Die Klinikführung gibt Probleme mit der Sauberkeit in den Zimmern zu. Unser Foto zeigt (von links) Pflegedienstleiter René Marx, Geschäftsführer Christoph Engelbrecht, MdL Bernhard Seidenath (im Alterssimulationsanzug), Chefarzt Björn Johnson und Ärztlicher Direktor Horst-Günter Rau anlässlich des Tags der offenen Türen.

Kritik an der Klinik wächst

„Wird überhaupt noch gereinigt?“

Dachau - Die Geschichte in den Dachauer Nachrichten über eine Großmutter, die im Helios Amper-Klinikum Dachau vernachlässigt wurde und dort unter erbärmlichen hygienischen Bedingungen untergebracht war, hat eine Lawine an Beschwerden ausgelöst.

Die Dachauer Nachrichten haben in ihrer Ausgabe vom 6. September über den Fall einer vernachlässigten 82-jährigen Patientin des Helios Amper-Klinikums Dachau berichtetet. Die Schilderungen der Enkelin der alten Dame lösten eine ungeheuere Welle an Beschwerden aus. Zahlreiche Patienten oder Angehörige von Kranken beklagten sich via Telefon, E-Mail oder in den sozialen Netzwerken der Heimatzeitung über die Pflege und die Sauberkeit der Zimmer sowie der insgesamt 460 Betten.

Wohlgemerkt betreffen die Anschuldigungen nicht die medizinische Versorgung, und sie tangieren nicht das Klinikum Indersdorf. Was das Haus in Dachau hingegen angeht, sind sie zum Teil gravierend, manche sind gar kaum zu fassen. Drei Beispiele von vielen:

-Die Ehefrau eines Patienten sagt: „Mein Mann ist dement. Ich habe darum gebeten, die Medikamente nicht auf den Nachttisch zu stellen. Meinem Wunsch wurde nicht entsprochen. Die Tagesration hat mein Mann dann auf einmal zu sich genommen.“ Am Entlassungstag sei er auf ein Zimmer verlegt und alleine gelassen worden – Schlafanzugjacke, darüber eine Strickjacke, eine Windel, seine vollgepinkelte Hose, seine Tasche gepackt, darauf der Entlassungsbrief, fertig, so die Ehefrau.

-Eine Angehörige, deren Mutter und Mann in Dachau stationär behandelt wurden, schildert ihren Blick in die Zimmer: „Das Essen hat auf dem Tisch geklebt, der Fußboden war völlig verdreckt.“ Zudem sei die blutverschmierte Wäsche nicht gewechselt worden. Als sich die Angehörige beschwerte, „stieß ich durchaus auf Verständnis. Geändert hat sich jedoch nichts.“

-Der Sohn einer 90-jährigen Patientin bat die für den häuslichen Bereich privat engagierte Pflegerin, im Klinikum nach dem Rechten zu sehen. „Die Frau ist dann den ganzen Tag über von den Klinik-Angestellten eingespannt worden und hat im Nebenzimmer die dortigen Patienten mitbetreut“, so der Sohn. Als er nachfragte, bekam er zu hören: „Wir sind unterbesetzt und brauchen jede Kraft.“

Hat das Dachauer Krankenhaus zu wenige Pflegekräfte im Einsatz? Der Betriebsratsvorsitzende Claus-Dieter Möbs sagt, dass es wegen Krankheit oder Mutterschutz immer wieder zu Unterbesetzungen auf den Stationen komme. Das führe dazu, dass Pflegekräfte wegen der dadurch anfallenden Mehrarbeit „den Druck nicht mehr aushalten und hinwerfen“.

Die Stellen wiederzubesetzen sei nicht einfach, ergänzt Landrat Stefan Löwl. Der Chef des Landratsamtes – der Landkreis hält 5,1 Prozent der Anteile an den Helios-Häusern in Dachau und Indersdorf und besitzt darüber hinaus umfangreiche Mitspracherechte – will die Pflegeproblematik auf die Agenda der nächsten Aufsichtsratssitzung setzen. Löwl glaubt, dass viele Bewerber mit ihrem Gehalt den Lebensunterhalt in der sündteuren Münchner Umgebung nicht bestreiten könnten und daher absagen.

Die Helios-Verantwortlichen räumen Probleme bei Arbeitsplätzen im OP-Bereich und auf der Intensivstation ein, bestreiten jedoch eine generelle Unterbesetzung. „Im Vergleich zu anderen Krankenhäusern liegt die Ausfallquote im Normalbereich. Die durchschnittliche Quote beträgt 6,2 Prozent. Dachau liegt mit 6,4 Prozent minimal darüber“, sagt Pflegedienstleiter René Marx, der 400 Angestellten vorsteht.

Dass es Probleme mit der Sauberkeit in den Zimmern gibt, dementiert die Führung des Dachauer Krankenhauses hingegen nicht. Obwohl jedes Zimmer jeden Tag gereinigt wird und dabei mit Reinigungsmitteln vorgetränkte Lappen und Mopps im Einsatz sind, liegt manches im Argen. Der Grund: Es sind zwei Teams mit insgesamt 60 Servicekräften aus eigenen Tochtergesellschaften im Einsatz. „Da gibt es Abstimmungsprobleme, das gefällt uns nicht“, sagt Geschäftsführer Christoph Engelbrecht, gelobt jedoch gleichzeitig Besserung.

Betriebsratschef Möbs geht mit diesem System der Reinigung weit härter ins Gericht: „Wir kennen den Tätigkeitskatalog nicht. Es wird so viel umstrukturiert, dass wir gar nicht mehr wissen: Wird überhaupt noch gereinigt?“

Große Schwierigkeiten gibt es im Dachauer Haus mit der Wäsche. Das ist Helios seit langem bekannt. Und: Der Konzern hat bereits reagiert. Der externe Dienstleister fliegt zum Jahresende raus. „Er hat die Standards nicht erfüllt“, meint Geschäftsführer Engelbrecht.

Etwa 25 000 Patienten werden im Dachauer Krankenhaus jährlich stationär behandelt. Dazu kommen rund 40 000 ambulante Behandlungen. „Es gibt Fälle, wo wir nicht die Leistung bringen“, gibt Geschäftsführer Christoph Engelbrecht zu.

Engelbrecht spricht von Einzelfällen. „Doch jeder einzige ist einer zu viel."

zim/ans/sj

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