B 471 bei Dachau: Kind saß auf dem Schoß der Mutter

Mädchen (3) wird aus Auto geschleudert und stirbt

Bergkirchen - Ein Mädchen (3) ist bei einem Unfall am Donnerstagfrüh ums Leben gekommen. Es saß ungesichert auf dem Schoß der Mutter auf dem Beifahrersitz, als der Autofahrer von der Straße abkam.

Als die Helfer an den Unfallort kamen, konnten sie nur ahnen, dass auch ein Kind mit im Auto gesessen hatte: Neben dem zerstörten Auto lagen ein Kindersitz, eine Babypuppe, Kinderschuhe. Der Autofahrer, der noch kurz bei Bewusstsein war, fragte dann nach dem Mädchen. Schnell war klar: Das Kind muss in den angrenzenden Gröbenbach geschleudert worden sein. Über 50 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, THW und BRK begannen systematisch mit der Suche. Nach einer Stunde wurde das dreijährige Mädchen gefunden, gute zwei Kilometer vom Unfallort entfernt. Die Retter reanimierten es und brachten es ins Krankenhaus. Doch das Mädchen schaffte es leider nicht. Es starb kurze Zeit später im Klinikum Großhadern. 

Gegen 5 Uhr in der Früh war der 33-jährige Citroen-Fahrer aus Heidenheim auf der B 471 von der A 8 in Richtung Dachau unterwegs. Neben ihm auf dem Beifahrersitz saß seine 33-jährige Frau, mit ihrer dreijährigen Tochter auf dem Schoß. Die Rücksitzbank des Citroen sei „völlig zugemüllt“ gewesen, so Polizeihauptkommissar Roland Itzstein von der PI Dachau. Außerdem sei die Rückenlehne des Beifahrersitzes nach hinten gestellt gewesen, „als ob die Frau und das Kind hier geruht haben“. Zweifelsfrei geht die Polizei daher davon aus, dass Mutter und Kind auf dem Beifahrersitz gesessen haben – nicht angegurtet: „Der Gurt auf der Beifahrerseite hing einfach locker nach unten. Kurz nach der Ausfahrt Dachau-Süd geschah dann das Unglück: Der Autofahrer kam nach rechts von der Straße ab, aus bislang ungeklärter Ursache, so Itzstein. Das Auto fuhr auf die Leitplanke, die an dieser Stelle beginnt, und wurde wie auf einer Sprungschanze in die Luft katapultiert. „Der Citroen schlug in etwa zwei Metern Höhe in die angrenzenden Bäume ein“, so Itzstein. Bei dem Aufprall wurden die Frau und das Kind aus dem Auto geschleudert – offenbar aus dem Beifahrerfenster. Die Wucht des Aufschlags war so gewaltig, dass das Kind laut Polizei rund 20 Meter weit geschleudert wurde und in den angrenzenden Gröbenbach fiel. 

Schrecklicher Unfall bei Dachau: Kind stirbt

Aber davon wussten die Einsatzkräfte zunächst nichts – sie konnten es höchstens erahnen. Den Kräften von Polizei, Feuerwehr, THW und BRK bot sich ein Bild der Verwüstung. „Am Unfallort lagen ein Kindersitz und Kinderschuhe“, sagte Itzstein. Der Fahrer, die Polizei geht davon aus, dass es der Vater des Kindes ist, sei noch kurz bei Bewusstsein gewesen und habe den Rettungskräften mitgeteilt, dass auch ein Kind mit im Auto gesessen hatte. Dann begann die Suche. „Es war alles im Einsatz, was man um 5 Uhr in der Früh mobilisieren kann“, so Itzstein. Sechs Streifenwagen der Polizei von Nachtschicht und Frühschicht, die Feuerwehren Dachau, Günding, Feldgeding, das THW mit Schlauchboot, die Berufsfeuerwehr München mit Tauchern, das BRK mit der Wasserwacht suchten zur Sicherheit sofort die Umgebung der Unfallstelle ab, wie Wolfgang Reichelt, Pressesprecher der Dachauer Feuerwehr, mitteilte. Weil die Fließgeschwindigkeit des Gröbenbach laut Reichelt relativ hoch war, verteilten sich die Einsatzkräfte am Bachlauf bis ins Dachauer Stadtgebiet zur Scheierlmühle an der Schleißheimer Straße und starteten die Suche am und im Wasser an mehreren Stellen parallel. Neben einem Rettungshubschrauber, der an der Unfallstelle landete, suchte ein Polizeihubschrauber mit einer Wärmebildkamera den Gröbenbach ab. 

Etwa eine Stunde später fanden ehrenamtliche Helfer des THW das Mädchen schließlich im Bach. Das Mädchen war nicht mehr bei Bewusstsein, der leblose Körper hing im Astwerk der Uferböschung, etwa zwei Kilometer von der Unfallstelle entfernt, so Oliver Welter von der Wasserwacht Dachau. Die Helfer begannen unmittelbar mit der Reanimation. Wolfgang Reichelt lotste den Kindernotarzt von der Unfallstelle zum Kind, der die Dreijährige zusammen mit Rettungskräften von BRK, THW und Feuerwehr weiter reanimierte. Nach einer guten halben Stunde wurde das Mädchen mit dem Hubschrauber in das Klinikum Großhadern geflogen. Gegen 8 Uhr folgte die traurige Mitteilung aus dem Krankenhaus: Das dreijährige Kind ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Ob das Mädchen ertrunken ist oder an den Verletzungen aufgrund des Unfalls starb, könne man noch nicht sagen. „Es folgt eine Obduktion.“

Die Eltern des Kindes wurden ebenfalls schwerst verletzt ins Krankenhaus gebracht. Laut Polizei seien beide zur Zeit nicht ansprechbar. Die B 471 blieb am Vormittag gesperrt, weil ein Sachverständiger ein unfallanalytisches Gutachten erstellte. Dabei werde etwa geprüft, ob eine Bremsspur vorhanden sei oder nicht, erklärt Itzstein. 

Fest steht in den Augen des Polizeisprechers: „Wenn das Kind ordnungsgemäß gesichert gewesen wäre, wäre es nicht aus dem Auto geschleudert worden.“ Der Fahrer, der angeschnallt war, sei nach dem Aufprall auch noch im Auto gesessen. Wie schwer natürlich dann die Verletzungen des Mädchens gewesen wäre, sei Spekulation.

Lesen Sie auch den Augenzeugenbericht über THW-Helfer Manuel Mertl

Rubriklistenbild: © Betz

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