dachau widmet dem Bier eine Ausstellung: In „Bier lokal“ wird die Bier-Geschichte des Landkreises Dachau veranschaulicht.

Dabei können sogar eingefleischte Hobbytrinker und ausgebildete Bierkenner Neues lernen. Unter dem Motto „Jedem sein(e) Maß“ ist in sechs Räumen anhand von Biergefäßen und Gläsern aus sechs Jahrhunderten nicht nur Brauhistorie zu sehen, sondern auch Geschichten über Bier, Braumeister und Zecher. Von den ehemals sieben Dachauer Sudhäusern existiert zwar keines mehr, doch prägen noch heute Unterbräu, Hörhammer- und Zieglerbräu das Erscheinungsbild des einstigen Marktes. 

Im gesamten Landkreis gab es, was viele Landkreisbürger heute gar nicht mehr wissen, sogar 37 Brauereien. „Auch vom ‚Schießstädtbräu’ in Dachau wissen die Meisten nichts“, sagte Jutta Mannes, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zweckverbandes Dachauer Galerien und Museen, bei der Eröffnung. Doch es gibt Beweise. Mannes verweist auf Raum sechs, in dem ein Bierglas des Schießstädtbräus steht.

„Die Besitzer von Brauwirtschaften waren in der Regel ‚g’standene’ Persönlichkeiten, die auf die Geschicke ihrer Orte Einfluss nahmen. Aus der Sicht der Städter allerdings hielt sich lange das Klischee einer tollpatschigen und allzeit bierseligen Landbevölkerung“, so Mannes. Karikaturen aus satirischen Zeitschriften der damaligen Zeit sowie alte Postkarten zeigen im Bezirksmuseum das damalige Bild des betrunkenen Bauerntölpels. Im Museumskino in Raum drei offenbart Ludwig Thomas Satire „Ein Münchner im Himmel“ den Zusammenhang von Bier und Politik. „Ein weiter Aufstieg, bedenkt man die Anfänge des Bieres als Frühstückssuppe“, erklärte Kuratorin Ursula Nauderer. Denn Bier wurde anfangs vor allem eines: gelöffelt. 

Der Zusammenhang Bier und Politik wurde auch unterstrichen, als auf der Vernissage Nauderer mit Oberbürgermeister Florian Hartmann und Landrat Stefan Löwl zur Eröffnung anstieß – mit Bier. Einem besonderen Bier: Das Craft-Bier „India Pale Ale“ wurde extra für die Ausstellung von einer kleinen Brauerei aus Prittlbach gebraut und mit entsprechenden Etiketten versehen. Neben diesem Bier lobte Löwl die Gestaltung der Ausstellung und die Arbeit der Kuratorin. Das typische Gelb des Bieres findet sich in den Ausstellungsräumen immer wieder und die Sockel für besondere Krüge erinnern selbst an Bier mit Schaumkrone. Gezeigt wird beispielsweise ein „Krug zum Umtrunk“, so alt wie das Reinheitsgebot selbst. Er ist, wie viele weitere Stücke, eine Leihgabe der Sammlung von Peter Vogt aus München.

Der „Zwölf-Apostel-Humpen“ ist aus dieser Sammlung einer der wertvollsten Krüge, da es ein seltenes Exemplar ist. Der Krugtyp aus dem 17. Jahrhundert ist aufwendig bunt bemalt und zeigt die Jünger Jesu sowie Maiglöckchen. Krüge der jüngeren Generation – wie ein Bierglas in Form eines Dirndls – sind meist besondere Werbeaktionen einzelner Brauereien. „Als die Brauereien in Frauen neue Kunden sahen, passten sie dementsprechend ihre Waren an“, erklärte Nauderer. Das lange Gemälde „Der Siegeszug des Gambrinus“ von Hermann Stockmann ist im Original laut Nauderer doppelt so groß wie der Druck, der in der Ausstellung gezeigt wird – und sich trotzdem über den gesamten ersten Raum im Museum zieht. 

Die Ausstellung lockt neben den gewohnten Führungen auch zu einer Menge Sonderveranstaltungen. Am Donnerstag, 22. September, beispielsweise, erzählt Edgar Forster in „Kellnerin, no a Maß“ lustige, derbe und skurrile Geschichten über Braumeister, Bierdimpfe und Zechpreller.

Miriam Kohr

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