Amtsgericht Dachau

Sexuelle Belästigung oder Hilfestellung?

Dachau - Sexueller Missbrauch von Kindern. Es gibt wohl wenig Vorwürfe, die schwerer wiegen. Und so schwor der Angeklagte am Dachauer Amtsgericht gestenreich und mit zahlreichen Verweisen zu Gott, kein schlechter Mensch zu sein. Zumindest teilweise wurden seine Gebete wohl erhört: Er kam mit einer Geldstrafe davon – wegen Nötigung.

Angeklagt war ein 60-jähriger Hausmeister. Ihm wurde vorgeworfen, bei der Arbeit in einem Wohnhaus ein elfjähriges Mädchen mehrmals umarmt und auf die Wange geküsst zu haben. Auch soll er versucht haben, das Kind auf den Mund zu küssen. Schon mehrmals war es laut dem Mädchen zu harmlosen Begrüßungen gekommen. Als sich das Mädchen abwehrend wegdrehte, soll er ihr noch einen Klaps auf den Po gegeben haben.

Der Hausmeister erklärte dagegen, das Mädchen sei auf der nassen Treppe ausgerutscht und er habe mit seinem beherzten Zupacken einen Sturz verhindert. Dabei hätten sich möglicherweise auch die Wangen berührt. Alles weitere leugnete er. Auch zu einer Begrüßung sei es weder an besagtem Tag noch zuvor gekommen. Eine Dolmetscherin war anwesend, um seine Ausführungen vom Griechischen ins Deutsche zu übersetzten.

Der Verteidiger, der Rechtsanwalt und Dachauer Ex-OB Kurt Piller, betonte, dass es kulturelle Unterschiede bei Begrüßungen gebe. Er zeigte, wie er von seinem Mandanten im Büro begrüßt werde: Die beiden erhoben sich, der Angeklagte gab seinem Anwalt die Hand, gefolgt von zwei angedeuteten Küssen auf die Wange. Eine fragwürdige Argumentation, wie auch die Staatsanwältin anmerkte, hatte doch der Angeklagte zuvor klar gemacht, zu körperlichem Kontakt bei Begrüßungen sei es nie gekommen. Und der Angeklagte beharrte auch auf seine Version, wonach er lediglich ein Stürzen des Mädchens verhindern hatte wollen.

Im nicht öffentlichen Teil der Verhandlung, wurde das inzwischen zwölfjährige Mädchen angehört. Die Staatsanwältin sprach von einer hohen „Aussagekonsistenz“ bei der jungen Zeugin.

Die Ehefrau des Angeklagten musste sich bereits bei der Überprüfung ihrer Personalien sammeln, um nicht in Tränen auszubrechen. Leidenschaftlich pries sie danach ihren Mann als „lustig, nett und zuverlässig“. Er sei stets gut mit Kindern ausgekommen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass er sich sexuell zu ihnen hingezogen fühle.

In ihrem Schlussplädoyer betonte die Staatsanwältin die Problematik einer klassischen Aussage-gegen-Aussage-Situation. Dennoch sei der Sachverhalt klar, besonders wegen der glaubhaften jungen Zeugin. Diese habe keinen Grund gehabt, sich die Sache auszudenken. Sie sah eine Entwicklung in dem Verhalten des Angeklagten, das in einer „klaren Grenzüberschreitung“ gemündet sei.

Rechtsanwalt Piller hingegen sah den „Graubereich“ nicht überschritten. Ein sexueller Missbrauch setze eine gewisse Erregung des Täters voraus, dafür gebe es keinerlei Anzeichen. Des Weiteren verwies er auf die „sexuell völlig erfüllte Ehe“ seines Mandanten. Viele Fragen des genauen Ablaufs seien weiter ungeklärt, so zum Beispiel der genau Ort des Geschehens im Treppenhaus. Auch gewisse Aussagen des Kindes seien widersprüchlich, unter anderem bezüglich des Klapses auf den Po. Er plädierte auf einen Freispruch seines Angeklagten.

Richter Daniel Dorner hatte aber keine Zweifel an der Aussage des Kindes. Zwar sei der Klaps auf den Po wohl eher ein Schubsen am unteren Rücken gewesen, das Mädchen habe aber glaubhaft vermittelt, nicht ausgerutscht zu sein – womit die Ausrede des Angeklagten als Schutzbehauptung enttarnt sei. Dorner nannte das Verhalten des Angeklagten „unangebracht, geschmacklos und verwerflich“, aber: Es sei eben kein sexueller Missbrauch. Dafür sei ein sexueller Bezug nötig, den das Gericht nicht sehe. „Was rechtlich bleibt, ist eine Nötigung in einem nicht besonders schweren Fall“, schloss der Richte. Der Beschuldigte wurde zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen á 90 Euro verurteilt.

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