Ein Kampf: Gerhard Christ und sein Instrument. Foto: ink

Mit Bass und Bier auf der Bühne

Bergkirchen - Ein Musiker, sein Instrument und Verzweiflung. Diese Zutaten haben die Zuschauer des Hoftheaters Bergkirchen begeistert - besonders der Musiker Gerhard Christ. Er agierte als Schauspieler auf der Bühne.

„Freiwillig wurde keiner Kontrabassist“, so lautet das leidvolle Resümee von Gerhard Christ, Mitglied der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford, der an zwei Abenden vor ausverkauftem Haus im Hoftheater Bergkirchen zu Gast war. Das komödiantische Solostück von Patrick Süskind in der Inszenierung von Ulrike Beckers hat der Kontrabassist Gerhard Christ erst kürzlich im westfälischen Herford mit großem Erfolg aufgeführt. Nun stieß es beim Bergkirchner Publikum auf genauso viel Anklang.

Gerhard Christ umkreist sein Instrument, das nur „Body hat“ und sonst „gar nichts“. Er betastet es wie eine Geliebte, ist verzweifelt über den grauenvollen Zustand dieses „ekelhaft“ zu spielenden Instruments, dem kein schöner Ton zu entlocken ist. Dennoch: Im Orchester gehe ohne den Kontrabass, dem mit Abstand wichtigstem Instrument, gar nichts. Eher könnte man auf den Dirigenten verzichten. Aber vielleicht wäre es doch besser gewesen, die handliche Geige zu spielen - die nicht überall im Weg stände und nicht die körperliche Liebe „überwacht“.

In dem unterhaltsamen Monolog, in dem auch traurige Töne mitschwingen, zieht der Kontrabassist Gerhard Christ einen weiten Spannungsbogen zwischen der Kunst und dem „wirklichen“ Leben. Die soziale Analyse des selbstgerechten Charakters offenbart die üblichen Denkschablonen und vermischt sie mit Milieukomik.

Die Zuschauer im Hoftheater honorierten mit langem Applaus die glänzende Leistung des sympathischen Musikers, der zurückhaltend agierte und seinen schauspielerischen Part blendend beherrschte - in einer Rolle, in der meist Schauspieler auf der Bühne stehen.

(ink)

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