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Viele neue Eindrücke und tolle Bekanntschaften: Pauline Dressel, Phillip Donath und Charlotte Felkel (von links).

Landkreis Oswiecim lädt Dachauer ein

„Man muss Polen einmal gesehen haben“

Jugendliche sprechen über ihre Eindrücke einer einmaligen Reise nach Oswiecim – Erlebnisse, die sie tief bewegt haben.

Landkreis/Oswiecim – 41 Jugendliche aus dem Landkreis Dachau haben vier Tage lang unvergessliche Eindrücke gesammelt. Der Landkreis Oswiecim hat sie zusammen mit einer Delegation aus Dachauer Politikern nach Polen eingeladen. Sie hatten die Gelegenheit, die Gedenkstätte zu besichtigen und auf dem Life-Festival Oswiecim Musiklegenden wie Queen und Elton John zu erleben. Die Dachauer Band Owing to the Rain hatte sogar die Ehre, beim Festival aufzutreten.

Begleitet wurden die Jugendlichen im Alter von 15 bis 26 Jahren von fünf Betreuern des Kreisjugendrings sowie des Zweckverbands für Kinder- und Jugendarbeit. Im Interview erzählen die Jugendlichen Charlotte Felkel, Philip Donath und Pauline Dressel, was sie am meisten an der Reise bewegt hat.

-Welche Meinung hattest Du vor dem vergangenen Wochenende über Polen?

Charlotte Felkel (20): Eine gefestigte Meinung hatte ich eigentlich nicht. Da mein Großvater dort geboren wurde, war ich eher neugierig, mehr über Polen zu erfahren.

Philip Donath (22): Ehrlich gesagt, hatte ich vor dem Wochenende keine wirkliche Meinung über Polen, da ich mich noch nie bewusst mit diesem Land beschäftigt hatte. Nur der historische Zusammenhang und Hintergrund zwischen Dachau und Auschwitz war mir bekannt. Vom Life-Festival hatte ich davor noch nicht gehört.

Pauline Dressel (18): Bisher hatte ich wenig Ahnung von Polen und fand es cool, mich überraschen zu lassen, wie es dort ist.

-Und welche Meinung hast Du nach dieser Reise?

Charlotte Felkel: Ich denke, wir konnten Polen als sehr offenes Land erleben. Beinahe alle Menschen, die wir getroffen haben, haben uns herzlich empfangen und sich toll um uns gekümmert. Auch die Jugendarbeit wird dort sehr groß geschrieben. Das hat mir extrem gut gefallen.

Philip Donath: Das Land Polen hat mich positiv wie auch negativ überrascht. Positiv war natürlich das Life-Festival im Stadion der Stadt mit einigen Größen der Musikwelt sowie die intensive Aufarbeitung der Grausamkeiten, die im 2. Weltkrieg in Auschwitz bzw. Birkenau geschehen sind. Negativ war für mich ganz klar der erste Abend, wo wir in der Innenstadt eigentlich noch den Rest des Länderspiels anschauen wollten. Dort wurden wir von einigen polnischen Hooligans nicht ganz so freundlich empfangen. Jedoch muss man hier ganz klar sagen, dass man hier nicht alle Einheimischen über einen Kamm scheren darf.

Pauline Dressel: Ich habe die Polen als sehr herzlich und offen empfunden, außerdem kann man auf jeden Fall viel Spaß mit ihnen haben.

-Was hat Dich am meisten überrascht?

Charlotte Felkel: Ganz ehrlich? Dass Polnisch eigentlich eine sehr weiche Sprache ist. Man hat durch die Rechtschreibung immer das Klischee einer sehr harten Sprache im Kopf.

Philip Donath: Am allermeisten überrascht hat mich die Organisation des Life-Festivals mit dem dazugehörigen Street-Life-Festival auf dem Marktplatz von Auschwitz, wo auch ich mit meiner Band Owing To The Rain am Freitagabend ein Konzert spielen durfte. Wir wurden überragend betreut, durften Interviews geben, tatsächlich unsere ersten Autogramme schreiben und Fotos mit einigen polnischen Fans machen.

Pauline Dressel: Am meisten überrascht hat mich, dass mir die polnische Musik so gut gefallen hat. Das hatte ich nicht erwartet, aber das hat definitiv was. Außerdem, wie schwierig die polnische Sprache ist. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so schwer fallen würde, mir alltägliche Wörter zu merken.

