Aus Hilfe wurde Freundschaft: (v.l., vorne) Helmut Thaler, Dennis Behrendt, Chefarzt Viktor Jakymchuk, Bernhard Seidenath, Galyna Dobosh, Oksana Zubyak, Ekkehard Dehn, Ivanna Szabo, Peter Sedlmair, (v.l., hinten) Mychajlo Hajdutschok, Hans Turba, Valerij Startchenko, Hans Ramsteiner, Rudolf Stauß. foto: schäfer

Sie helfen den Ukrainern - seit 25 Jahren

Dachau - Valeriij Startchenko ist voll des Dankes. Er ist der Leiter des Roten Kreuzes im Bezirk Iwano Frankiwsk in der Ukraine, in den das BRK Dachau etwa 90 Konvois mit Hilfsgütern entsendet hat. Und damit kontinuierlich für eine wesentliche Verbesserung der sozialen und medizinischen Versorgung sorgt - und das seit 25 Jahren.

In einem Festakt in der Gaststätte Waldfrieden in Hebertshausen hat die Auslandshilfe des BRK Kreisverbandes Dachau mit einer sechsköpfigen Delegation aus der Ukraine die erfolgreiche Kooperation gefeiert, die mittlerweile auch zu einer engen Freundschaft geworden ist. Helmut Thaler, der in den ersten Jahren die Hilfsgütertransporte organisierte und begleitete, überreichte den Ukrainern selbstgebackenes Brot als Zeichen der Verbundenheit.

Begleitet wurde Valerij Startchenko von Viktor Jakymchuk, dem Chefarzt einer kardiologischen Klinik in Iwano Frankiwsk, dem Rotkreuz-Mitarbeiter Mychajlo Hajdutschok, der Journalistin Galyna Dobosh des lokalen Radiosenders sowie der Dolmetscherin Oksana Zubyak.

Zur Delegation gehörte auch die Leiterin des Roten Kreuzes in Uzghorod, Ivanna Szabo. Sie betonte in ihrer Ansprache, wie wertvoll es sei, dass die Zusammenarbeit nicht in Iwano Frankiwsk aufhöre. Uzhgorod ist die Hauptstadt des Zentralkarpatenlandes und liegt als westlichste Stadt der Ukraine an der Grenze zu Ungarn und der Slowakei. Mit dem dortigen Roten Kreuz arbeitet das BRK Dachau seit neun Jahren erfolgreich zusammen. „Wir leisten vor allem Hilfe für Familien. Wir wollen selbst unsere Probleme lösen und wissen, dass wir es schaffen müssen. Aber trotzdem brauchen wir von außen Hilfe“, so Ivanna Szabo. Auch sie verteilte Urkunden an die Dachauer Helfer, wie auch Valeriij Startchenko. Seit 33 Jahren leitet er das Rote Kreuz im Bezirk Iwano Frankiwsk mit 18 Kreisstationen und einer Bezirksstation. „Gute Menschen haben sich getroffen“, so Valerij Startchenko lachend.

Der „Vater der Auslandshilfe“ war der Rechtsanwalt und ehemalige BRK-Kreisvorsitzende Ekkehard Dehn. Im Frühjahr 1990, kurz nach dem Tod von Diktator Nicolae Ceausescu, reiste Dehn mit Helmut Thaler und einem Hilfskonvoi nach Rumänien. Mit dem Dachauer Arzt Hans Turba und dem BRK-Mitglied Hans Ramsteiner bahnte er anschließend die Kooperation mit dem Roten Kreuz in der Ukraine an. Die Unterstützung von der Dachauer Bevölkerung sei damals überwältigend gewesen, so Ekkehard Dehn. „In anderthalb Jahren haben wir 100 000 Mark Spenden gesammelt.“ Zunächst galt die Hilfe kinderreichen Familien, die mit Kleidung und Essenspaketen versorgt wurden, und weitete sich schließlich auf die medizinische Versorgung aus. „Für Behinderte und alte Menschen gab es keine Rollstühle“, so Dehn.

Die beiden Dachauer Ärzte Wolfgang Erdmann und Gerhard Birkhofer bauten die erste Frühgeburtenstation in der Ukraine auf, was zu einer deutlichen Senkung der Kindersterblichkeitsrate führte. „Wir haben ganze Krankenhauseinrichtungen runter gefahren“, so Dehn. Einige Monate lang unterhielt das BRK Dachau sogar eine Geschäftsstelle in Iwano Frankiwsk. Noch heute trägt Ekkehard Dehn die zweisprachige Visitenkarte in seinem Portemonnaie bei sich.

Zu den Helfern der ersten Stunde gehören neben Helmut und Monika Thaler sowie Hans Turba auch Gertraud Spaderna, Rudolf Stauß, die Familie Stolz und der Dachauer Fotograf Niels Jörgensen, der die Hilfskonvois auch fotografisch dokumentierte. Hans Ramsteiner erinnerte sich an die schlechten Straßen und die fehlende soziale und medizinische Versorgung. „Und dennoch haben wir immer Menschen getroffen, die voller Hoffnung waren.“

Die Auslandsgruppe im BRK Dachau besteht aus einer Gruppe von 20 ehrenamtlichen Helfern. Sie organisieren die Abholungen von Hilfsgütern, beladen Lkw, begleiten die Fahrten oder führen sie selbst durch. In den vergangenen zehn Jahren wurde die Hilfe für die Ukraine weiter ausgebaut, obwohl die Budgets von Jahr zu Jahr geringer werden. „Doch das kann uns Dachauer Rot-Kreuz-Individualisten nicht davon abhalten, immer weiter zu helfen und auch noch durch Aktionen im Dachauer Land viele Spenden zu sammeln“, erklärt Peter Sedlmair, der sich seit 20 Jahren ehrenamtlich für die Auslandshilfe engagiert und seit 13 Jahren auch die Leitung übernommen hat. Jedes Jahr bringt die Auslandshilfe bis zu viermal humanitäre Hilfe in die Ukraine, denn noch immer ist die Situation für die Menschen dort schlecht, vor allem nach den Auswirkungen des weiter in der Ost-Ukraine tobenden Krieges.

4500 Flüchtlinge aus der Ost-Ukraine gilt es zu versorgen. Mehrere vollständige Arzt- und Zahnarztpraxen, Rettungswägen und eine Vielzahl von Kranken- und Pflegebetten wurden überführt. Nach einer Überschwemmungskatastrophe in der Ukraine wurde im Jahr 2010 ein Spezialhilfskonvoi zusammengestellt mit Katastrophenschutzmaterial und Betten für mehr als 2000 Personen aus ehemaligen Atomschutzbunkern der Stadt München. Dank der Unterstützung aus Dachau konnte auch das neu eingerichtete medicosoziale Zentrum in Tysmenizja eröffnet werden.

„Wir wollen die Zusammenarbeit noch viele Jahre realisieren und hoffen, dass in der Welt die Vernunft siegt zum Wohle der Menschen“, so Startchenko. Die Freude war groß, als Ekkehard Dehn und Hans Turba dem Chefarzt Viktor Jakymchuk ein EKG-Gerät überreichten.

(dn)

Spenden:

Wer den Menschen in der Ukraine helfen möchte, kann auf folgende Konten spenden: Volksbank Raiffeisenbank Dachau eG: IBAN DE 98 7009 1500 0000 0259 09 BIC: GENODEF1DCA oder Sparkasse Dachau: IBAN DE 97 7005 1540 0000 9234 66 BIC: BYLADEM1DAH.

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