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Im Krankenhaus Dachau stehen die Pflegekräfte unter Dauerstress.

Probleme am Dachauer Krankenhaus

Zwei Pflegekräfte für 77 Patienten

Dachau - Das Klinikum Dachau hat wie mehrfach berichtet ein massives Problem mit der Sauberkeit in den Zimmern sowie der Pflege der Patienten. Einer ehemaligen Pflegekraft zufolge liegt das mit daran, dass die Kollegen völlig überfordert sind – und Fehler machen.

Claudia Kerner (Name geändert) hat den Druck einfach nicht mehr ausgehalten und ist gegangen. „In der Nacht waren wir zwei Krankenschwestern, die für 77 Patienten zuständig waren“, sagt die junge Frau, die bis Ende 2015 am Helios Amper-Klinikum Dachau angestellt war. Und auch tagsüber stand die Gesundheits- und Krankenpflegerin, so ihre exakte Berufsbezeichnung, unter Dauerstress. „Da ist es ab und zu passiert, dass ich vergessen habe, bettlägerigen Patienten das Essen zu geben“, gibt sie unumwunden zu.

Wie ihr sei es auch den übrigen Pflegekräften damals gegangen. Und: „Das hat sich bis heute nicht geändert.“ Claudia Kerner pflegt immer noch Kontakt zu zahlreichen Kollegen in Dachau und ist gut informiert. „Vielen geht es wie mir damals: Sie machen das nicht mehr mit und kündigen.“

Im Laufe der zurückliegenden Jahre sei im Dachauer Krankenhaus mit immer weniger Personal gearbeitet worden, meint Claudia Kerner. Sie erinnert sich an eine Betriebsversammlung im Jahr 2015, wo sich die Pflegekräfte ihrem Ärger Luft machten. „Da ist die Situation beinahe eskaliert“, so Kerner, „denn wir fühlten uns von der Klinikleitung nicht ernst genommen“.

Die Klinikleitung bestreitet die Vorwürfe: „Die Anzahl der Stellen in der Pflege ist weder aktuell noch in den Vorjahren reduziert worden. Aktuell haben wir fast alle 320 Stellen besetzt. Einen Großteil der im Sommer offenen Stellen konnten wir mit Absolventen der Pflegeschule nachbesetzen“, sagt Pflegedirektor René Marx. Auch dass nachts zwei Pflegekräfte 77 Patienten betreuen müssten, sei nicht wahr. Er macht eine andere Rechnung auf: „Im Nachtdienst versorgen im Regelfall 15 Pflegekräfte rund 325 Patienten auf den Stationen. Somit versorgt eine Pflegekraft pro Nacht im Durchschnitt 22 Patienten. Bei der Besetzung unserer Stationen orientieren wir uns am medizinischen Fachbereich, der Stationsgröße, der Auslastung der Station und den Empfehlungen von Fachgesellschaften sowie an den Zahlen des Deutschen Krankenhausinstitutes. So sehen die Richtwerte des Deutschen Krankenhausinstitutes eine Pflegekraft für die Versorgung von 32 bis 42 Patienten im Nachtdienst vor.“

Viele Mitarbeiter des Amper-Klinikums Dachau sind weniger mathematisch sondern eher praktisch veranlagt. So existiert im Haus eine so genannte Betriebsgruppe, die sich regelmäßig austauscht. In einem aktuellen Schreiben, das der Heimatzeitung vorliegt, heißt es: „Tätigkeiten wie das Abräumen von Nachtkästchen und Betten entlassener Patienten werden vom Service größtenteils nicht mehr geschafft und müssen von der Pflege übernommen werden. Das Putzen von Bettgittern, Toilettenstühlen, Infusionsständern etc. soll seit 1. Juli ganz offiziell von der Pflege erledigt werden.“

Claudia Kerner arbeitet heute in einer Klinik in München. Dort muss sie sich nicht mehr groß mit Mathematik und zusätzlichen Aufgaben herumplagen – und weniger Stress hat sie auch. zim

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