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Etwas Positives geschaffen: die Graffiti-Künstler Adrian Till (links) und Johannes Wirthmüller.

Graffitikunst

Der schöne, abstoßende Ort

Dachau - Graffiti sind längst nicht mehr die Ausdrucksform einer Subkultur. Es sind anerkannte Kunstwerke. Das beweisen die Künstler Adrian Till und Johannes Wirthmüller, die im Auftrag der Stadt Dachau für Lichtblicke in finsteren Unterführungen gesorgt haben.

Eine Unterführung am helllichten Tag in Dachau. Farbgeruch liegt in der Luft, überall stehen angebrochene Farbdosen herum. Die Wände des Bauwerks sind komplett besprüht. Eine Passantin mittleren Alters hält an und fragt die beiden jungen Männer dort ernst: „Wart ihr das?“

Soviel vorab: Was sich nach Vandalismus anhört, ist eine mit der Stadt abgesprochene und ausdrücklich begrüßte ehrenamtliche Aktion zur Verschönerung der hiesigen Bahnunterführungen.

Die erste war nun die Unterführung an der Augustenfelderstraße. Zwei Wochen lang haben die Künstler Adrian Till aus Bergkirchen und Johannes Wirthmüller aus Dachau sich dieser angenommen und sie verschönert. Die oft befahrene Stelle war bislang übersät mit unerlaubt angebrachten Schriftzügen, sogenannten Tags. Beide Künstler verdienen ihr Geld unter anderem mit Aufträgen zur Gestaltung von Fassaden, Adrian Till studiert nebenbei Kunst und Multimedia in München. Sie hatten sich schon vor einigen Jahren mit der Gestaltung der ehemaligen Papierfabrik einen Namen gemacht.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt war dabei fast völlig problemlos, wie Adrian Till bestätigt. Besonders Kulturamtsleiter Tobias Schneider bekommt viel Lob zu hören. Bei der Gestaltung wurde den Künstlern weitgehend freie Hand gelassen. Einzige Bedingung: keine politischen oder extremen Botschaften. Den Ort für ihre Kunst haben sie mitnichten willkürlich gewählt. „Triste Orte wie Unterführungen fallen Gestaltern auf. Wir haben den Anspruch, solche eher hässlichen Orte für die Öffentlichkeit zu etwas Schönerem zu machen“, so Wirthmüller.

Herausgekommen sind abstrakte Bilder, übersät mit Buchstaben und verspielten Formen. Beide Künstler erhoffen sich, dass möglichst viele der vorbeikommenden Bürger einen individuellen Zugang zu den Bildern erlangen. „Zwar freut es uns, wenn die Graffiti möglichst vielen Leuten gefallen, doch in erster Linie muss es unseren Geschmack treffen. Unser Anspruch war es aber auf jeden Fall, etwas Positives zu schaffen, das die Leute auf emotionaler Ebene anspricht“, so Wirthmüller.

Das Feedback bisher kann sich durchaus sehen lassen. „90 Prozent aller Reaktionen von Fußgängern sind positiv. Die meisten freuen sich, dass wir einen eher abstoßenden Ort so verschönern“, erklären sie. Skepsis herrscht vor allem deswegen, weil Spraydosen negativ behaftet sind und mit illegalen Schmierereien und dem Begriff Subkultur in Verbindung gebracht werden. Dem wollten die Künstler mit ihrem Werk entgegentreten.

Viele zeigen sich auch an der technischen Umsetzung interessiert. Die Künstler arbeiten fast ganz ohne Hilfsmittel und ziehen die meterlangen Linien frei Hand. Dafür ist ein hohes Maß an Konzentration und viel Körperspannung nötig.

Grundsätzlich sehen sie sich auf einem guten Weg, auch in der breiten Masse Anerkennung zu erlangen. Besonders der britische Künstler „Banksy“, der ebenfalls viel mit Graffiti arbeitet, erregte jüngst viel Aufsehen in der Kunstszene. Eine Ausstellung seiner Werke ist momentan unter anderem in München zu sehen. Doch auch immer mehr Firmen setzen in ihren Marketing-Kampagnen auf Graffiti, um insbesondere junge Leute anzusprechen.

Wann die nächste Unterführung an der Reihe ist, wissen Wirthmüller und Till noch nicht. Geplant ist aber für die Zukunft bereits ein anderes Projekt. Nächstes Jahr soll es in Dachau ein Festival mit Künstlern aus der Umgebung geben.

Auch die zuerst befremdet wirkende Passantin ist schnell überzeugt: Ihr ernster Gesichtsausdruck weicht einem Lächeln, und wie zur Bestätigung der Aussagen der beiden Künstler sagt sie: „Das habt ihr sehr schön gemacht.“  Aljoscha Huber

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