-Was am meisten bewegt?

Charlotte Felkel: Am meisten bewegt hat mich, als wir in der KZ-Gedenkstätte waren. Die abgeschnittenen Haare der Vergasungsopfer zu sehen, hat mich extrem schockiert. Diese enorme Menge und Zweckmäßigkeit hat mich gleichzeitig traurig und wütend gemacht. Dass man so mit anderen Menschen umgehen kann, ist mir einfach unbegreiflich.

Philip Donath: Am meisten bewegt haben mich die Führungen durch die Gedenkstätten des Stammlagers Auschwitz und des Vernichtungslagers Birkenau. Hier wird man mit den Grausamkeiten der Nazis konfrontiert. Alleine das Laufen über die Selektionsrampen in Birkenau mit Blick auf das charakteristische Eingangstor ließ mir persönlich das Blut in den Adern gefrieren. Am meisten berührt hat mich der Moment, als die Dame, die uns durch das Vernichtungslager Birkenau führte, am Todesblock des Frauenlagers eine Etude von Chopin mit Text der inhaftierten Dirigentin des Lagerorchesters, Alma Rose, vorspielte.

Pauline Dressel: Am meisten berührt hat mich die Geschichte von der Aufopferung des Geistlichen Pater Maximilian Kolbe im KZ Auschwitz für einen zu Tode verurteilten Familienvater. Er ließ sich statt ihm zum Hungertod verurteilen und wurde nach zwei Wochen mit einer Phenolspritze umgebracht. Der Familienvater überlebte.

-Was nimmst Du mit nach Hause?

Charlotte Felkel: Auf jeden Fall die Herzlichkeit, die mir hier entgegengebracht wurde, und die Bestätigung, dass das, was wir auch als Pfadfinder machen, also sich mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zu treffen und auszutauschen, ein guter Weg ist, um seine bewussten und unterbewussten Vorurteile abzubauen. Außerdem habe ich jetzt nach der Besichtigung der Gedenkstätten und der darauffolgenden Reflexion wieder mehr Ansporn, dafür zu sorgen, dass Rassismus und Intoleranz in Deutschland keinen Platz hat.

Philip Donath: Viele neue Eindrücke und tolle Bekanntschaften.

Pauline Dressel: Die Wahnsinnszeit mit allen Polen, als auch den deutschen Teilnehmern, die Stimmung auf dem Festival und der Respekt vor der Vergangenheit.

-Empfiehlst Du Deinen Freunden jetzt auch nach Polen zu fahren?

Charlotte Felkel: Ja, wir haben zwar nur eine Stadt von ganz Polen gesehen, aber die hat mich überzeugt. Polen ist ein sehr schönes Land und definitiv eine Reise wert.

Philip Donath: Auf jeden Fall! Speziell auf Auschwitz bezogen, natürlich wegen der Gedenkstätten. Meiner Meinung nach muss man das auf jeden Fall einmal in seinem Leben gesehen haben. Außerdem ist Polen auch einfach ein tolles Land.

Pauline Dressel: Ja, unbedingt, denn was weiß man denn schon von Polen? Man muss nicht 10 Stunden fliegen um ein komplett neues und spannendes Land kennen zu lernen. 14 Stunden im Bus ins Nachbarland tun es auch.

-Wie geht’s weiter? Ist dort irgendwas entstanden, wie Freundschaften, die Idee für ein neues Projekt, etc?

Charlotte Felkel: Glücklicherweise haben unsere Betreuer für uns ein Treffen mit polnischen Pfadfindern arrangiert. Das lief wirklich super, und wir haben für die nächsten zwei Jahre schon einen Austausch geplant. Ich hoffe sehr, dass wir das realisieren und dann auch weitere Jahre halten können.

Philip Donath: Möglicherweise besteht für uns nächstes Jahr nun die Möglichkeit, auf der Main Stage des Life-Festivals zu spielen. Das wäre natürlich schon mal genial. Input für neue Songs bzw. Projekte war ebenfalls im Übermaß vorhanden.

Pauline Dressel: Geplant ist noch nichts Konkretes. Aber einige Polen haben den Wunsch geäußert, mit dem Auto zu kommen, um uns zu besuchen. Außerdem hoffen alle Teilnehmer auf weitere Fahrten. Es war so eine unglaublich entspannte und harmonische Zeit.

Die Fragen stellte:

Christiane Breitenberger

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