Schnelles Geld mit Folgen

Haftstrafe für Drogenschmuggler

Landshut/Dachau – Fabrikarbeiter Zlatko K. (32) aus Dachau war für eine serbische Bande mit fünf Kilo Marihuana unterwegs. Die Quittung lautete jetzt zweieinhalb Jahre Gefängnis.

Er habe nach dem Versuch, sich selbstständig zu machen, keine Cent mehr in der Tasche gehabt und Weihnachten stand vor der Tür. Deshalb habe er sich als Drogenkurier anheuern lassen, so der 32-jährige Fabrikarbeiter Zlatko K. aus Dachau, der für eine serbische Bande, von der sich derzeit fünf Mitglieder in einem Parallelprozess vor der 6. Strafkammer des Landshuter Landgerichts zu verantworten haben, fünf Kilogramm Marihuana schmuggelte. Dafür handelte er sich eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren ein.

Offiziell hatten der 25-jährige Serbe Semir D. aus Straubing und sein Landsmann, der 30-jährige Emir D., die mit zwei Kurieren und einem Großabnehmer derzeit im Parallelverfahren ebenfalls vor der 6. Strafkammer auf der Anklagebank sitzen, einen Autohandel betrieben, tatsächlich aber seit März 2015 ihr Geld mit Drogen gemacht. Von 30 Kilogramm Marihuana, die aus Serbien von Kurieren in Reisebussen über die Grenzen gebracht und dann in Niederbayern und der Oberpfalz an Großabnehmer vertickt wurden, geht die Anklage aus.

Einer der Kuriere war der Kroate Zlatko K., der am 19. Dezember vergangenen Jahres von dem 26-jährigen serbischen Kurier Edis B., dem der Job zu „heiß“ geworden war, angeheuert wurde. Der Dachauer unternahm dann die Fahrt nach Novi Pazar, nahm die fünf Kilo Gras in Empfang und trat umgehend die Rückreise mit einem Fernreisebus an. Auf einem Autobahnparkplatz in der Nähe von Regensburg übergab er das Marihuana an einen der Straubinger Autohändler und erhielt schließlich einen Kurierlohn von lediglich 1000 Euro; denn den Restbetrag von 1500 Euro schob sein Bekannter Edis B. ein.

Wie ein Polizeibeamter der Ermittlungsgruppe bei der KPI Niederbayern berichtete, hatte man aufgrund von Zeugenhinweisen die serbische Bande bereits seit Juni 2015 mit Telefonüberwachungen und Observationen im Visier. Bei einer Lieferung im Januar 2016 erfolgte dann der Zugriff. Dabei wurde auch der 26-jährige Edis B. festgenommen, der bei seinen Vernehmungen dann einräumte, mehrere Kuriere, darunter auch den Dachauer Fabrikarbeiter, angeworben zu haben.

Zlatko K. legte zum Prozessauftakt ein volles Geständnis ab. In den 90er Jahren, so sagte er, sei er während des Krieges in seiner Heimat mit seiner Familie nach Dachau geflüchtet, habe nach der Schule eine Lehre als Maler und Lackierer gemacht. Danach sei er in verschiedenen Jobs tätig gewesen, bis er schließlich versucht habe, sich in der Solarbranche selbstständig zu machen. Aber nicht nur das sei gründlich schief gegangen, auch in seiner damaligen Beziehung habe es gekriselt. Schließlich habe sich seine Lebensgefährtin, mit der er ein gemeinsames Kind habe, von ihm getrennt. Da habe er dann verstärkt zu Drogen gegriffen, Gras geraucht und Kokain geschnupft. Einmal sei er in München mit ein paar Gramm Kokain erwischt und zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt worden.

Da sei er schon so abgebrannt gewesen, dass er einen Teil der Strafe abgesessen habe, den Rest habe seine Mutter bezahlt. Und dann sei auch noch Weihnachten vor der Tür gestanden, und da habe er aus lauter Verzweiflung den Kurierjob angenommen.

Die Strafkammer verhängte für die illegale Drogeneinfuhr und die Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren und blieb damit unter dem Antrag von Staatsanwalt Dr. Benedikt Berger, der drei Jahre und einen Monat gefordert hatte. Strafmildernd wirkte sich neben dem umfassenden Geständnis vor allem aus, dass der 32-Jährige nur Helfer und kein Bandenmitglied gewesen war. Sein Motiv allerdings, angesichts seiner finanziellen Notlage „schnelles Geld“ zu machen, könne nicht als Entschuldigung gelten.

schöttl

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